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Medizin

SARS-CoV-2: Super-Spreader steckt ein Drittel aller Buspassagiere an

Mittwoch, 2. September 2020

/crimson, stock.adobe.com

Hangzhou – Ein Super-Spreader-Ereignis in einem Reisebus, zu dem es zu Beginn der Epidemie in China kam, bestätigt, dass SARS-CoV-2 auch über Aerosole verbreitet werden kann. Eine Schlüsselrolle könnte nach dem Bericht in JAMA Internal Medicine (2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.5225) die Klimaanlage des Fahrzeugs gespielt haben.

Am 19. Januar hatten 126 buddhistische Laienpriester einen Tempel in Ningbo, 900 km östlich von Wuhan, besucht. Sie waren in 2 Bussen angereist und nach einem Gottes­dienst, der wegen einer günstigen Witterung im Freien stattfand, und einem Imbiss im Haus mit demselben Bus wieder nach Hause gefahren. Die Busreisen hatten jeweils 50 Minuten und die religiöse Veranstaltung 150 Minuten gedauert.

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Am Abend nach der Rückkehr erkrankte ein Passagier in den 60ern mit Husten, Frösteln und Myalgie. Er erholte sich rasch, doch 3 Tage später erkrankten Frau und Kind. In einer Klinik wurde in einem Abstrich SARS-CoV-2 bei allen 3 Familienmitgliedern nachgewie­sen. Wie sich später herausstellte hatte der Index-Patient 2 Tage vor der Klosterreise mit 10 Personen an einem Tisch gesessen, von denen 4 zuvor in der Provinz Hubei gewesen waren.

Der Index-Patient hatte jedoch nicht nur seine Familie angesteckt. In den Folgetagen wurde bekannt, dass sich 23 weitere der 68 Passagiere des Busses (35,3 %) mit SARS-CoV-2 infiziert hatten (und bis auf 2 auch an COVID-19 erkrankt waren). In dem anderen Bus gab es keine einzige Infektionen.

Von den übrigen 167 Besuchern (die aus anderen Regionen angereist waren) und unter den 5 Mönchen gab es 7 Infektionen. Alle Infizierten konnten sich später daran erinnern, dass sie sich in der Nähe des Index-Patienten aufgehalten hatten.

Die Häufung der Erkrankungen im Bus macht nach Ansicht von Feng Ling von der zentralen Gesundheitsbehörde der Provinz Zhejiang in Hangzhou ein Super-Spreader-Ereignis in dem Bus sehr wahrscheinlich.

Die Behörde konnte recherchieren, wo die 67 Passagiere (neben dem Busfahrer) gesessen hatten. Der Index-Patient hatte seinen Sitz in der 8. von 15 Reihen zwischen 2 anderen Passagieren. Von diesen hatte sich nur einer infiziert. Die anderen Infizierten waren mehr oder weniger gleichmäßig über die Sitze des Busses verteilt.

Ein Cluster in der Umgebung des Index-Patienten war nicht zu erkennen. Sogar in der letzten Reihe des Busses gab es 2 Infektionen. Auffällig war, dass es auf der Seite des Busses mit dem Index-Patienten an den Fensterplätzen mit einer Ausnahme (dem Nachbarn des Index-Patienten) keine weiteren Infektionen gegeben hatte. Auch der Busfahrer und die Personen in der Nähe der Türen auf der anderen Seite des Busses blieben gesund.

Die Verteilung der Infizierten in dem Bus zeigt, dass sich das Virus in abgeschlossenen Räumen auch über Aerosole ausbreiten kann. Die Klimaanlage könnte die Verteilung der Viren gefördert haben. Der Busfahrer hatte die Heizung angestellt und die Luft im Bus befand sich währen der beiden Fahrten in ständiger Zirkulation.

Dazu passt, dass an den Fenstern, die sich öffnen ließen, und in der Nähe der Ausgänge wenige bis keine Infektionen aufgetreten waren. Der zweite Bus, in dem es keine einzige Infektion gab, schuf gewissermaßen die Voraussetzungen für ein kontrolliertes Experi­ment, dessen Ergebnis bei einer Infektionsrate von 35,3 versus 0 % kaum eindeutiger hätte ausfallen können. © rme/aerzteblatt.de

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