Vermischtes
Empfehlungen zum Arbeitsschutz im Gesundheitswesen
Freitag, 4. September 2020
Berlin – Der Arbeitsschutz in Pandemiezeiten ist ein vielbesprochenes Thema und wird branchenübergreifend diskutiert – so auch im und für das Gesundheitswesen. Das Kompetenznetz Public Health COVID-19 hat zum Arbeitsschutz im Gesundheitswesen nun eine Handreichung erstellt, die Maßnahmen sowohl für den klinisch-stationären Bereich, für Praxen und medizinische Labore als auch für den Rettungsdienst und Krankentransporte aufführt.
Sie richtet sich an Arbeitsschutzverantwortliche sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen. Kern des Infoblattes sind technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen, die einzelne Akteure ergreifen können, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu vermeiden.
Wesentlich ist laut Kompetenznetz, dass Arbeitgeber Gefährdungsbeurteilungen für spezifische Tätigkeiten vor Ort erstellen, und zwar in allen infektiösen Stadien – so legt es auch die Biostoffverordnung fest.
Sie konkretisiert für die verschiedenen Bereiche „Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)“, wobei TRBA 250 Regeln für das Gesundheitswesen und die Wohlfahrtspflege umfassen, TRBA 100 sich auf die Arbeit in Laboratorien beziehen und TRBA 400 Vorgaben für die Tätigkeit mit biologischen Arbeitsstoffen liefern. Halten sich Arbeitgeber an die Technischen Regeln, so sind die Anforderungen der Verordnung erfüllt.
Grundlegend für alle Gruppen sind die allgemein geltenden Abstandsregeln von mindestens anderthalb Metern, der Einsatz von geschultem Personal, die konsequente Umsetzung von Hygienevorgaben (Händehygiene, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) beziehungsweise von FFP-2-Masken), das Tragen von Schutzausrüstung bei der Versorgung COVID-19-Erkrankter und der Einsatz von FFP3-Atemschutzmasken, wenn das Infektionsrisiko durch Aerosole besonders hoch ist.
Darüber hinaus sind für die einzelnen Bereiche des Gesundheitswesens spezifische Maßnahmen formuliert. So werden für den klinisch-stationären Bereich unter dem Aspekt der räumlichen Unterbringung Isolierzimmer mit eigener Nasszelle, Kohortenunterbringung und die Bewertung beziehungsweise Abschaltung von raumlufttechnischen Anlagen genannt. Flächen in Krankenzimmern und Medizinprodukte, die im direkten Kontakt mit Patienten verwendet wurden sollten täglich beziehungsweise direkt nach Gebrauch desinfiziert werden.
Auch thermische Desinfektionsverfahren, der Transport von Geschirr in geschlossenen Behältnissen, die Desinfektion von Textilien und die richtliniengetreue Entsorgung von Abfällen werden angesprochen. Der Transport infizierter Patienten sollte unter dem Aspekt der Zumutbarkeit und mit entsprechenden Hygienemaßnahmen geplant und begleitet werden. Auch Besuchsbeschränkungen beziehungsweise die Unterweisung von Besuchspersonen können laut Handreichung das Infektionsrisiko senken.
Für Praxen wird laut Kompetenznetz wichtig, Patientenströme zu lenken. Verdachtspatienten können isoliert werden, es können MNS ausgehändigt werden und das Personal ist zum Tragen persönlicher Schutzausrüstung je nach Art und Umfang der Exposition angehalten. Auch sollte der Gesundheitszustand des Personals stets beobachtet werden.
Für medizinisches Personal in Laboren verweist die Handreichung auf die TRBA 100. So können beispielsweise die Probenvor- und -aufbereitung unter den Bedingungen der Schutzstufe 2 durchgeführt werden. Tätigkeiten, bei denen Aerosole mit SARS-CoV-2 freigesetzt werden können, sollen in der Sicherheitswerkbank der Klasse 2 durchgeführt werden.
Dabei seien Schutzkittel und Handschuhe zu tragen, Atemschutzmaßnahmen (mindestens FFP2) und das Tragen von Schutzbrillen werden empfohlen. Möglicherweise kontaminierte Oberflächen, Materialien oder Schutzausrüstung müssen nach der Arbeit desinfiziert oder entsorgt werden.
Der Rettungsdienst ist angehalten, das aufnehmende Krankenhaus über die Verdachtsdiagnose beziehungsweise eine SARS-CoV-2-Infektion zu informieren. Das Personal sollte immer FFP-2-Maske, Schutzkittel, Handschuhe und Schutzbrille tragen und Patienten, wenn diese es tolerieren, mit einem MNS ausstatten.
Fahrzeuge sollten nach dem Transport entsprechend aufbereitet und desinfiziert und kontaminierter Abfall entsprechend entsorgt werden. Die Aufbereitung von Wäsche und Dienstkleidung erfolgt entsprechend des Rahmenhygieneplans.
Die Handreichung gilt für den Zeitraum der epidemischen Lage von nationaler Tragweite gemäß Paragraf 5 Absatz 1 Infektionsschutzgesetz und wird entsprechend neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse aktualisiert. © kk/aerzteblatt.de

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