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Coronakrise: Kürzere Quarantäne und Kontakttagebücher

Mittwoch, 2. September 2020

/picture alliance, NurPhoto, Emmanuele Contini

Berlin – Steigende Infektionszahlen, Quarantänedauer, Maskendebatte. In seinem ers­ten NDR-Podcast nach der Sommerpause hat sich der Berliner Virologe Christian Drosten viel­diskutierten Coronathemen gewidmet.

So betonte er, dass die seit Ende Juli steigenden Fallzahlen in Deutschland nicht nur auf die Zunahme von Tests zurückzuführen seien. Es sei auch schon im Mai und Juni viel ge­testet worden, als die Infektionszahlen sehr niedrig waren, erläuterte der Experte von der Berliner Charité. „Die jetzigen Zahlen, die sind schon real.“

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Die wirkliche Infektionshäufigkeit in der Bevölkerung spiegelten aber auch sie nicht wi­der, sie würde aus unterschiedlichen Gründen unterschätzt. Zum einen könne man ein­fach nicht alle Menschen testen, so Drosten. Zum anderen infizierten sich zunehmend junge Menschen, die nur harmlose, milde Infektionen hätten. Die würden womöglich ihre Infektionen verheimlichen und nicht in die Statistik einfließen.

„Wenn ich auf 'ner illegalen Technoparty war, dann hab ich ja noch mehr die Tendenz, meine Symptome zu verstecken und mich nicht diagnostizieren zu lassen.“ Um die Akzep­tanz der Maßnahmen in der Gesellschaft zu erhalten, sprach sich Drosten für eine Verkür­zung der Isolierungszeit aus. „Wenn man Cluster als Ganzes isoliert, dann kurz (zum Bei­spiel 5 Tage) und mit Freitestung auf Restinfektiosität“, so Drosten auf Twitter. Mit diesem Vorschlag gehe er „bis an die Schmerzgrenze der Epidemiologie“, sagte er der Zeit.

„Das ist schon, sagen wir mal, eine steile These, dass man sagt, nach fünf Tagen ist ei­gentlich die Infektiosität vorbei.“ Die Überlegung sei aber: „Was kann man denn in der Realität machen, damit man nicht einen De-Facto-Lockdown hat?“, erklärte er. „Es nützt ja nichts, wenn man alle möglichen Schulklassen, alle möglichen Arbeitsstätten unter wochenlanger Quarantäne hat.“

Wer einmal eine COVID-19-Erkrankung überstanden hat, ist nach Ansicht des Virologen – zumindest für die Dauer dieser Pandemie – immun. „Da bin ich sehr zuversichtlich.“ In Ausnahmefällen könne es zwar bei erneutem Kontakt mit dem Virus zu einer neuerlichen, oberflächlichen Infektion kommen, zu einer schweren Lungenentzündung würde es dann aber nicht kommen. Auch dürften aus solchen Fällen keine Infektions­ketten mehr er­wach­sen, da die Viruskonzentration bei den Betroffenen zu gering sei.

Drosten warb erneut für das Tragen von Alltagsmasken. Trotz einiger Schwächen trügen sie zum Schutz vor einer Coronainfektion maßgeblich bei. Sie senkten zumindest zum Teil auch die Ansteckungsgefahr durch Aerosole.

Um die Nachverfolgung von Infektionsketten zu erleichtern, empfahl Drosten, Kontakt­tagebücher zu führen. Nicht jeder sei bereit, die Corona-App zu nutzen. Es sei aber sinn­voll, sich jeweils abends zu notieren, wann man mit mehreren Menschen in einer Gruppe zusammen war.

Auch er selbst führe solch ein Tagebuch. Um gut über den Herbst zu kommen, sei die „ma­ximale Kooperation des Großteils der Bevölkerung nötig“, sagte Drosten. Eine Prog­nose, bis zu welcher Grenze sich die Zahl der Coronaneuinfektionen noch kontrollieren lasse und wann eine massenhafte Ausbreitung beginne, sei kaum möglich.

„Das ist ganz schwer einzuschätzen, ab wann das passiert.“ Klar sei aber, dass die Lage außer Kontrolle geraten könne. Bei immer mehr unentdeckten Clustern – weil Menschen ihre Infektion nicht bemerken oder verschweigen – könne es einen Schwelleneffekt ge­ben. Die Zahlen stiegen dann schlagartig, ohne dass ein Grund erkennbar sei. „Ich habe das Gefühl, das ist, was wir gerade in Frankreich sehen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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