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Medizin

Cochrane-Wissen­schaftler finden keine überzeugenden Belege für den Nutzen einer Aromatherapie bei Demenz

Freitag, 25. September 2020

/picture alliance, Zoonar, Eskymaks

Oxford – Wissenschaftler der Cochrane Dementia and Cognitive Improvement Group haben untersucht, ob eine Aromatherapie als alternatives Behandlungsverfahren bei der Linderung von Demenzsymptomen wirksam und sicher ist. Ihre Auswertung ist als Cochrane Review erschienen (DOI: 10.1002/14651858.CD003150.pub3).

Sie recherchierten dazu nach randomisierten Studien, die eine Aromatherapie für Menschen mit Demenz mit einer Kontrollbehandlung verglichen, bei der es sich entweder um die übliche Pflege oder um eine „Schein-Aromatherapie“ mit einem nicht duftenden Öl handeln konnte.

Die Forscher untersuchten die Wirkung auf Erregung, Verhaltens- und psychische Gesund­heitsprobleme und andere wichtige Symptome der Demenz. Außerdem erfassten sie Berichte über Nebenwirkungen.

„Da sich die Studien so sehr voneinander unterschieden, konnten wir die Ergebnisse statistisch nicht miteinander kombinieren, so dass wir die Ergebnisse der einzelnen Studien beschrieben und abschätzten“, berichten die Cochrane-Autoren.

Insgesamt haben sie 13 Studien mit zusammen 708 Teilnehmern einbezogen. Alle waren an Demenz erkrankt und lebten in Pflegeheimen. Der am häufigsten verwendete aroma­therapeutische Duftstoff war Lavendel. In den Studien wurden auch Zitronenmelisse-, Orangen- und Zedernextrakte verwendet.

„10 Studien bewerteten die Agitation, aber 5 berichteten nicht über Daten, die wir verwenden konnten, oder unser Vertrauen in ihre Ergebnisse war sehr gering. Wir hatten mäßiges oder geringes Vertrauen in die Ergebnisse der anderen 5: 4 berichteten über keinen signifikanten Effekt der Aromatherapie und eine berichtete über einen signifikan­ten Nutzen“, erklären die Cochrane-Wissenschaftler.

8 Studien untersuchten Verhaltens- und psychische Gesundheitsprobleme, aber 3 konnten laut den Forschern keine verwertbaren Daten vorlegen, „oder unsere Zuversicht in die Ergebnisse war sehr gering“, so die Autoren des Reviews.

„Von den übrigen 5 Studien, bei denen unsere Zuversicht mäßig oder gering war, berichteten 4 über einen signifikanten Nutzen der Aromatherapie und eine berichtete über keinen signifikanten Effekt“, berichten sie. Sie fanden in den Studien keine Hinweise darauf, dass eine Aromatherapie bei den Endpunkten Lebensqualität, Kognition, Stimmung, Schlaf, Aktivitäten des täglichen Lebens und Belastung des Pflegepersonals hilfreich war.

„Über Nebenwirkungen der Behandlung wurde entweder schlecht oder gar nicht berichtet“, so die Autoren.

„Wir haben keine überzeugenden Belege dafür gefunden, dass die Aromatherapie für Menschen mit Demenz vorteilhaft ist“, berichten die Forscher. Allerdings seien die Daten aus den vorliegenden Studien schlecht, „so dass Schlussfolgerungen nicht mit Sicherheit gezogen werden können“.

„Um festzustellen, ob die Aromatherapie sicher und wirksam bei der Linderung von Demenzsymptomen ist, sind größere, gut konzipierte Studien mit klarerer Berichterstat­tung erforderlich“, lautet das Fazit der Cochrane-Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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