NewsÄrzteschaftMehr Engagement gegen Schwangerschafts­diabetes gefordert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Mehr Engagement gegen Schwangerschafts­diabetes gefordert

Donnerstag, 10. September 2020

/picture alliance, BSIP, Alice S.

Berlin – Mängel bei der Früherkennung und der Versorgung eines Gestationsdiabetes kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

In Deutschland hat sich die Erkrankungsrate für einen Schwangerschaftsdiabetes laut der Fachgesellschaft in den vergangenen 20 Jahren mehr als verfünffacht. Inzwischen erkrank­ten jährlich etwa 45.000 Frauen daran, was fast sechs Prozent aller Schwangerschaften entspreche.

Anzeige

Obwohl Screenings in der Schwangerenvorsorge festgeschrieben seien, werde die Erkran­kung häufig zu spät oder gar nicht diagnostiziert, kritisiert die DDG.

„Ein zu spät oder nicht diagnostizierter Gestationsdiabetes kann zu schweren Schwanger­schafts- und Geburtskomplikationen sowie Folgeerkrankungen bei Mutter und Kind führen“, warnte die DDG-Präsidentin Monika Kellerer. Außerdem erhöhe die Erkrankung das Risiko für die Mutter, an einem späteren Diabetes Typ 2 zu erkranken. Daher sei die Früherkennung besonders wichtig. Das hierzulande praktizierte Testverfahren sei aber unzureichend, so die Kritik.

Dieses Testverfahren sieht im Augenblick laut der DDG so aus: Die werdende Mutter trinkt für einen Ersttest im Zeitraum zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche eine Lösung mit 50 Gramm Glukose. Werden erhöhte Blutzuckerwerte gemessen, folgt erst dann ein Nüchtern-Test mit 75 Gramm Glukose, der sogenannte orale Glucosetoleranztest.

„Leider fallen viele tatsächlich an Gestationsdiabetes erkrankte Mütter in diesem zweistu­figen Verfahren aus dem Raster“, erklärte Ute Schäfer-Graf aus Berlin, Sprecherin der DDG Arbeitsgruppe „Diabetes und Schwangerschaft“. Denn der erste Test erfolge unabhängig von der Tageszeit oder der letzten Nahrungsaufnahme im nicht-nüchternen Zustand.

Das Diagnostikverfahren – so wie aktuell in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen – sollte umgehend überarbeitet werden, da die Zahl der unerkannten oder zu spät erkannten Fälle von Schwangerschaftsdiabetes weiterhin zu hoch sei, fordert die DDG. Dafür sollte der orale Glukosetoleranztest bereits zu Beginn eingesetzt werden. Dies empfehle auch die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO.

„Darüber hinaus ist die regelmäßige Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte durch die Patientinnen ein wesentlicher Bestandteil der Therapie eines Gestationsdiabetes“, erklärt Michael Hummel aus München, ebenfalls Sprecher der DDG Arbeitsgruppe „Diabetes und Schwangerschaft“. Doch bislang seien Blutzuckermessgeräte für nicht mit Insulin behandel­te Frauen nicht erstattungsfähig.

„Das ist weder aus medizinischer noch aus gesundheitsökonomischer Sicht nachvollzieh­bar“, betonte Hummel. In einer aktuellen Stellungnahme spricht sich die DDG daher dafür aus, Blutzuckermessgeräte für alle Patientinnen mit Gestationsdiabetes in den Hilfsmittel­katalog des GKV-Spitzenverbandes aufzunehmen, unabhängig von der Therapieform. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER