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Politik

Ambulante Psychotherapie: Sprechstunde und Akutbehandlung zunehmend nachgefragt

Freitag, 11. September 2020

/loreanto, stock.adobe.com

Berlin –Seit der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie im April 2017 werden Psychotherapeutische Sprechstunden und Akutbehandlungen zunehmend nachgefragt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zu den „Auswirkungen der Psychotherapie-Richtlinie-Reform und des TSVG auf die psychotherapeutische Versorgung“ (Bundestags-Drucksache 19/21716) hervor, die dem Deutschen Ärzteblatt vorab vorliegt.

So wurden 2017 circa 4,35 Millionen Sprechstunden bei niedergelassenen Psychothera­peuten durchgeführt; im Jahr 2019 waren es schon 7,7 Millionen (2018: 7 Millionen). Die Bundesregierung bezieht sich bei allen Zahlen auf Angaben der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV). Wurden in 2017 noch eine Million Akutbehandlungen durchge­führt, waren es 2019 bereits 2,7 Millionen (2018: 2,3 Millionen).

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30 Prozent der Patienten erhalten Richtlinienpsychotherapie bei dem selben Psychotherapeuten

Die KBV geht davon aus, dass 30 Prozent der Patientinnen und Patienten, die eine Sprech­stunde besucht haben, auch eine Richtlinienpsychotherapie bei derselben Psycho­thera­peutin oder demselben Psychotherapeuten erhalten haben. Dezidierte Informationen liegen nach eigenen Angaben hierzu aber nicht vor.

Gestiegen ist laut Bundesregierung beziehungsweise KBV seit Einführung der Struktur­reform auch die Zahl der Vermittlungswünsche nach Psychotherapie über die Termin­servicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen: 2017 gingen circa 61.000 Vermittlungswünsche nach einer Sprechstunde ein; 2019 waren es circa 131.200 (2018: 99.000). Die Vermittlungswünsche für Termine bei Kinder- und Jugendlichenpsycho­therapeuten stiegen von 2.600 in 2017 auf 6.000 in 2019 (2018: 4.200).

Akutbehandlungen wurden nach Angaben der KBV im Jahr 2017 rund 2.500 vermittelt; in 2019 waren es bereits 6.600 (2018: 3.900). Grundsätzlich wird aber nur ein kleiner Teil aller Termine über die TSS vermittelt, rund 1,5 Prozent.

Seit Oktober 2018 können auch Termine für probatorische Sitzungen bei Psychotherapeu­ten über die TSS vermittelt werden. Im 4. Quartal 2018 gingen circa 1.050 entsprechende Vermittlungswünsche bei den TSS ein, im Jahre 2019 waren es circa 9.300.

Auf die Frage der FDP-Bundestagsfraktion nach der durchschnittlichen Wartezeit zwischen Erstkontakt und Beginn einer Richtlinientherapie liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Informationen vor.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat in ihrer Wartezeitenstudie von 2018 – also ein Jahr nach der Strukturreform – durchschnittliche Wartezeiten von der ersten Anfrage beim Psychotherapeuten bis zum Beginn der Richtlinien-Psychotherapie von 5 Monaten ausgemacht. Die Wartezeiten auf ein erstes Gespräch in der Sprechstunde konnten danach von 12,5 Wochen auf 5,7 Wochen verkürzt werden.

FDP fordert bessere psychotherapeutische Versorgung

Dass die Bundesregierung nicht weiß, wie sich die Wartezeiten in der Psychotherapie durch die Strukturreform verändert haben, sieht Wieland Schinnenburg, Mitglied der FDP-Fraktion im Ausschuss für Gesundheit, kritisch. Er fordert Bundesregierung und Selbstverwaltung auf, die psychotherapeutische Versorgung „schnellstmöglich zu verbessern“ und die Wartezeiten auf Therapieplätze auf unter zwei Wochen zu reduzieren.

Dies könnte seiner Ansicht nach durch die unbürokratische Einbeziehung von appro­bierten Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung oder eine Abschaffung der Bedarfs­planung ermöglicht werden. © PB/aerzteblatt.de

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