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West-Nil-Fieber: Infektionen in Deutschland nachgewiesen

Freitag, 11. September 2020

/dpa

Düsseldorf – In Deutschland haben sich vier Menschen mit dem West-Nil-Fieber infiziert. Darauf hat das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hingewiesen. Alle Fälle wurden Mitte August im Rahmen einer Blut- oder Plasmaspende bestätigt. Zudem gibt es laut BNITM weitere Verdachtsfälle.

Laut den Tropenmedizinern tritt das West-Nil-Fieber vorwiegend in den Tropen und Sub­tropen auf. Seit einigen Jahren breitet es sich aber auch in Nordamerika und Südost­europa aus.

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Fälle in Deutschland sind seit vergangenem Jahr bekannt: „Im Jahr 2018 wurden die ersten lokal erworbenen Infektionen in Deutschland bei Vögeln und Pferden registriert, im Spätsommer des vergangenen Jahres sind in Ostdeutschland erstmals fünf Menschen erkrankt“, sagte Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reise­medizin. Er rechnet für den kommenden Herbst noch mit weiteren Infektionen.

„Deutlich stärker betroffen sind jedoch aktuell Spanien, Italien und vor allem auch Griechenland“, so Jelinek.

Bei West-Nil-Fieber handelt es sich dem Institut zufolge um eine akute, oft grippe­ähnliche Erkrankung, die von nachtaktiven Mücken übertragen wird. Hauptüberträger in Europa sind hauptsächlich die Mückenarten Culex pipiens bzw. Culex modestus.

Die Krankheit bricht drei bis sechs Tage nach dem Stich durch eine infizierte Mücke aus. Fieber, Muskelschmerzen und angeschwollene Lymphknoten sind typische Symptome. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickelt an Brust, Rücken und Armen einen Hautaus­schlag, der jedoch ohne Schuppung abheilt. Bei einigen Patienten kommt es zu Hirn- oder Hirnhautentzündung.

Vor allem bei älteren Menschen kann die Erkrankung tödlich verlaufen. „Ob sich ein Patient wirklich mit West-Nil-Fieber infiziert hat, wird durch einen spezifischen Antikör­pe­rtest oder Virusnachweis diagnostiziert“, erklärte Jelinek. Eine spezifische Therapie für West Nil-Fieber existier bislang nicht.

„Gegen das Virus gibt es keine Impfung“, so der Reisemediziner. „Daher ist ein konsequen­ter Mückenschutz, insbesondere in der Dämmerung und nachts, besonders wichtig“, sagte Jelinek.

Dem BNITM zufolge waren Mitte Juli die ersten Infektionen mit West-Nil-Fieber bei Vögeln in diesem Jahr gemeldet worden. So wurde in Berlin das Virus bei einer toten Blaumeise nachgewiesen.

Im Bergzoo Halle (Sachsen-Anhalt) verstarb eine Alpendohle an der Infektion, in Bern­burg (Sachsen-Anhalt) ein Uhu und im Erfurter Zoopark (Thüringen) eine Schneeeule.

„Wir raten insbesondere in diesen Gebieten zu konsequentem Mückenschutz“, so der Experte. Es werde diskutiert, dass Zugvögel im Frühjahr den West-Nil-Virus aus den tropischen und subtropischen Endemiegebieten einschleppten und dann in Europa auf Mücken übertrügen. Unter bestimmten Witterungsbedingungen könnten diese infizierten Mücken dann auch Menschen mit dem Virus anstecken. © hil/aerzteblatt.de

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