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Medizin

Sterblichkeit wegen Brustkrebs bei älteren Frauen in Deutschland höher als in den USA

Mittwoch, 30. September 2020

/dpa

Heidelberg – In den USA erkranken altersstandardisiert mehr Frauen an Brustkrebs als in Deutschland. Aber die Sterblichkeit ist offenbar deutlich geringer. Das berichten Wissen­schaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gemeinsam mit der Gesell­schaft der Epidemiologischen Krebsregister (GEKID) in der Zeitschrift Cancers (DOI: 10.3390/cancers12092419).

Die größten Unterschiede beobachteten die Forscher bei Patientinnen im Alter von über 70 Jahren: Hier lag die Neuerkrankungsrate in den USA um 19 % über der deutschen – bei einer 45 % geringeren Sterblichkeit.

Das Brustkrebsüberleben ist im Laufe der Zeit in den meisten Ländern stetig angestiegen. Es hängt stark davon ab, wie fortgeschritten der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose ist und zu welchem molekularen Subtyp er zählt.

„Auch die Mammographie-Screening-Programme haben Einfluss auf die Überlebensrate von Brustkrebs-Patientinnen, da bei dieser Untersuchung mehr Tumoren in frühen, gut heilbaren Stadien entdeckt werden“, erläutert Lina Jansen vom DKFZ.

Die Wissenschaftler untersuchten in der Studie die Neuerkrankungs- und Sterblichkeits­raten zwischen 1975 und 2015 in Deutschland und den USA. Sie analysierten dabei, ob und welche Veränderungen es bei den Krebsstadien zum Zeitpunkt der Diagnose gab und wie sich die relativen 5-Jahres-Überlebensraten in beiden Ländern über die Zeit entwickelt haben.

Die altersstandardisierte Brustkrebsneuerkrankungsrate war in den USA danach während des gesamten Zeitraums deutlich höher als in Deutschland. Die Brustkrebs­sterblichkeit dagegen lag bereits ab den 1990er Jahren in den USA niedriger als in Deutschland.

Die größten Unterschiede beobachteten die Forscher bei Patientinnen, die 70 Jahre und älter waren. In dieser Altersgruppe wurden auch große Unterschiede in der Verteilung der Tumorstadien zum Zeitpunkt der Diagnose beobachtet: In Deutschland erhielten 29 % der Frauen die Brustkrebsdiagnose in einem der beiden fortgeschrittenen Stadien III und IV, in den USA dagegen nur 15 %.

Die altersstandardisierte relative 5-Jahres-Überlebensrate war im Verlauf des Unter­suchungszeitraums sowohl in Deutschland als auch in den USA gestiegen, lag jedoch zuletzt (2013-15) bei den älteren deutschen Patientinnen mit 81,1 % um 9 Prozentpunkte niedriger als bei den Amerikanerinnen. Dieser Unterschied ließ sich aber vollständig auf die günstigere Stadienverteilung in den USA zurückführen.

„Die Unterschiede in der Brustkrebssterblichkeit bei älteren Frauen lassen sich nicht durch Unterschiede in der Qualität der Krebsversorgung erklären“, erläutert der Studien­leiter Hermann Brenner vom DKFZ.

„Die Hauptursache für die erhebliche Differenz dürfte die spätere Einführung und die geringere Inanspruchnahme des Mammographie-Screenings in Deutschland sein“, lautet seine Bewertung.

„Auf Basis der Studienergebnisse sollte auch darüber diskutiert werden, ob das deutsche Mammographie-Screening nicht zu früh, nämlich schon mit 69 Jahren, endet“, sagt Alexander Katalinic, Co-Autor der Studie und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Mammographie-Screenings.

In anderen Ländern, etwa Frankreich und den Niederlanden, werde das Mammographie-Screening bis zum Alter von 74 Jahren angeboten, so der Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #702827
Ingrid Mühlhauser
am Freitag, 2. Oktober 2020, 08:30

Irreführende und unvollständige Berichterstattung

Leider werden die Ergebnisse dieser Studie in den Medien und auch hier im DÄB verzerrt und missverständlich berichtet. Tatsächlich zeigt die Studie, dass in Deutschland die Überlebenschance für ältere Frauen mit Brustkrebs - bezogen auf das jeweilige Stadium bei Diagnose - besser ist als in den USA (Abbildung 4 und Tabelle 7S). Leider wird dieser Befund zwar im Ergebnisteil und in der Diskussion berichtet, nicht jedoch in der Zusammenfassung (abstract). Obwohl in der Diskussion darauf verwiesen wird, dass in Deutschland das Mammographie-Screening Programm für Frauen ab 70 Jahre nicht angeboten wird, weil die Evidenz fehlt, dass es für ältere Frauen mehr nutzt als schadet, wird der Eindruck vermittelt, als gäbe es für ältere Frauen ein Versorgungsdefizit.
Es ist bedauerlich, dass Daten zum Mammographie-Screening (und anderen Screeninguntersuchungen) weiterhin in einer verzerrten und irreführenden Weise kommuniziert werden, sie können von interessierten Journalist*innen und Bürger*innen nicht verstanden werden. Ist das beabsichtigt?
Wir haben sowohl vom Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (https://www.ebm-netzwerk.de/de/medien/pdf/ebm-3_20_kvh_journal_screening_aeltere.pdf) als auch vom Arbeitskreis Frauengesundheit e.V. (https://arbeitskreis-frauengesundheit.de/) mehrfach gefordert, dass die Daten in wissenschaftlichen Publikationen für die Öffentlichkeit nicht als Relativprozent (Stadienverteilung bezogen auf die gescreente Population), sondern als Absolutprozent mit Angaben der tatsächlich betroffenen Frauen in den jeweiligen Altersgruppen präsentiert werden - mit Angaben der Daten zur Gesamtsterblichkeit und Komorbiditäten - dies ist ganz besonders für die ältere Population von Bedeutung. Wir haben in der o.g. Veröffentlichung gezeigt, warum ältere Menschen nicht benachteiligt werden, wenn sie nicht zum Screening eingeladen werden bzw. welche Informationen für informierte Entscheidungen vorgelegt werden müssten. Leider fehlen diese weiterhin. Es ist Aufgabe der Wissenschaftlicher/Autoren diese Daten so zu präsentieren, dass sie verstanden werden können.
Avatar #808588
Michael Schrader
am Donnerstag, 1. Oktober 2020, 07:34

Was bedeutet das?

Hmm,
könnte nicht das Stellen von mehr frühen Diagnosen auch einfach bedeuten, dass mehr Fälle als Krebs diagnostiziert werden, deren Erkrankung nie klinisch bedeutsam geworden wäre, erst recht nicht überlebensrelevant? Das könnte doch sowohl die angeblich höhere Erkrankungsrate wie auch die höhrere Überlebensrate in den USA sehr gut erklären.
Gibt es denn Unterschiede in der Gesamtsterblichkeit an Brustkrebs zwischen USA und D? Diese Daten könnten vielleicht Hinweise liefern.
LNS
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