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Politik

Arzneimittel­experimente an Kindern und Jugendlichen bestätigt

Dienstag, 1. September 2020

/PMDesign, stock.adobe.com

Hannover – Eine weitere Untersuchung hat Hinweise auf Medikamentenversuche in nie­der­sächsischen Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Jahren 1945 bis 1978 bestätigt. Belege für solche Versuche fanden sich insbesondere in Akten der Kinder- und Jugend­psychiatrie Wunstorf, wie das Sozialministerium heute in Hannover mitteilte.

Dies geht aus dem Abschlussbericht einer Studie des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung (IGM) im Auftrag des Ministeriums hervor.

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Die 110 Seiten umfassende Untersuchung belege eindrücklich das erschreckende Aus­maß illegaler und zutiefst unethischer Arzneimittelstudien, sagte Sozialministerin Carola Reimann (SPD) heute in Hannover.

„Was wir heute für die Betroffenen tun können, ist, die Missstände der damaligen Zeit his­torisch aufzuarbeiten und öffentlich zu machen und das erlittene Leid anzuerkennen.“

Für die Untersuchung wertete die Wissenschaftlerin Christine Hartig Akten von Kinder- und Jugendpsychiatrischen Kliniken in Wunstorf und Königslutter, der Universitätsklinik Göttingen und von Erziehungsheimen aus. Eine erste Studie hatte bereits im Juni 2019 Hinweise auf die Versuche ergeben.

Hartig schätzt, dass in Wunstorf zwischen 1953 und 1976 etwa vier Prozent der aufge­nom­­menen Kinder und Jugendlichen betroffen waren. Ihnen seien auch Stoffe verabreicht worden, die noch nicht auf dem Markt waren.

Bei zugelassenen Medikamenten sei es um Fragen gegangen, die heute Teil von Arznei­mittel­studien seien, wie die Ausweitung des Indikationsbereiches oder die Dosierung. Un­ter anderem handelte es sich um Neuroleptika, Schlafmittel und Antidepressiva.

Ein Ziel sei gewesen, eine Medikation zu finden, um verhaltensauffällige Kinder und Ju­gendliche leichter betreuen zu können. „Dabei wurden Nebenwirkungen billigend in Kauf genommen“, hieß es. Öffentliche Stellen hätten Arzneimittelversuche akzeptiert, um Geld für Medikamente zu sparen.

„Die Befunde dieses Berichtes zeigen eindeutig, dass die Sedierung von Kindern und Ju­gendlichen zum Erreichen eines institutionell erwünschten Verhaltens an der KJP Wuns­torf Teil der Krankenhausroutine war und, dass Medikamentenversuche auch mit dem Ziel durchgeführt wurden, eine solche Sedierung – im günstigsten Fall unter Verringerung der Nebenwirkungen – zu erreichen“, heißt es in der Schlussbemerkung. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #735550
rp__bt
am Dienstag, 1. September 2020, 18:39

Wieder fehlen die wichtigen Informationen

Sind die Versuche erst heute illegal, oder waren sie es damals schon? Wer profitierte davon? Wurden Kinder geschädigt? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man ans Bewerten gehen.
LNS
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