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Ausland

WHO: Herdenimmunität bei Coronavirus nur durch Impfung sicher

Freitag, 28. August 2020

/picture alliance, Keystone, Salvatore Di Nolfi

Genf – Die Weltbevölkerung kann nachhaltig vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 nur durch umfangreiche Impfungen geschützt werden. Das hat die COVID-19-Beauftragte der Welt­gesundheitsorganisation (WHO), Maria van Kerkhove, gestern betont.

Es sei keine Option, auf eine umfangreiche Immunität dadurch zu hoffen, dass sich mög­lichst viele Menschen mit dem Erreger SARS-CoV-2 infizieren. Dafür müssten sich sehr viele Menschen infizieren, viele würden schwer krank und müssten in Krankenhäuser.

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„Herdenimmunität auf natürlichem Wege zu erreichen ist gefährlich, weil viele Menschen sterben würden“, sagte sie.

„Es gibt keine einzige Infektionskrankheit, die unter Kontrolle gebracht wurde, indem man auf natürliche Immunität gesetzt hat“, betonte die WHO-Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan. Zudem würde es sehr lange dauern, bis genügend Menschen in­fiziert seien.

Nur eine Impfung könne die gewünschte Immunität schnell erreichen. Das Konzept der natürlichen Herdenimmunität propagieren in verschiedener Ausprägung etwa Brasilien und Schweden. Großbritannien ist nach anfänglichen Plänen davon abgerückt. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #745246
Andre B.
am Mittwoch, 2. September 2020, 18:27

@Geue - Dem stimme ich zu

Ihre Aussagen decken sich mit der Erkenntniss, das in den meisten Corona-Hotspots – darunter New York City, London, Stockholm und Bergamo, Madrid – die Infektionsrate sank, nachdem rund 20% der Bevölkerung Antikörper entwickelt hatten. Dieser Wert liegt deutlich niedriger als die ursprüngliche Schätzung von 60 bis 80%. (https://swprs.org/studies-on-covid-19-lethality/)
Avatar #49132
Geue
am Mittwoch, 2. September 2020, 16:12

20% sollten für das Erreichen der Herdenimmunität reichen

"Sie sagten anfangs, Corona- und andere Grippeviren verflüchtigten sich irgendwann wie von selbst. Bedeutet das also, dass es dafür gar nicht unbedingt die sogenannte Herdenimmunität, also eine möglichst breite Durchseuchung der Bevölkerung, braucht? Die Rede ist ja immer wieder von 60 Prozent an Immunisierten, die nötig wären, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten.

Dieser Wert 60 Prozent schwirrt überall herum, ist aber nicht überprüft. Der beste Beweis ist ja die schwere Grippeepidemie von 2017/18. Die Statistik zählte damals rund 16 Millionen Erkrankte. Betroffen waren also bloß 20 Prozent der Bevölkerung und trotzdem war die Grippe auf einmal weg. Und das RKI erklärte die Grippesaison dann auch umgehend für beendet, als die Infektionszahlen deutlich zurückgingen. Aber heute ist alles anders."
Quelle:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=60685

Interviewt wurde:
Der frühere Vorsitzende der Europäischen Region des Internationalen Verbands der Epidemiologen, Ulrich Keil
Avatar #49132
Geue
am Mittwoch, 2. September 2020, 16:05

