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Medizin

Studie: Alkoholkonsum erhöht Blutdruck bei Diabetikern

Freitag, 2. Oktober 2020

/Andrey Cherkasov, stock.adobe.com

Winston-Salem/North Carolina – Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind möglicher­weise besonders gefährdet, aufgrund eines Alkoholkonsums an einer arteriellen Hyperto­nie zu erkranken. In einer Kohortenstudie im Journal of the American Heart Association (2020; DOI: 10.1161/JAHA.120.017334) war bereits ein mäßiger Alkoholkonsum von 8 oder mehr Getränken in der Woche mit einem leicht erhöhten Risiko verbunden, das bei einem höheren Konsum deutlich anstieg.

Ein starker Alkoholkonsum wurde bereits in einer Studie aus dem Jahre 1915 mit einer arteriellen Hypertonie in Verbindung gebracht. Vor 35 Jahren konnten britische Forscher in einer Studie zeigen, dass eine einwöchige Abstinenz bei starken Trinkern den Blut­druck senken kann.

Ein leichter bis mäßiger Alkoholkonsum könnte jedoch auch günstige Auswirkungen auf den Blutdruck haben, weil er das Fortschreiten der Atherosklerose verlangsamt und da­mit die Elastizität der Arterien erhält, was einem Anstieg des (systolischen) Blutdrucks entgegenwirken sollte.

Dies scheint nach einer Untersuchung von Matthew Singleton von der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem in North Carolina nicht für Menschen mit Typ-2-Diabetes zu gelten. Die Forscher haben die Daten der ACCORD-Studie („Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes“) ausgewertet. Die randomisierte Studie hatte die Auswirkungen einer aggressiven Senkung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten auf das kardiovaskuläre Risiko untersucht.

Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie nach ihrem Alkoholkonsum befragt worden. Die Forscher setzten die Angaben mit dem Blutdruck der etwa 10.000 Typ-2-Diabetiker in Beziehung. Es handelt sich demnach um eine Querschnittstudie, die eine geringere Be­weis­kraft hat als eine Beobachtungsstudie, die die Entwicklung des Blutdrucks in den Jahren nach der Befragung untersucht hätte.

Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und der Beschränkung auf Patienten mit einem langjährigen Typ-2-Diabetes (Dauer im Mittel 10 Jahre) erlaubt die Studie laut Singleton jedoch erstmals einen Einblick in den Zusammenhang von Alkoholkonsum und Blutdruck in der wichtigen Risikogruppe.

Die Forscher fanden heraus, dass ein leichter Alkoholkonsum nicht mit einer arteriellen Hypertonie verbunden war. Die Odds Ratio von 1,11, die mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 0,93 bis 1,31 nicht signifikant war. Als leichter Alkoholkonsum wurden 1 bis 7 alkoholische Getränke pro Woche eingestuft. Ein alkoholisches Getränk sind ein kleines Bier (330 ml), ein Glas Wein (250 ml) oder ein kleines hochprozentiges Getränk (45 ml).

Diabetiker mit einem mäßigen Alkoholkonsum (8 bis 14 Getränke pro Woche) hatten dagegen zu 79 % häufiger einen erhöhten Blutdruck (Odds Ratio 1,79; 1,04 bis 3,11). Singleton ermittelte auch ein erhöhtes Risiko auf eine Hypertonie vom Stadium 1 (Odds Ratio 1,66; 1,05 bis 2,60) und auf eine Hypertonie vom Stadium 2 (Odds Ratio 1,62; 1,03 bis 2,54).

Ein Stadium 1 liegt nach den geltenden US-Leitlinien bei einem Druck von 130-139 mm Hg systolische oder 80-89 mm Hg diastolisch vor. Die Grenze zum Stadium 2 liegt bei 140/90 mm Hg.

Bei einem starken Alkoholkonsum (mehr als 15 Getränke pro Woche) steigt das Hyper­tonierisiko deutlich an. Die Odds Ratios betrugen 1,91 (1,17 bis 3,12) für einen erhöhten Blutdruck, 2,49 (1,03 bis 6,17) für eine Hypertonie vom Stadium 1 und 3,04 (1,28 bis 7,22) für eine Hypertonie vom Stadium 2.

Singleton rät Menschen mit Typ-2-Diabetes aufgrund der Ergebnisse, ihren Alkohol­konsum einzuschränken. Dies gelte insbesondere für die Patienten, die Probleme hätten, ihren Blutdruck mit Medikamenten zu kontrollieren. © rme/aerzteblatt.de

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