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Politik

Umbau der Krankenhaus­landschaft in Nordrhein-Westfalen schreitet voran

Mittwoch, 9. September 2020

/upixa, stock.adobe.com

Köln – In Nordrhein-Westfalen (NRW) schreitet der Umbau der Krankenhauslandschaft weiter voran, den der nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) im Jahr 2017 begonnen hat.

„Der Minister will die Angebote der Krankenhäuser durch eine feinere Planung stärker strukturieren und die Kooperationen zwischen den Häusern fördern – bei besonders sensi­blen Leistungen auch hin zu einer Zentralisierung“, fasste der Präsident der Krankenhaus­gesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), Jochen Brink, heute auf dem Gesundheits­kongress des Westens in Köln zusammen.

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Wichtig sei es, dass es bei der Umstrukturierung nicht primär um einen Bettenabbau und ein Schließungsprogramm gehe.

„Für den somatischen Bereich gibt es jetzt einen Katalog der Leistungsgruppen in einer Arbeitsversion“, sagte Brink. „Darin sind die qualitativen Mindestvoraussetzungen für die Krankenhäuser beschrieben, zum Beispiel für ein Katheterlabor.“ Zudem sei darin beschrie­ben, nach welchen Kriterien die Häuser ausgewählt werden sollen, die bei einem Über­angebot Leistungen reduzieren müssen.

Finanzierung muss sich ändern

Wichtig sei dabei die Frage, wie der Bedarf gemessen werden soll. „Für die Bedarfsmessung sollte aus unserer Sicht die heutige Ist-Belegung die Nulllinie für die weitere Entwicklung sein“, sagte Brink. Vorgesehen sei, dass der Rahmenplan im ersten Quartal des nächsten Jahres stehe.

„Dann wollen wir in die Regionen gehen, um den Ansatz mit den Akteuren vor Ort zu besprechen“, so der KGNW-Präsident. Wichtig sei, die Krankenhausplanung dann aus den Regionen heraus zu machen und nicht mithilfe von Algorithmen.

Brink betonte, dass sich im Rahmen der neuen Krankenhausplanung auch die Finanzierung ändern müsse. „Wenn sich ein kleines Krankenhaus neben der Inneren und der Chirurgie noch eine Endoprothetik aufgebaut hat und die nun zur Disposition steht, könnte das Haus in wirtschaftliche Probleme kommen“, erklärte Brink. „Denn wenn die Endoprothetik weg­fallen würde, könnte es nicht mehr kostendeckend arbeiten.“

Gewinner und Verlierer

Diese Auffassung vertrat auch Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsfor­schung in Essen. „Wir werden durch eine Umschichtung der Leistungen wirtschaftliche Effekte haben“, sagte er.

„Wenn nicht bedarfsnotwendige Angebote wegfallen, wird es im Durchschnitt eine bessere Wirtschaftlichkeit über alle Häuser hinweg geben.“ Allerdings werde es dabei Gewinner geben und Verlierer.

„Die Verlierer kann man aber nicht dazu zwingen, Defizite hinzunehmen“, sagte Augurzky. „Deshalb müssen wir uns fragen, wie wir die Vergütung in diesem Prozess anpassen. Da könnte man sagen, dass man die Krankenhäuser nicht mehr zu 100 Prozent nach Menge vergütet, sondern einen Teil auch nach Vorhalteleistungen.“

Häufig komme es vor, dass sich die Geschäftsführung dazu entschlossen habe, einen Standort zu schließen, die Bürger vor Ort dann aber dagegen protestierten. In solchen Fällen sei es wichtig, die Menschen zu informieren, dass die Qualität der medizinischen Versorgung durch die Schließung eines kleinen Krankenhauses eher ansteige.

Prügel für Krankenhausschließungen

Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, meinte hingegen, die Schließung eines Krankenhauses sei ein so emotionales Thema, dass man die Bürger mit Argumenten nicht erreiche.

„Wir haben im Märkischen Kreis in den vergangenen Jahren fünf Krankenhäuser mit jeweils etwa 100 Betten geschlossen“, berichtete Gemke. „Intern wird einem dafür auf die Schulter geklopft. Öffentlich bezieht man aber Prügel. Das ging so weit, dass meine Kinder nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fahren konnten, weil sie gemobbt wurden.“

Gleichzeitig würden viele Menschen das Krankenhaus aber gar nicht mehr nutzen. „Es ist wie mit dem Einkaufen im Internet“, meinte Gemke. „Die Menschen wollen ihre Geschäfte behalten, kaufen aber immer mehr im Internet ein. Da sind viele Menschen auch nicht ehrlich mit sich.“

Er wünschte sich, dass mehr Akteure öffentlich für die Schließung von Krankenhäusern eintreten würden, zum Beispiel die Krankenkassen.

Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstands der AOK Rheinland/Hamburg, pflichtete ihm bei: „Auch Krankenkassen müssen vor Ort sagen, dass es gut ist, manche Krankenhäuser zu schließen. Aber dann müssen das alle Krankenkassen machen. Wenn es nur die AOK machen würde, bekämen wir ein Problem.“

Brink betonte: „Wir kämpfen nicht um jeden Standort und nicht um jedes Bett. Wir wollen uns dem Strukturwandel stellen und konstruktiv begleiten. Vor fünf bis zehn Jahren hätte ich das noch nicht so sagen können.“

Das Bewusstsein bei den Krankenhäusern selbst habe sich jedoch verändert. Das sehe man auch daran, dass sich die Zahl der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen seit 2013 von 403 auf 344 reduziert habe. „Da ist etwas in Bewegung“, sagte Brink.

Er wies darauf hin, dass die Entscheidung, einen Standort zu schließen, nicht bedeute, dass es das Ende dieses Standorts sei. „Er kann ja zum Beispiel als medizinisch-pflegerisches Versorgungszentrum erhalten bleiben“, sagte Brink. Das sei auch für die Öffentlichkeit wichtig. © fos/aerzteblatt.de

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