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Medizin

Zeitumstellung führt zu mehr Verkehrsunfällen und Behandlungsfehlern

Freitag, 23. Oktober 2020

/dpa

Boulder/Colorado und Rochester/Minnesota – Die Müdigkeit, mit der viele Menschen auf die Zeitumstellung im Frühjahr reagieren, wenn sie eine Stunde „verlieren“, führt zu mentalen Fehlleistungen.

Zu den Folgen gehören nach einer Studie in Current Biology (2020; DOI: 10.1016/j.cub.2019.12.045) ein Anstieg der tödlichen Verkehrsunfälle und nach einer Studie in SLEEP (2020; DOI: 10.1093/sleep/zsaa056.171) eine Zunahme der Behandlungsfehler durch Ärzte. Die American Academy of Sleep Medicine (AASM) fordert die Rückkehr zur früheren Standardzeit.

Viele Schlafmediziner gehören zu den Gegnern der Sommerzeit. Sie warnen davor, dass die Umstellung der Uhr im Frühjahr und im Herbst den Tag-Nacht-Rhythmus der Bevölkerung empfindlich stört. Vor allem die Verkürzung der Nacht um 1 Stunde im Frühjahr führe zu Fehlleistungen.

Tatsächlich konnte ein Team um Céline Vetter von der Universität von Colorado in Boulder kürzlich zeigen, dass es in den USA nach dem „Spring forward“ zu einem Anstieg der tödlichen Verkehrsunfälle um 6 % kommt. Die Chronobiologin hatte die Daten des „Fatality Analysis Reporting Systems“ ausgewertet, das in den USA tödliche Verkehrs­unfälle registriert, um nach Ursachen zu suchen.

Dazu könnte die Umstellung auf die Sommerzeit gehören, die die Autofahrer zwingt, sich am Montag nach dem zweiten Sonntag im März eine Stunde früher hinter das Steuer zu setzen. Die Fahrer brauchen etwa eine Woche, bis sich ihre innere Uhr an die neuen Bedingungen gewöhnt hat.

In dieser Woche konnte Vetter einen Anstieg der tödlichen Unfälle um im Durchschnitt 5,7 pro Tag nachweisen. In der gesamten Woche waren es mehr als 28 tödliche Verkehrs­unfälle.

Da in den USA relativ wenige Menschen im Straßenverkehr sterben, könnte der „Spring forward“ für 626 von 8.958 tödlichen Verkehrsunfällen der letzten Jahre verantwortlich sein.

Eine Analyse von schweren Nebenwirkungen an einer US-Krankenkasse zeigt nun, dass auch die Aufmerksamkeit von Ärzten unter der Zeitumstellung leidet. Bhanu Kolla vom Center for Sleep Medicine von der Mayo Clinic in Rochester fand heraus, dass es in den ersten 7 Tagen nach der Zeitumstellung im Frühjahr zu einem Anstieg der vermutlichen Behandlungsfehler um 18 % kam, der mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 6 bis 34 % signifikant war.

Im Herbst, wenn die Ärzte eine Stunde länger schlafen können, kam es ebenfalls zu einem Anstieg um 5 %, der allerdings statistisch nicht signifikant war.

Kolla stellte ihre Ergebnisse auf einer Tagung der American Academy of Sleep Medicine vor. Die US-Fachgesellschaft listet in einem Positionspapier eine Reihe von Studien zu den akuten und chronischen Auswirkungen der Zeitumstellung auf und spricht sich für eine Rückkehr zur früheren Standardzeit aus.

Ähnlich hatten sich im Oktober 2018 eine Reihe europäischer Fachgesellschaften geäußert und die EU-Kommission zur Abschaffung der Sommerzeit aufgefordert. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #758408
Gurke
am Montag, 26. Oktober 2020, 14:56

Beibehaltung der Sommerzeit

Viele Studien kommen zu dem Schluss, dass für die Kinder die Schule zu zeitig beginnt. Wie hier in den Kommentaren auch, werden häufig die Schulkinder als Argument für die Beibehaltung der Winterzeit, aufgeführt.
ich möchte hier den folgenden Vorschlag anbringen: man könnte die Sommerzeit beibehält und gleichzeitig den Schulbeginn mindestens 1 h nach hinten verlegen. So hätte man den angenehmen Effekt des längeren Sonnenscheins am Nachmittag im Winter und den Kindern wäre nicht geschadet.
Avatar #672683
friedert
am Sonntag, 25. Oktober 2020, 15:19

Für die ganzjährige Beibehaltung der Normalzeit (Winterzeit) ...