Rückgang der Infektions- und Todeszahlen

Herdenimmunität nur durch Impfung? Naja, da hilft schon schlichte Logik:
Preisfrage: Warum gingen und gehen in Schweden (dort schaut es seit ca. 2 Wochen sehr gut aus - auch und gerade im Vergleich mit dem hochgelobten Deutschland) und inzwischen in fast allen Ländern die Infektionszahlen zurück? Ohne Impfung wohlgemerkt. Und auch in Ländern, wo keine Hygienemaßnahmen etc. umgesetzt werden konnten. Und in Ländern mit einer niedrigen Bevölkerungsdichte.
Und aberwitzigerweise haben wir - leider - die höchste Todesrate (pro. 100.000 Einwohner) in Ländern mit den heftigsten Anticorona-Massnahmen, wie z.B. in Peru.
Die einzige vernünftige Erklärung ist, dass dort überall jetzt schon eine gewisse (eine 100%ige ist selten) Herdenimmunität erreicht wurde.
Nur in Ländern mit heftiger "flattening-the-curve"-Politik zieht sich das Infektionsgeschehen in die Länge und es kommt hier und da (Spanien z.B.) zu kleineren Ausbrüchen. Man erinnere sich: Dort wurden Hunde stundenweise für Geld verliehen, damit man während der Ausgangssperre einen legalen Grund für Spaziergänge hatte.
Avatar #745246
Andre B.
am Samstag, 29. August 2020, 17:41

@practicus - Aber natürlich dürfen Sie, aber .....

... mir ist duchaus bewusst, das die Interpretierbarkeit von serologischen Tests ihre Grenzen hat und deshalb hatte ich ja bereits auch das Studiendesign der laufenden "Corona- Antikörperstudie" des RKI scharf kritisiert. Woraus Sie allerdings entnehmen das ausschließlich nur Gesunde getestet wurden, das erschließt sich mir allerdings nicht und welcher direkter kausaler Zusammenhang zwischen potenziell abgelehnten Patienten und den Ausführungen der WHO und meinem dazugehörigen Kommentar besteht, gibt mir ebenfalls ein kleineres Rätsel auf.

Das in einigen Ländern lokale Überlastungen des Gesundheissystems zu beobachten waren ist zwar richtig, aber dies hatte zahlreiche Ursachen wie z.b. das viele positiv Getestete, aber NICHT erkrankte Ärzte oder Pflegekräfte in Quarantäne geschickt wurden. In Norditaliengab es z.b. ebenfalls eine Flucht von ausländischem Pflegepersonal, die aus Panik in Ihre Heimatländer flüchteten. In Schweder ist bzw. war allerdings nie solch eine partielle Überbelastung erkennbar. (https://swprs.org/fakten-zu-covid-19/#jp-carousel-32127&, https://swprs.org/fakten-zu-covid-19/#jp-carousel-31603)

In den meisten der weltweit schwerer betroffeneren Länder, ereigeten sich 2/3 der Todesfälle in Pflegeheimen, die von einem allgemeinen Lockdown nicht profitierten. Diese Personengruppe hätte man durch gezielte Maßnahmen viel besser und effektiver schützen müssen!

Anhand folgender Zahlen lässt sich aber erkennen, das selbst in Regionen mit einer tweilweisen oder vollständigen Überlastung des öffentlichen Gesundheitswesens, die IFR sich trotzdem nachweislich im Rahmen einer mittleren Influenza bewegt.

Für Spanien vom 7 August: Covid confirmed > 0.82, Excess deaths > 1.07, Below 50 years > 0.10, Below 40 years > 0.03 (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.08.06.20169722v1)

Für Norditalien vom 6 August: Above 70 years > 10.5, Below 70 years > 0.43, Below 50 years > <0.01, 80+, first phase > 30.40, 80+, second ph. > 8.10 (https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.31.2001383)

Für New York vom 29 Juni: Overall > 0.70, 25 to 44 y. > 0.12, <25 years > 0.01 (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.28.20142190v1 & https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.27.20141689v1)

Für England vom 14. bzw. 21 August: July 28 (MCT) > 0,30, July 28 (ONS), 45 to 64 years > 0.50, Below 44 years > 0.03 (https://www.cebm.net/covid-19/estimating-the-infection-fatality-ratio-in-england/ & https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.08.12.20173690v2)

Für Belgien vom 20 Juni: General population > 0.43, Incl. care homes > 1.25, 45 to 64 years > 0.21, Below 44 years > 0.02 (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.20.20136234v1)
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 29. August 2020, 16:06

@Andre B. - kurzes Gedächtnis?

