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Medizin

Typ-1-Diabetes: Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle im frühen Kindesalter

Freitag, 28. August 2020

/RAJCREATIONZS, stock.adobe.com

Denver – Ein „Closed Loop“-System zur automatisierten Insulintherapie hat in einer randomisierten Studie bei Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren die Blutzuckerkontrolle vor allem in der zweiten Nachthälfte deutlich verbessert.

Es kam laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2004736) aber auch zu Fehlfunktion des künstlichen Pankreas.

Eine künstliche Bauchspeicheldrüse, die den Blutzucker regelmäßig kontrolliert und über eine Pumpe die notwendige Insulindosis abgibt, könnte eine ideale Lösung für den Typ-1-Diabetes sein. Das Misstrauen gegenüber dem „Closed Loop“-System ist jedoch groß, weil ein Ausfall der Pumpe zur Ketoazidose und eine Überdosierung zur Hypoglykämie führen kann, beides lebensgefährliche Komplikationen.

Die Bedenken betreffen vor allem den Einsatz bei kleinen Kindern, die andererseits sehr von einem künstlichen Pankreas profitieren könnten, das ihnen die lästigen Blutzucker­messungen und die häufigen Insulininjektionen erspart. Die pädiatrischen Patienten erreichen in den ersten Jahren ihrer Erkrankung selten eine optimale Blutzuckerkontrolle mit dem empfohlenen HbA1c-Wert von unter 7 %.

Ein künstliches Pankreas ist mittlerweile auch für Kinder (in Deutschland ab 7 Jahre) zugelassen, die Evidenz in dieser Altersgruppe beruhte bisher aber nur auf kleineren Studien ohne randomisierte Kontrollgruppe. Die US-National Institutes of Health haben im letzten Jahr erstmals eine randomisierte klinische Studie durchgeführt.

An der iDCL-Studie („International Diabetes Closed Loop“) nahmen an 4 US-Zentren 101 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren teil. Sie wurden im Verhältnis 3 zu 1 auf ein „Closed Loop“-System oder auf eine Kombination aus Insulinpumpe und Blutzuckersensor (allerdings ohne automatische Insulingabe) randomisiert.

Die meisten Kinder hatten bereits Erfahrungen mit der kontinuierlichen Blutzucker­messung und Insulinpumpen, die anderen wurden vor Beginn der Studie im Umgang mit den Geräten geschult. Die Studiendauer betrug 16 Wochen.

In dieser Zeit konnten die Kinder, die das „Closed Loop“-System benutzten, den Anteil der Zeit, in der sich der Blutzucker in einem Bereich von 70 bis 180 mg/dl befand, von 53 auf 67 % steigern. In der Kontrollgruppe stieg der Anteil von 51 auf 55 %. Die adjustierte Differenz zwischen den beiden Gruppen von 11 %-punkten (was 2,6 Stunden am Tag entspricht) war nach den Berechnungen des Teams um Paul Wadwa vom Barbara Davis Center for Diabetes in Denver mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 7 bis 14 %-punkten signifikant.

Den größten Vorteil erzielte das „Closed Loop“-System zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens. Die Blutzuckerwerte waren dann zu 80 % im Zielkorridor gegenüber nur 54 % in der Kontrollgruppe. In der übrigen Zeit war der Unterschied (63 versus 56 %) nicht so groß.

In beiden Gruppen verbesserte sich der HbA1c-Wert: In der Gruppe mit dem „Closed Loop“-System von 7,6 auf 7,0 % und in der Kontrollgruppe von 7,9 auf 7,6 %. Die Differenz zwischen den beiden Gruppen von 0,4 %-punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von -0,1 bis 0,9 %-punkte jedoch nicht signifikant.

In der Gruppe mit dem „Closed Loop“-System kam es häufiger zu Problemen mit der Insulinpumpe (bei 19 versus 9 % der Patienten), was einen Anstieg des Blutzuckers und der Ketonkörper zur Folge hatte (bei 15 versus 4 % der Patienten). Zu einer diabetischen Ketoazidose kam es jedoch in beiden Gruppen in keinem Fall.

Unterzuckerungen wurden in beiden Gruppen weitgehend vermieden. In der Gruppe mit dem „Closed Loop“-System fiel der Blutzuckerwert nur während 1,6 % der Zeit unter die Grenze von 70 mg/die. In der Kontrollgruppe betrug der Anteil 1,8 %. Schwere Hypo­glykämie-Episoden (mit Bewusstseinsverlust) traten in keiner der beiden Gruppen auf.

Das Fazit der Gruppe fällt positiv aus. Die künstliche Bauchspeicheldrüse sei ein Höhe­punkt jahrelanger Bemühungen, die Patienten mit Typ-1-Diabetes von den ständigen Belastungen durch Fingerstiche und Insulininjektionen zu befreien. Die Technologie sei für Kinder geeignet und sollte in Zukunft möglichst vielen Patienten mit Typ-1-Diabetes zugute kommen, meine die Autoren.

Die gelegentlichen Fehlfunktionen zeigen jedoch, dass Vorsicht geboten ist und es falsch wäre, sich blind auf die Technik zu verlassen. © rme/aerzteblatt.de

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