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Politik

Angriffe auf Rettungsdienste auf Rekordniveau

Donnerstag, 27. August 2020

/dpa

Stuttgart – Im vergangenen Jahr sind Sanitäter und Feuerwehrleute in Baden-Württem­berg so oft wie nie zuvor angegriffen und auch verletzt worden. Im Vergleich zum Jahr 2011 seien sie mindestens drei Mal häufiger attackiert worden, teilte das baden-württem­bergische Innenministerium mit.

Verglichen mit dem vorvergangenen Jahr ist die Zahl der körperlichen Angriffe im Jahr 2019 um mehr als ein Drittel gestiegen. „Da spielen sich ab und zu Szenen ab, bei denen wir über Polizeischutz nachdenken müssen“, sagte Marc Groß, Landesgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

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Schockiert habe ihn besonders ein Zwischenfall bei den jüngsten Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt: „Da wurden Rettungskräfte in ihrem Wagen minutenlang einge­kesselt und beworfen – mit einem Patienten an Bord“, erinnert sich Groß. „Das hat uns bis ins Mark getroffen. Solche Bilder kannte ich bislang nur aus den Bundeswehrberichten über Afghanistan.“

Das DRK ruft die Politik auf, öffentlich deutlicher zu machen, wie wichtig die Arbeit von Rettungskräften ist. „Das muss dringend einen anderen Stellenwert bekommen“, sagte Groß. Dagegen fordert die CDU für die Täter schärfere Konsequenzen.

Angreifer sollten deutlich schneller die Folgen der Taten zu spüren bekommen, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Blenke. „Beleidigungen oder Straftaten gegen Rettungskräfte mit klarer Beweislage könnten im beschleunigten Ver­fah­ren verhandelt werden“, schlug er vor. Nur durch eine schnelle Sanktionierung zeige der Rechtsstaat, dass er Straftaten nicht toleriere, sondern entschieden bestrafe.

Laut Ministerium wurden im vergangenen Jahr 190 Fälle von Gewalt gegen Rettungs­kräf­te registriert, im Jahr zuvor waren es noch 139 gewesen. 255 Angehörige von Rettungs­dienst und Feuerwehr wurden dabei Opfer körperlicher Angriffe – die Zahl liegt höher als die Zahl der Taten, da in einigen Fällen mehrere Menschen bei ein und demselben Zwi­schenfall angegriffen wurden.

93 von ihnen wurden 2019 bei den Zwischenfällen leicht verletzt – etwa bei Protest ge­gen die Rettungsgasse, bei Gaffern oder zum Beispiel bei Familienstreitigkeiten, bei de­nen sie von oft betrunkenen Angreifern gestoßen oder beworfen wurden.

Und das, obwohl 2017 ein Gesetz geändert und tätliche Angriffe auf Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter seitdem schärfer bestraft werden. Angriffe auf helfende Feu­erwehrleute zum Beispiel werden mittlerweile mit mindestens drei Monaten Freiheits­strafe geahndet.

Die Dunkelziffer der Taten dürfte nach Einschätzung des Innenministeriums hoch sein. Nicht jedes Kriminalitätsopfer zeige eine Straftat an, das sei berufsübergreifend so.

„Wurde die Straftat darüber hinaus auch durch Unbeteiligte nicht wahrgenommen und das Opfer vertraut sich niemandem an, begünstigt dies den Eingang in das sogenannte Dunkelfeld“, erläuterte das Ministerium. © dpa/aerzteblatt.de

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