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Biosimilars: Streit um automatische Substitution in der Apotheke

Montag, 14. September 2020

/Jacob Lund, stock.adobe.com

Berlin – Vertreter von Krankenkassen und pharmazeutischen Unternehmen waren sich heute auf einem Online-Symposium der AG Pro Biosimilars uneinig darüber, ob Biologika künftig automatisch in der Apotheke durch kostengünstigere Biosimilars ausgetauscht werden sollen – so, wie es heute bei Generika im Rahmen von Rabattverträgen geschieht.

Während sich die Krankenkassen weitere Einsparungen durch eine solche automatische Substitution erhoffen, befürchten die Pharmafirmen sinkende Einnahmen und eine Verschlechterung der Patientenversorgung.

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„Biosimilars führen schon heute zu gewaltigen Einsparungen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der AG Pro Biosimilars, Walter Röhrer. Denn bei manchen biotechnologisch hergestellten biologischen Arzneimitteln liege der Marktanteil der Biosimilars bereits bei über 50 Prozent.

„Es gibt eine kleine Anzahl von Unternehmen, die in Biosimilars investiert haben. Sie haben sich am Markt orientiert und funktionierende Produktionsabläufe und Lieferketten geschaffen“, erklärte Röhrer. „Die Produktionsstätten liegen überall auf der Welt – mit einem Schwerpunkt in Europa. Das alles würde gefährdet werden, wenn jetzt eine auto­matische Substitution eingeführt würde“.

Bei den Generika sei zu sehen gewesen, wie infolge der Rabattverträge Produktions­stätten zurückgefahren worden seien. „Aktuell haben wir ein gut funktionierendes System“, so Röhrer. „Das sollten wir nicht gefährden.“

Entscheidung bis 2022

„Aus medizinischer Sicht ist heute klar, dass nichts gegen die Substitution eines Biolo­gikums durch ein Biosimilar spricht“, betonte die Leiterin der Arzneimittelverordnungs­steuerung bei der Techniker Krankenkasse (TK), Goentje-Gesine Schoch.

Mittlerweile habe sich auch bei Ärzten die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich ein Biosimilar nicht mehr von einem Biologikum unterscheide als sich zwei Chargen eines Biologikums unterschieden. „Ich wüsste nicht, warum ein Apotheker keine Substitution in der Apotheke vornehmen sollte“, meinte Schoch.

Im Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) hatte die Bundes­regie­rung dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) den Auftrag erteilt, darüber zu entscheiden, ob Biologika in der Apotheke automatisch durch Biosimilars ausgetauscht werden sollen. Diese Entscheidung soll der G-BA bis zum Jahr 2022 treffen.

Warnung vor häufigen Umstellungen

Ende August hatte der G-BA im Auftrag des Gesetzgebers bereits festgelegt, dass Ärzte zu Beginn einer Therapie mit biotechnologisch hergestellten biologischen Arzneimitteln ein preisgünstiges Produkt wählen sollen – in der Regel also ein Biosimilar. Ist ein Patient allerdings bereits auf ein Originalpräparat eingestellt, sollen die Ärzte selbst entscheiden können, ob sie den Patienten auf ein Biosimilar umstellen oder nicht.

Die Patientenvertretung im G-BA hatte dabei kritisiert, dass es mit der neuen Regelung nun möglich sei, dass es aus Kostengründen mehrfache Wechsel zwischen Biologika und Biosimilars beziehungsweise zwischen verschiedenen Biosimilars geben könne.

Diese Befürchtung äußerte auf dem Symposium der AG Pro Biosimilars erneut der Bundes­geschäftsführer der BAG Selbsthilfe, Martin Danner. Er warnte davor, dass Patienten alle paar Wochen auf ein neues Produkt umgestellt werden könnten, wenn es zu einer automatischen Substitution durch Biosimilars kommen sollte.

Patienten können mehrfach umgestellt werden

Die Bänke im G-BA hätten sich allerdings dafür entschieden, dass Patienten auch mehr­fach umgestellt werden könnten, wie Carina Mohn, Referentin in der Abteilung Arznei­mittel beim Gemeinsamen Bundes­aus­schuss, heute auf dem Symposium erklärte.

Schoch von der TK betonte, dass Rabattverträge mit Biosimilars eine Kontinuität in der Versorgung gewährleisteten, da ein Hersteller über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren Biosimilars liefere, die die Patienten dann in der Apotheke erhielten. „Eine Aus­schrei­bung heißt ja nicht, dass es jede Woche ein anderes Präparat gibt“, sagte sie.

G-BA: Mehr Kontinuität durch Rabattverträge

„Durch die Verträge entsteht eine gewisse Kontinuität, sodass nicht bei jeder Verordnung ein anderes Arzneimittel gegeben wird“, meinte auch Mohn vom G-BA. „Wir wollen nicht dahin, dass alle drei Monate ein anderes Arzneimittel verordnet wird.“

„Ich bezweifle nicht, dass Apotheker den Patienten auch eine Umstellung erklären können“, hielt Röhrer dagegen. „Im System ist das aber so nicht vorgesehen. Wenn es bei einem Rabattvertrag mehrere Vertragspartner gibt, sieht der Apotheker nur, welches der Arzneimittel das günstigste ist. Es ist im System nicht hinterlegt, welches Arzneimittel der Patient zuvor erhalten hat.“ © fos/aerzteblatt.de

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