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Medizin

COVID-19: Infektionsrisiko auf Intensivstation am geringsten

Freitag, 11. September 2020

/karrastock, stock.adobe.com

Birmingham – Nicht die Ärzte und Pflegekräfte auf der Intensivstation haben sich in einer britischen Klinik am häufigsten mit SARS-CoV-2 infiziert. Die höchste Seroprävalenz wurde nach den Ergebnissen einer Studie in Thorax (2020; DOI: 10.1136/thoraxjnl-2020-215414) bei den Reinigungskräften gefunden. Auch bei Akutmedizinern und Internisten fiel der Antikörpertest überdurchschnittlich häufig positiv aus.

Der University Hospitals Birmingham NHS Foundation Trust ist mit über 20.000 Mitarbeitern einer der größten Klinikbetreiber in Großbritannien. Die zweitgrößte Stadt des Landes wurde von der COVID-19-Epidemie besonders heftig erwischt.

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Die Klinik führte am 24./25. April eine Querschnittstudie durch, an der 554 asymptoma­tische Mitarbeiter teilnahmen. Dabei wurden neben einem Abstrich auf SARS-CoV-2 auch Blutproben für einen Antikörpertest entnommen.

Wie Adrian Shields und Mitarbeiter der Universität Birmingham berichten, waren zu diesem Zeitpunkt 2,4 % der asymptomatischen Mitarbeiter mit SARS-CoV-2 infiziert. Von ihnen erkrankte 1/3 später an COVID-19.

Die aktiven Infektionen waren jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Antikörpertests, die die Gesamtheit der früheren Infektionen anzeigen, fielen bei nicht weniger als 24,4 % der Beschäftigten positiv aus. Die Seroprävalenz war damit deutlich höher als im Rest der Bevölkerung der Midlands, wo sich nach einer anderen Studie von Public Health England 6 % infiziert hatten.

Die eigentliche Überraschung der Studie war, dass die Seroprävalenz nicht beim Personal auf der Intensivstation, wo die schwerkranken COVID-19-Patienten behandelt wurden, am höchsten war. Hier hatten „nur“ 14,8 % Antikörper im Blut. Häufiger betroffen waren Internisten (30,3 %) und Akutmediziner (33 %). Akutmedizin ist in Großbritannien eine spezielle Fachrichtung zur Betreuung von Patienten mit akuten Störungen im Kranken­haus.

Die höchste Prävalenz wurde jedoch in einer Gruppe gefunden, die bei der Epidemie leicht übersehen wird. Mit einem Anteil von 34,5 % hatte sich jede dritte Person des Reinigungspersonals mit SARS-CoV-2 infiziert.

Eine weitere Risikogruppe, die bereits in früheren Untersuchungen aufgefallen war, waren Angehörige ethnischer Minderheiten, die in England als BAME („black, Asian and minority ethnic“) kategorisiert wird. Angehörige dieser Gruppe hatten über alle Berufs­bereiche hinweg ein fast doppelt so hohes Infektionsrisiko (adjustierte Odds Ratio 1,92) als andere.

Die Studie hat die Gründe für die unterschiedliche Seroprävalenz nicht untersucht. Es liegt jedoch auf der Hand, sie in der besseren persönlichen Schutzkleidung inklusive Mund-Nase-Schutz auf den Intensivstationen und vielleicht auch in der größeren Sorgfalt des Personals dort zu suchen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #822318
Nostradamus
am Montag, 14. September 2020, 14:39

Durch die Behandlung?

Vielleicht, weil sie die volle Dosis ärztlicher "Zuwendung" bekommen haben, also diverse antivirale Medikamente, schwere Antibiotika und on Top noch invasive Beatmung incl. schwerer Narkotika?
Wäre echt wichtig, hier mal anonymisierte Behandlungsdaten einsehen zu können.
Wenn echtes Interesse an Aufklärung und Lernen aus der ersten Welle bestehen würde, müssten es doch schon umfangreiche Datenbanken geben. Kennt einer einen Link?
Die Praxis in Italien scheint gefühlt zu sein: Verstorbene schnell eingeäschert, Behandlungsdaten sind wegen kriegsähnlicher Zustände leider verloren gegangen? In den anderen Hotspots ähnlich?

Ich persönlich kenne auch bestenfalls Studien zum Einfluss invasiver Beatmung, aber auch dort wurde die Medikation nicht betrachtet.
Warum gibt es da scheinbar noch keine Arbeiten die den Einfluss antiviraler und antibiotischer Therapie (und das war scheinbar gängige Praxis) kritisch gegen eine Konservative Behandlung prüft. Gab es denn diese konservative Behandlung überhaupt?
Aus meiner Sicht ist schon die WHO Behandlungs Empfehlung aus März/April zu undifferenziert.
Patienten, die noch nicht hospitalisiert werden müssen, sollten mit fiebersenkenden Mitteln nach Hause geschickt werden.
Da geht doch das Problem schon los!
Wenn sich Omi dann stur 3-5x täglich die 500mg Aspirin oder Paracetamol reinpfeift und damit jeweils über Stunden das Fieber auf nahe 37°C absenkt wird doch schon die Abwehrreaktion abgeschwächt.
Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 14. September 2020, 12:52

Wirklich?

Wirklich? Warum gab es dann über 150 verstorbene Ärzte in Bergamo?
LNS

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