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Politik

Paul-Ehr­lich-Institut: Kein Mangel an Grippeimpfstoff

Donnerstag, 3. September 2020

/dpa

Berlin – Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hält die Mengen an Grippeimpfstoff zum Start der neuen Influenzasaison für ausreichend. „Wir können derzeit keinen Mangel an Grippe­impf­stoff für die Influenzasaison 2020/21 in Deutschland erkennen“, sagte PEI-Präsident Klaus Cichu­tek.

„Wir gehen davon aus, dass die Hersteller mindestens 21 Millionen Dosen bereitstellen werden.“ 13,6 Millionen Dosen seien nach Chargenprüfung bereits für Deutschland frei­ge­geben. Für diese Jahreszeit sei das eine übliche Menge.

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Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) orderte nach eigenen Angaben weitere sechs Millionen Dosen, die vorrangig im November und Dezember geimpft werden sollen. In der vergangenen Saison hatten insgesamt 21 Millionen Dosen zur Verfügung gestanden.

Zuletzt hatte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach vor Lieferengpässen bei Grippeimpfungen gewarnt. „Wir brauchen unbedingt noch zusätzlichen Impfstoff“, sagte Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Die Grippeimpfung wird in der Pandemie vor allem Risikogruppen wie Senioren und chro­nisch Kranken empfohlen. Dabei geht es darum, Superinfektionen mit anderen gefährli­chen Erregern zu vermeiden, aber auch darum, die Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten.

Empfohlen wird eine Grippeimpfung auch für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen und im Gesundheitswesen, dazu für Schwangere und Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen.

Sollten sie alle eine Impfung haben wollen, wären das rund 40 Millionen Menschen. Für Experten ist das kein Widerspruch zu den geringeren Impfstoffmengen: Zuletzt ließen sich nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) nur rund ein Drittel der Senioren (35 Prozent) immunisieren.

Bei Menschen mit chronischen Grundleiden waren es ein Fünftel bis die Hälfte. „Die Er­fah­rungen der letzten Jahre haben auch gezeigt, dass die jeweils verfügbaren Impfstoff­men­gen nicht vollständig in der jeweiligen Saison verbraucht wurden“, sagte BMG-Spre­cher Sebastian Gülde.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Klaus Reinhardt forderte eine möglichst lücken­lose Grippeimpfung der Erzieher und Lehrer in Deutschland. Die in den kalten Monaten zu erwartende Grippewelle dürfe nicht den Betrieb von Kitas und Schulen gefährden, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Nicht nur die Kinder, sondern auch das Personal müsse deshalb „so umfänglich wie möglich“ gegen Grippe geimpft werden, betonte Reinhardt. Nur so könne das gesamte Bildungssystem geschützt werden.

Auch Reinhardt rechnet nicht mit einer „bundesweiten Mangellage“. Angesicht der erhöh­ten Impfbereitschaft in diesem Jahr könne es allerdings zu örtlichen Engpässen in einzel­nen Praxen kommen.

Reinhardt sagte auch, es sei gut möglich, dass die Grippewelle in diesem Herbst und Winter harmloser verlaufe als in früheren Jahren: „Durch die Coronaroutine, also durch häufiges Händewaschen, Maskentragen und Abstandhalten, werden Infektionen insge­samt reduziert.“

Die Grippeimpfung könne ihrerseits einen positiven Effekt auf das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus haben, erläuterte er. Jede Impfung sei „ein Trainingsprogramm für das Immunsystem“.

Die Grippeimpfung führe zwar nicht zu einer spezifischen Immunisie­rung gegen das Coronavirus, könne aber das Immunsystem derart stärken, dass eine In­fektion mit dem Erreger harmloser verlaufe. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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