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Kostenfreie Tests enden, erneute Debatte um Finanzierung

Dienstag, 8. September 2020

/picture alliance, XinHua

Berlin – Die kostenfreien PCR-Tests auf SARS-CoV-2-Tests für Rückkehrer aus Nicht-Risiko­gebieten sollen am kommenden Dienstag enden. Gleichzeitig soll die Möglichkeit zur Tes­tung von drei auf zehn Tage für diejenigen verlängert werden, die ohne Symptome aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen. Das geht aus einem Entwurf der neuen Testverordnung hervor, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

Wie bereits vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) sowie nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten der Bundesländer und der Bundeskanzlerin angekündigt, sollte die Teststrategie nach der Sommerreisesaison entsprechend verän­dert werden. Zuletzt war die Verordnung Anfang Juni geändert sowie im August und auf alle Einreisende aus dem Ausland erweitert worden.

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Mit der nun veränderten Teststrategie sie es das Ziel „möglichst lageangepasst auf die jeweiligen saisonalen Herausforderungen zu reagieren. Dieses lageangepasste Handeln erfordert regelmäßig eine Anpassung des regulatorischen Rahmens.“ Damit soll auch die Zahl der Tests reduziert werden.

Bei den Kosten für die Test heiße es in der Rechtsverordnung nun, dass weiterhin der Umfang nicht quantifizierbar sei, „da noch keine belastbaren Daten über die Anzahl der durch­geführten Testungen für Einreisende aus dem Ausland auf Basis der zugrunde­lie­genden Verordnung“ vorlägen.

Außerdem rechnet das BMG vor: „Je nicht durchgeführtem Test für Einreisende aus Nicht-Risikogebieten entfallen Ausgaben der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds von 50,50 Euro. Sofern die Testungen bislang von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten oder durch ein von einer Kassenärztlichen Vereinigung betriebenes Testzentrum durchge­führt wurden, wird die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds um weitere 15 Euro je Test entlastet.“ Die Rechtsverordnung betrifft jeweils Tests, die nicht im Rahmen einer Krankenhausbehandlung stattfinden.

Unterdessen fordert der Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes Martin Litsch, die Kosten für die Tests zu senken und dafür eigene Preisverhandlungen mit den Herstel­lern und Laboren führen zu dürfen. Die Kosten für die Tests, die von Vertragsärzten abge­rechnet werden, liegen derzeit bei 39,40 Euro. Die Vergütung für Tests, die unter die BMG-Verordnung fallen, liegen bei 50,50 Euro.

Litsch hält dies in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland für „unan­gemessen“. Dagegen bezeichnet er die Vergütung in Höhe von 20 Euro als „durchaus an­gemessen“.

Bislang verhandelt der GKV-Spitzenverband die Kosten für die Tests mit der Kassen­ärztli­chen Bundesvereinigung (KBV). Bei den Verhandlungen im Juni gab es bereits Unstimm­ig­keiten, da die KBV mindestens 50 Euro verlangte, der GKV-Spitzenverband „perspekti­visch“ bei acht Euro landen möchte.

Der Verband ALM- Akkreditierten Labore in der Medizin kritisierte diese erneute Forde­rung des AOK-Spitzenverbandes: „Für eine Kassenart, die sich selbst als Gesund­heitskasse bezeichnet, ist das schon ein starkes Stück. Versorgungspolitik nach Aktenlage mit dem durchsichtigen Ziel, die Ausgaben zulasten der Leistungserbringer zu kürzen, bringt das Land nicht weiter“, erklärte der ALM-Vorsitzende Michael Müller.

„Wir empfehlen, sich die Lage der Labore und die medizinische Versorgung vor Ort einmal selbst anzuschauen. Wir haben die Entscheidungsträger in der GKV bereits häufiger in eines unserer Labore eingeladen, um zu zeigen, wie Labor funktioniert und was es leisten kann“, so Müller weiter.

Müller begrüßte, dass die Bundesregierung wieder zu gezielteren Tests zurückkehren will. Die aktuelle Auslastung der Labore seien mit 934.348 Tests weiterhin sehr hoch. „Der Aus­lastungsgrad liegt bundesweit bei 85 Prozent und in vielen Regionen deutlich darü­ber. Der Rückstau beträgt noch immer rund 30.000 Tests“, heiß es dazu heute von den Labormedizinern.

Ebenso warnten sie davor, die Situationen zu unterschätzen. „Nur wenn wir weitsichtig agieren, werden wir auch im Herbst und Winter, wenn sich die Menschen wieder häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten und mehr Infektionen auftreten können, die Situa­ti­on im Griff haben“, erklärte Jan Kramer von ALM.

Auch den Vorstoß der FDP-Bundestagsfraktion, den aktuellen Pandemiestatus wieder auf­zuheben, wird kritisch betrachtet. „Die Infektionszahlen befinden sich weiterhin auf ei­nem relevanten Niveau – und niemand weiß, was uns im Herbst und Winter erwartet. Es wird erforderlich sein, schnell, pragmatisch und umsichtig reagieren zu können“, so die ALM. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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Hortensie
am Mittwoch, 9. September 2020, 14:07

Tests ersparen viele Folgekosten

Je mehr getestet wird, umso mehr Infektionen werden gefunden. D. h. Tests führen zur Früherkennung und führen zur Reduzierung der Zahl der Infizierten.
Es gibt damit automatisch weniger Folgekosten für Kranken-, Pflege- und Rentenkassen.
Von daher sollte es doch möglich sein, dass viel getestet wird und dass diese auch bezahlt werden.
LNS

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