Darf ich Sie daran erinnern, dass in Bergamo - genauso wie in Spanien oder in Schweden - schwerkranke Senioren entweder nicht im Krankenhaus aufgenommen wurden (Schweden, Spanien, Frankreich) oder zum Sterben nachhause geschickt wurden (Italien)!?
Die Ergebnisse serologischer Tests von großen Zahlen gesunder Menschen sind ohnehin fragwürdig. Sensitivität und Spezifität sind so gering, dass zuverlässige Aussagen bei geringer Vortestwahrscheinlichkeit nicht möglich sind.
Avatar #745246
Andre B.
am Samstag, 29. August 2020, 14:00

Verbreitung von Falschinformation durch die WHO

"Es sei keine Option, auf eine umfangreiche Immunität dadurch zu hoffen, dass sich mög­lichst viele Menschen mit dem Erreger SARS-CoV-2 infizieren. Dafür müssten sich sehr viele Menschen infizieren, viele würden schwer krank und müssten in Krankenhäuser."

Frau Soumya Swaminathan scheint leider wieder nicht auf dem Laufenden zu sein, denn in den meisten Corona-Hotspots – darunter New York City, London, Stockholm und Bergamo, Madrid – sank die Infektionsrate, nachdem rund 20% der Bevölkerung Antikörper entwickelt hatten. Dieser Wert liegt tatsächlich deutlich niedriger als die ursprüngliche Schätzung von 60 bis 80%.

Zur vermeindlichen zu erwartenden Hospitalisierungsrate:

Erste Schätzungen, die auf chinesischen Daten basierten, gingen von einer sehr hohen Kranken­haus­auf­enthaltsrate von 20% aus, was zu der Strategie führte, die Kurve abzuflachen, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden. (https://www.npr.org/sections/goatsandsoda/2020/03/20/815408287/how-the-novel-coronavirus-and-the-flu-are-alike-and-different?t=1598701946434) Populationsbasierte Antikörperstudien (siehe oben) haben jedoch seitdem gezeigt, dass die tatsächlichen Kranken­haus­auf­enthaltsraten nahe bei 1% liegen, was im Bereich der Kranken­haus­auf­enthaltsraten für Influenza (1 bis 2%) liegt. (https://www.cdc.gov/flu/about/burden/index.html)

Die US-amerikanische CDC stellte fest, dass die Covid-19-Hospitalisierungsraten für Personen ab 65 Jahren „innerhalb der Influenza-Hospitalisierungsraten liegen“, wobei die Raten für Personen zwischen 18 und 64 Jahren etwas höher und für Personen unter 18 Jahren „viel niedriger“ (im Vergleich zur Influenza) sind . (https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/covid-data/covidview/index.html)

In lokalen Hotspots wie New York City liegt die Kranken­haus­auf­enthaltsrate basierend auf Antikörperstudien bei etwa 2,5% (19,9% oder 1,7 Millionen Menschen mit Antikörpern (https://www.governor.ny.gov/news/amid-ongoing-covid-19-pandemic-governor-cuomo-announces-results-completed-antibody-testing) und 43.000 Kranken­haus­auf­enthalte bis zum 2. Mai. (https://www1.nyc.gov/assets/doh/downloads/pdf/imm/covid-19-daily-data-summary-hospitalizations-05022020-1.pdf)

Die viel niedrigere als erwartete Kranken­haus­auf­enthaltsrate könnte erklären, warum die meisten Covid-19-Feldkrankenhäuser selbst in schwer betroffenen Ländern wie den USA, Großbritannien und China weitgehend leer blieben. (https://www.npr.org/2020/05/07/851712311/u-s-field-hospitals-stand-down-most-without-treating-any-covid-19-patients & https://www.hsj.co.uk/service-design/newly-opened-nightingale-to-remain-empty-for-time-being/7027465.article
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