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Medizin

COVID-19: Metabolisches Syndrom gehört zu den gefährlichsten Risikofaktoren

Mittwoch, 26. August 2020

/neirfy, stock.adobe.com

New Orleans – Die Kombination aus Bluthochdruck, Fettleibigkeit sowie hohen Blut­zucker- und Blutfettwerten, die als Metabolisches Syndrom bezeichnet wird, war in einer US-Studie in Diabetes Care (2020; DOI: 10.2337/dc20-1714) mit einem 4-fach erhöhten Risiko auf eine schwere oder tödliche COVID-19 verbunden.

Das Metabolische Syndrom ist die Quintessenz eines ungesunden Lebensstils. Ursache sind eine langjährige Überernährung und ein Bewegungsmangel, die bei einer gene­ti­schen Prädisposition zu Adipositas, Prädiabetes/Diabetes, Hypertonie, Hypertriglyzeri­dämie und reduziertem HDL-Spiegel führen können.

Diabetologen stellen die Diagnose, wenn 3 der 5 Faktoren vorliegen. Das Metabolische Syndrom geht mit einer niederschwelligen Entzündungsreaktion mit einem Anstieg von C-reaktivem Protein einher, Laktatdehydrogenase und einigen Interleukinen, die bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 offenbar die Entwicklung einer schweren COVID-19 fördern.

Die einzelnen Komponenten wurden in früheren Untersuchungen bereits als Risiko­fakto­ren erkannt. Ihr gemeinsames Auftreten scheint die Gefährdung der Patienten jedoch deutlich zu steigern, wie die Erfahrungen am Tulane Medical Center in New Orleans zei­gen.

Dort wurden auf dem Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle zwischen dem 30. März und 5. April 287 Patienten mit COVID-19 behandelt. Viele Patienten wiesen Kompo­nen­ten des Metabolischen Syndroms auf. Am häufigsten waren Hypertonie (80 %), Adipositas (65 %), Diabetes (54 %) und ein niedriges HDL-Cholesterin (39 %).

Bei den Patienten, die die Kriterien eines Metabolischen Syndroms erfüllten, kam es sehr häufig zu einem komplizierten Verlauf. Das Team um Joshua Denson ermittelt eine adjus­tierte Odds Ratio (aOR) für eine Behandlung auf der Intensivstation von 4,59 (95-%-Kon­fidenzintervall 2,53 bis 8,32).

Die Patienten benötigten häufiger eine mechanische Beatmung (aOR 4,71; 2,50 bis 8,87) und sie erlitten öfter ein akutes Atemnotsyndrom (aOR 4,70; 2,25 bis 9,82). Das Sterberi­siko war ebenfalls deutlich erhöht (aOR 3,42; 1,52 bis 7,69). Für die einzelnen Komponen­ten war ein Einfluss auf das Sterberisiko nicht sicher nachweisbar.

Ausschlaggebend für die ungünstige Prognose scheint deshalb die Kombination der Risi­ko­faktoren zu sein. Auch für die Biomarker des Metabolischen Syndroms kann Denson einen negativen Einfluss auf die Prognose nachweisen: Ein Anstieg des C-reaktiven Pro­teins (aOR 3,66; 1,22 bis 10,97) und der Laktatdehydrogenase (aOR 3,49; 1,78 bis 6,83) war mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert.

Der Pathomechanismus ist laut Denson nicht geklärt. Den betroffenen Patienten rät der Mediziner jedoch, wachsam zu sein, um unter allen Umständen eine Infektion mit COVID-19 zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

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