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Medizin

Barrett-Ösophagus: Genomanalyse kann Krebsentwicklung vorhersehen

Donnerstag, 1. Oktober 2020

/medistock, stock.adobe.com

Cambridge/England – Eine oberflächliche Gensequenzierung in einer Biopsie könnte nach einer Studie in Nature Genetics (2020; DOI: 10.1038/s41591-020-1033-y) in Zukunft erkennen, ob sich aus einem Barrett-Ösophagus ein Speiseröhrenkrebs entwickelt.

Das Adenokarzinom des Ösophagus gehört zu den am schnellsten zunehmenden Krebsarten. Der Krebs im unteren Abschnitt der Speiseröhre ist häufig Folge einer langjährigen gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Ihm geht in der Regel eine Metaplasie der Schleimhaut voraus, die als Barrett-Ösophagus bezeichnet wird und ein häufiger Befund bei endoskopischen Untersuchungen ist.

Allerdings erkranken nur etwa 1 bis 5 % der Menschen mit Barrett-Ösophagus im Verlauf ihres Lebens an Speiseröhrenkrebs, was die Entscheidung zu einer Therapie erschwert, die bei einem ausgedehnten Befall eine Ösophagektomie erforderlich macht.

Bisher gibt es keine Methode, mit der sich die weitere Entwicklung eines Barrett-Ösophagus sicher vorhersagen lässt. Eine Genomsequenzierung könnte dies in Zukunft ändern. Durch das Ablesen der Gensequenz lassen sich Veränderungen im Erbgut der Zellen erkennen, die auf eine beginnende Krebsentstehung hindeuten. Die Untersuchungen sind allerdings kostspielig und kommen deshalb derzeit für eine Früherkennung nicht in Frage.

Eine neue Variante, die „Shallow Whole Genome Sequencing“ (SWGS), könnte dies ändern. Die SWGS verzichtet auf die genaue Identifizierung der Gene, sie kann allerdings Verän­derungen in der Zahl der Genkopien sicher erkennen. Diese „Copy number variations“ (CNV) sind ein Frühzeichen vieler Krebserkrankungen. Auch beim Barrett-Ösophagus werden sie gelegentlich beobachtet.

Ein Team um Rebecca Fitzgerald von der Universität Cambridge in England hat mit der SWGS 777 Proben von 88 Patienten analysiert, die an einem Barrett-Ösophagus erkrankt und bis zu 15 Jahre nachbeobachtet wurden. Die Forscher fanden heraus, dass die Genome in Proben von einzelnen Patienten, die später an Krebs erkrankten, tendenziell eine höhere Anzahl von CNV aufwiesen und dass die Anzahl und Komplexität der CNV im Laufe der Zeit zunahm.

Mit einem statistischen Modell konnten sie vorhersagen, ob ein Patient ein hohes oder ein niedriges Krebsrisiko hatte. Das Modell wurde an einer zweiten Gruppe von 76 Patienten mit 213 Biopsien erfolgreich validiert.

Das Modell konnte laut Fitzgerald bei der Hälfte aller Patienten erkennen, ob sie in den kommenden 8 Jahren an Krebs erkranken werden. 2 Jahre vor der Diagnose des Ösopha­guskarzinoms wiesen 3/4 der späteren Krebspatienten CNV in den Biopsien des Barrett-Ösophagus auf. Bei diesen Patienten könnte sich eine präventive Behandlung lohnen, selbst wenn sie in der Entfernung des Ösophagus besteht.

Das Modell war auch in der Lage, Patienten zu erkennen, deren Krebsrisiko über viele Jahre gering bleibt. Bei diesen Patienten könnte eventuell auf die heute üblichen Kontroll­biopsien verzichtet werden, die jedes Mal eine Endoskopie erforderlich machen.

Die Kosten einer SWGS sind laut Fitzgerald überschaubar. Das Verfahren wurde ursprünglich für epidemiologische Studien entwickelt, in denen häufig eine größere Anzahl von Personen untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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