... sprechen einige Argumente. Die Abschaffung der zweimal jährlichen Zeitumstellung ist überfällig. Für die ganzjährige Sommerzeit spricht laut Befürwortern hellere Abende. Der Preis dafür ist aber nicht nur im Winter zu zahlen. Hätten der wir im Winter auch die Sommerzeit, ginge im Dezember und im Januar die Sonne erst gegen 9:00 Uhr auf, vor allem für Schulkinder wäre es eine zusätzliche Belastung (unphysiologisch frühes Aufstehen, Schulweg in der Dunkelheit), was als wichtiges Argument ja schon häufig gesagt wird. Weniger diskutiert wird allerdings, dass ein früherer Sonnenuntergang im Sommer in Zeiten des Klimawandels mit heißeren Sommern den Vorteil einer früheren Abkühlung am Abend hätte, was sich auch auf den Schlaf auswirkt. Und in heißen Sommernächten ist es auch nach Sonnenuntergang noch möglich, draußen den Abend zu genießen. Dem sommerlichen Spaß ginge nichts verloren.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 24. Oktober 2020, 09:23

Zeitumstellung: 40 Jahre Volksverdummung!

Die Sommer-/Winter-Zeitumstellung ist und bleibt globale Volksverdummung! Gesellschafts-, Kultur-Wissenschafts-, Polit-, Bildungs-Eliten und die gesamte Öffentlichkeit sollten endlich aufwachen.

Was für ein kindlich-infantiler Wunderglaube seit 1980, an die Sinnhaftigkeit von Zeit-Umstellungen zu glauben. Mit der Einführung von Sommer- bzw. Winterzeit sollte der Allgemeinbevölkerung als Fake-News weis gemacht werden, dass dadurch der Sonnenstand, die reale Sonnenschein-Dauer oder gar der Energieverbrauch beeinflusst werden könnten.

Über 500 Millionen EU-Einwohner und ca. 330 Millionen US-Bürgerinnen und-Bürger wissen von Kindesbeinen an, dass wegen des höheren Sonnenstands im Sommer das Tageslicht jahreszeitlich wesentlich länger als das Nachtlicht besteht. Künstliche Beleuchtungen bleiben kürzer eingeschaltet, um sie bei niedrigerem Sonnenstand im Winter länger anzulassen.

Wer mit einer idiotischen Zeitverschiebung glaubt, im Winter es morgens früher hell werden zu lassen, wird mit eigener Dummheit geschlagen, weil es dafür abends früher dunkel wird. Und dass die Züge beim nächtlichen Zurückstellen von 3 Uhr auf 2 Uhr eine ganze Stunde stehen bleiben, damit sie nicht früher als geplant ankommen, ist im EDV-Zeitalter ein anachronistischer Treppenwitz!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #742961
hzwo77
am Samstag, 24. Oktober 2020, 07:23

...scheitert noch an europäischer Bürokratie

Prinzipiell stünde einer Abschaffung ja nichts im Wege, das Europaparlament hat das bereits 2018 empfohlen. Aus falscher Harmoniesucht heraus (bzw. unnötiger Bürokratie heraus) muss nun noch eine "europaweite Folgenabschätzung" erfolgen - was sich vermutlich ewig hinzieht. Schon lustig wie schwierig es ist eine Fehlentscheidung rückgängig zu machen, bei deren Einführung sicher keine "europaweite Folgenabschätzung" erfolgt war.
Avatar #760232
penangexpag
am Samstag, 24. Oktober 2020, 05:44

endlich handeln !

Die Zeitumstellung war aus wirtschaftsökonomischen Gründen eingeführt worden. Die waren nicht unsinnig, ihre Wirksamkeit ist aber nie bewiesen worden. Zugleich bedeutet die Zeitumstellung einen massiven Eingriff in elementarste biologische Funktionen des Menschen - nämlich den Schlafzyklus. Auch dies wieder ein Beispiel für die monetäre Arroganz der Gesellschaft. Dieser Unsinn sollte umgehend beseitigt werden.
LNS

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