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Medizin

Kinder wachsen in Höhenlagen langsamer

Donnerstag, 10. September 2020

/ruslanita, stock.adobe.com

Addis Abeba – Kinder, die in höheren Regionen leben, bleiben auch unter idealen Voraussetzungen in den ersten Lebensjahren im Körperwachstum zurück. Der Nachteil beginnt laut einer weltweiten Studie in JAMA Pediatrics (2020; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.2386) bereits vor der Geburt.

Mit zunehmender Höhe über dem Meeresspiegel sinkt der Sauerstoffgehalt der Luft. Dies führt während der Schwangerschaft zu einer chronischen Hypoxie, die das fetale Wachstum hemmen kann. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Kinder in höheren Lagen bei der Geburt kleiner sind.

Eine Studie des „International Food Policy Research Institute“, einem Forschungsinstitut im Bereich der Entwicklungspolitik mit Sitz in Washington, zeigt jetzt, dass die Wachs­tumsnachteile auch in den ersten 5 Lebensjahren anhalten.

Das Team um Kaleab Baye von der Universität in Addis Abeba hat die Daten zu 964.299 Kindern aus 59 Ländern zusammengetragen, die zwischen 1992 und 2018 in den „Demographic and Health Surveys“ der „United States Agency for International Development“ (USAID) erhoben wurden. Die Kinder lebten in Regionen von 372 Metern unter dem Meeresspiegel bis 5.951 Metern über dem Meeresspiegel (m ü. M.).

Die Ergebnisse zeigen, dass die Körpergröße in den ersten 5 Lebensjahren mit dem Anstieg der Höhe des Wohnortes abnimmt. Bis zu einer Höhe von 500 m ü. M. ist der Rückgang minimal, danach kommt es zu einem linearen Abfall der Körpergröße, die etwa ab einer Wohnorthöhe von 2.000 m stark zunimmt.

Die Wachstumsdefizite betrugen im HAZ-Score („Height-for-age z-score“) in Addis Abeba/Äthiopien (2.355 m ü. M.) 0,4 Standardeinheiten (SD). In La Paz/Bolivien (3.650 m ü. M.) sind es sogar 0,6 SD weniger als auf Meereshöhe.

Ein geringes Körperwachstum in den ersten Lebensjahren gilt als Marker für eine Unter­entwicklung („stunting“). Ihre Vermeidung ist seit langem ein Ziel der Entwicklungs­hilfe. In Gambia konnte laut Baye ein Rückstand von 0,74 SD im HAZ-Score erst nach 4 Jahr­zehn­ten intensiver Interventionen zur Verbesserung der Ernährung beseitigt werden.

Ob dies auch bei den Kindern in den Hochlagen gelingt, ist fraglich, da die Ursachen nicht in der Ernährung zu suchen sind. Eine genetische Adaptation in der Bevölkerung scheint möglich. Sie erfordert jedoch viele Generationen.

In Tibet haben sich in der Bevölkerung Mutationen ausgebreitet, die die Sauerstoff­versorgung im Gebirge verbessern. In Lake City (3.048 bis 3.353 m ü. M.) im US-Staat Colorado ist es dagegen mehr als 150 Jahre nach dem Eintreffen der Einwanderer aus Europa noch zu keiner Veränderung in der Körpergröße gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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