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Pflege-Report: Ein Viertel der Pflegehaushalte hoch belastet

Mittwoch, 2. September 2020

/picture alliance, Mascha Brichta

Berlin – Wer Angehörige zuhause pflegt, ist oft enorm eingespannt. Etwa ein Viertel der Pflegehaushalte fühle sich zeitlich und psychisch sehr stark belastet. Das zeigt eine heute veröffentlichte Forsa-Umfrage für den Pflege-Report 2020 des Wissenschaftlichen Insti­tuts der AOK (WIdO).

Im Durchschnitt geben die befragten Pflegehaushalte eine zeitliche Belastung von 8,6 Stunden pro Tag für die Unterstützung der Pflegebedürftigen an. Mehr als sechs Stunden übernehmen dabei die Haupt-Pflegepersonen.

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Etwa 1,5 Stunden werden von anderen – nicht bezahlten – Personen und nur knapp eine Dreiviertelstunde (0,7 Stunden) pro Tag von Pflegediensten oder über andere Leistungen der Pflegeversicherung erbracht. Für die Studie wurden rund 1.100 pflegende Angehörige befragt.

„Die Leistungsangebote der Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren deutlich ausge­baut und flexibler gestaltet worden. Trotzdem ist jede vierte Person, die einen Angehöri­gen zu Hause pflegt, durch die Pflege insgesamt hoch belastet“, sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO.

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die zeitliche Belastung sehr ungleich verteilt ist. So wendet die Hälfte der pflegenden Angehörigen rund vier Stunden und weniger pro Tag dafür auf, während ein Viertel der Haushalte mindestens siebeneinhalb Stunden (7,6 Stunden) pro Tag leistet.

Haushalte, in denen Menschen mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer Demenz ge­pflegt werden, sind besonders stark gefordert: Hier leistet ein Viertel der betroffenen Haushalte rund zehn Stunden Pflegearbeit pro Tag. Jeder zehnte Haushalt gibt sogar Pfle­gezeiten von 20 Stunden und mehr pro Tag an.

Insgesamt ergab sich für knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen eine „hohe Be­lastung“. Für 43 Prozent wurde eine mittlere Belastung festgestellt, nur bei knapp 31 Pro­zent der Pflegenden ist sie niedrig.

Die finanziellen Aufwendungen der Haushalte, in denen Angehörige gepflegt werden, hal­ten sich dagegen in Grenzen: Nur jeder vierte Pflegebedürftige hat selbst Eigenleis­tun­­gen für die Pflege und Betreuung zu Hause zu tragen. In diesem Fall liegen sie im Durchschnitt bei rund 250 Euro im Monat.

Auch Haushalte, die Sachleistungen wie einen Pflegedienst oder Tagespflege nutzen, sind nur zu knapp 40 Prozent von Eigenanteilen betroffen. Sie zahlen dann im Schnitt etwa 200 Euro pro Monat. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, zusätzlich privat weitere Hilfen zu bezahlen.

„Insgesamt zeigen sich deutlich geringere finanzielle Belastungen als in der vollstationä­ren Pflege, wo die Eigenanteile – und zwar nur für Pflege und Betreuung – im vergleich­baren Zeitraum zur Befragung im 4. Quartal 2019 im Durchschnitt 775 Euro betrugen“, sagte Pflegeexpertin Schwinger.

Sie forderte, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Betroffenen in der ambulanten Pflege stärker zu berücksichtigen. Die Leistungen der Pflegeversicherung müssten noch stärker differenziert und gezielt den Haushalten gewährt werden, die einen besonders hohen Bedarf haben. © kna/aerzteblatt.de

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