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Ausland

Ringen um Hilfe nach Brand im Flüchtlingslager Moria

Donnerstag, 10. September 2020

/picture alliance, AP, Petros Giannakouris

Berlin/Athen – Nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria herrscht in Deutschland weiter Uneinigkeit darüber, ob im Alleingang Migranten aufgenommen werden sollen. Die Bundesregierung verspricht Hilfe, setzt aber auf eine europäische Lösung. Doch aus den Regierungsparteien ertönen auch andere Stimmen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) etwa forderte, 2.000 Migranten aufzunehmen. Deutschland solle mit einem „Zeichen der Humanität“ vorangehen, sagte er in der ARD. In Griechenland sind indes die ersten Minderjährigen von der Insel Lesbos ans Festland gebracht worden.

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Nach Angaben von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Bundesregierung Soforthilfe auf Lesbos leisten. Dafür könnte beispielsweise das Technische Hilfswerk auf der Insel eingesetzt werden, sagte Heil heute.

Auf der griechischen Insel verbrachten Tausende Menschen die erste Nacht nach dem Großbrand auf den Straßen rund um das zerstörte Lager Moria. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei, Tränengas wurde eingesetzt. Zumindest ein Teil der Menschen soll in den nächsten Tagen zunächst auf Schiffen unterkommen.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl verlangte angesichts der Lage eine Luftbrücke nach Deutschland und in andere europäische Länder. Gestern Abend forderten in mehreren deutschen Städten Tausende Demonstranten von der Bundesregierung, Migranten von Lesbos und von anderen Inseln der Ägäis in der EU und in Deutschland aufzunehmen.

In einem Brief an Innenminister Horst Seehofer (CSU) forderten 16 Unions-Bundestags­abgeordnete die Aufnahme von 5.000 anerkannten Flüchtlingen vom griechischen Festland. Einer der Unterzeichner des Briefes, der menschenrechtspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Brand (CDU), betonte im SWR, dass es sich um Flüchtlinge handeln müsse, die bereits ein Asylverfahren in Griechenland durchlaufen haben.

Gegen einen deutschen Alleingang sprach sich hingegen der CDU-Innenpolitiker Mathias Middelberg aus. „Es geht um das politische Signal, das man setzt“, betonte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion. Stattdessen plädierte Middelberg für einen „Kreis der Willigen“ – also EU-Staaten, die sich gemeinsam für die Aufnahme von Menschen aus Moria entscheiden könnten. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #826922
Medizin_2020
am Freitag, 11. September 2020, 15:32

Endlich handeln!

Es ist schon traurig genug, dass man monatelang die Warnungen von Flüchtlingsorganisationen und Freiwilligenorganisationen wie auch der griechischen Bevölkerung zur Lage im Flüchtlingslager außer Acht gelassen hat. Wir haben hier nur das Glück, keine Grenze direkt am Mittelmeer zu haben.
Dabei wäre es allein aus medizinischer Sicht notwendig, schnellstmöglich die Flüchtlinge in andere EU-Staaten zu verteilen, um eine Ausbreitung von Erkrankungen bei mangelnder Hygiene aktuell, mangelnder Versorgung auch mit Lebensmitteln zu verhindern. Covid-19 und auch andere Infektionskrankheiten stellen immerhin auch für Flüchtlinge eine Gefahr dar. Es ist absolut unmenschlich, wie aktuell den Großteil der Menschen dort sich selbst zu überlassen.
Ein weiteres Warten ist unterlassene Hilfeleistung!
Avatar #811453
Stefanie Hubrich
am Donnerstag, 10. September 2020, 21:24

Antwort auf Brand im Flüchtlingslager

Ein Zufall und auch nicht der erste Protest, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Aber auch Feuer gab es zuvor, nur dieses Mal war es vernichtend. An einem Ort an dem 13.000 Menschen leben, also 10.000 mehr als vorgesehen wird es zwangsläufig zu solchen Unglücken kommen. Eine Schande.
Avatar #833365
HartmutSteeb
am Donnerstag, 10. September 2020, 19:19

Brand im Flüchtlingslager

Furchtbare Zustände. Aber kann mir jemand den "Zufall" erklären, dass just am Abend nach der kräftigen Demonstration der 13.000 Stühle vor dem Reichstag das Flüchtlingslager brennt?
LNS

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