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Baden-Württemberg: Telemedizin und AR-Technologien sollen Ärzten bei Erfassung von Kindesmisshandlungen helfen

Montag, 14. September 2020

/romaset, stock.adobe.com

Stuttgart – Baden-Württemberg setzt auf Telemedizin und sogenannte Augmented Reality (AR), um den Kinderschutz im Land zu verbessern.

„Eine Schlüsselrolle bei der Erkennung von Gewalt und der Klärung, wie die Verletzungen entstanden sind, kommt dem Fachgebiet der Rechtsmedizin zu“, sagte der baden-württem­bergische Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha (Grüne). Das Fachwissen dazu sei aber nur an wenigen Zentren vorhanden.

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Im Rahmen der Strategie „Digitalisierung in Medizin und Pflege“ habe sein Ministerium deshalb das Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg mit einem Modellprojekt namens „ARMED – Augmented Reality assisted, forensic Medical Evidence collection and Documentation“ beauftragt. „Unser gemeineinsames Ziel ist, die Grundlage für eine flächendeckende fachkompetente Versorgung gewaltbetrof­fener Kinder in Baden-Württemberg zu schaffen“, so Lucha. Für das Projekt stehen rund 1,8 Millionen Euro bereit.

Im Rahmen des Projekts werden mehrere Pilotstandorte an Kliniken in Baden-Württem­berg eingerichtet. Dort tragen die untersuchenden Kinderärzte während einer Unter­suchung, bei der es um einen möglichen Missbrauch geht, Datenbrillen. Diese Brillen übermitteln die Befunde an einen Experten aus der Rechtsmedizin. Der Rechtsmediziner kann die Untersuchung dabei in Echtzeit verfolgen.

Nach Abschluss der Befunderhebung nimmt er die fachliche rechtsmedizinische Ein­schätzung vor und gibt diese an den untersuchenden Arzt weiter. Durch die AR-Techno­logie erhält der Kinderarzt in Pilotzentrum gleichzeitig eine Anleitung zur fachgerechten forensischen Durchführung der Untersuchung, der gerichtsfesten Dokumentation und der Spurensicherung.

War es wirklich der Sturz vom Wickeltisch, der gegenüber den behandelnden Ärzten berichtet wurde? Sind die Striemen tatsächlich durch die Katze entstanden oder vielmehr durch Schläge mit einem Gegenstand? – Die sind mögliche Fragen, mit den Kinderärzte konfrontiert sind.

„Sie in dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu entlasten und unser rechtsmedizinisches Fachwissen an Orte zu bringen, an denen es dringend benötigt wird, ist Hauptziel unseres Projekts ARMED“, erklärte die Ärztliche Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin, Kathrin Yen, die das Konzept initiiert hat und das Vorhaben leiten wird. © hil/aerzteblatt.de

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