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Medizin

SARS-CoV-2: Studie befürchtet Langzeitfolgen für Kinder mit MIS-C

Montag, 7. September 2020

/SciePro, stock.adobe.com

San Antonio/Texas – Das multisystemische inflammatorische Syndrom (MIS-C), an dem einige wenige Kinder nach einer – häufig asymptomatischen – Infektion mit SARS-CoV-2 erkranken, kann zu schweren Schäden am Herzmuskel und den Koronargefäßen führen, die nach Einschätzung von Experten in EClinicalMedicine (2020; DOI: 10.1016/j.eclinm.2020.100527) eine lebenslange Betreuung erforderlich machen könnten.

Ende April hatten britische Pädiater als erste über Kinder berichtet, die nach einer Infek­tion mit SARS-CoV-2 an einer schweren Multisystem-Entzündung erkrankten, die sie als „pediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with severe acute respiratory syndrome coronavirus 2” (PIMS-TS) bezeichnet hatten. Inzwischen scheint sich die kürzere Bezeichnung „Multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) durch­zusetzen.

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Die Erkrankung erinnert an das von dem japanischen Pädiater Tomisaku Kawasaki 1967 beschriebene und nach ihm benannte Krankheitsbild. Wie das Kawasaki-Syndrom ist das MIS-C durch ein plötzlich einsetzendes hohes Fieber gekennzeichnet, das begleitet wird von kardialen und gastrointestinalen Beschwerden, einer Konjunktivitis und häufig auch einem Hautausschlag.

Nach den jetzt von einem Team um Alvaro Moreira vom University of Texas Health Scien­ce Center in San Antonio vorgestellten Ergebnissen einer systematischen Übersicht zu 662 Patienten aus 39 Studien stehen die kardialen Komplikationen im Vordergrund.

Insgesamt 71,0 % der Patienten wurden auf einer Intensivstation behandelt, bei 60 % war es zu einem schweren Kreislaufschock gekommen, 52,3 % mussten mit positiv inotropen Medikamenten behandelt werden. Bei fast 90 % der Patienten wurde eine Echokardiogra­fie durchgeführt, in der bei 54,0 % eine Störung der Herzfunktion gefunden wurde.

In der Regel war dies eine verminderte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, die den Kreis­laufschock erklärte. Insgesamt 8,1 % der Patienten hatten Aneurysmen in den Koronarar­te­rien. Laut Moreira benötigten 22,2 % der Patienten eine mechanische Beatmung, bei 4,4 % wurde eine extrakorporale Membranoxygenierung durchgeführt. Insgesamt 11 Patienten (1,7 %) starben in der Akutphase der Erkrankung.

Die Pathogenese der MIC-S ist nicht bekannt. Auffällig ist, dass die Infektion mit SARS-CoV-2 bei vielen Patienten asymptomatisch verlief. Sie lag in der Regel auch einige Wo­chen zurück. Die meisten Kinder hatten zu Beginn des MIS-C bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2, was dafür spricht, dass sie die Infektion mit dem Coronavirus bereits über­standen hatten, als sie (erneut) erkrankten.

Die Entzündungsreaktion beim MIS-C verläuft ungewöhnlich heftig. Sie ist deutlich stär­ker als bei COVID-19. Der Anstieg des Ferritins war mit 977 ng/ml 18 mal so hoch. Auch die Procalcitonin-Werte waren mit 30,5 ng/ml ungewöhnlich hoch. Diese extreme Ent­zün­dungsreaktion schadet in erster Linie dem Herzen. Das Troponin als Biomarker für eine Myokardschädigung stieg im Mittel auf 494 ng/l, der B-Typ des Natriuretischen Pep­tid (BNP) als Biomarker für eine Herzinsuffizienz war auf 3.604 pg/ml angestiegen.

Von der Pumpschwäche haben sich die Patienten nach einer Behandlung mit Immunglo­bu­li­nen und Glukokortikoiden wieder erholt. Die durchschnittliche Verweildauer im Kran­kenhaus betrug 7,9 Tage. Auch die Troponin-Werte sind wieder gesunken. Die Aneurys­men bleiben jedoch bestehen. Ob sich die Koronararterien wieder erholen werden, was im Wachstumsalter nicht auszuschließen ist, werden die Kardiologen erst in einigen Jahren wissen.

Anders als die Erwachsenen mit COVID-19 haben die Kinder mit MIS-C häufig keine Be­gleiterkrankungen. Der wichtigste Risikofaktor war eine Adipositas, die bei 50,8 % der Kinder vorlag. 26,5 % hatten respiratorische Vorerkrankungen, 6,3 % eine immunologi­sche oder allergische Störung. Kardiale Vorerkrankungen (2,9 %) waren dagegen selten. © rme/aerzteblatt.de

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