NewsMedizinStudie: Kann eine Schwangerschaft den Beginn einer Multiplen Sklerose hinauszögern?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Kann eine Schwangerschaft den Beginn einer Multiplen Sklerose hinauszögern?

Mittwoch, 7. Oktober 2020

/coffeemill, stockadobecom

Melbourne – Patientinnen mit Multipler Sklerose, die bereits ein- oder mehrmals schwanger waren, hatten in einem Patientenregister im Durchschnitt 3,3 Jahre später als kinderlose Patientinnen eine erste Krankheitsepisode. Dies geht aus einer Untersuchung in JAMA Neurology (2020; DOI: 10.1001/jamaneurol.2020.3324) hervor.

Frauen erkranken 3 Mal häufiger als Männer an einer Multiplen Sklerose. Es wird deshalb seit längerem vermutet, dass Sexualhormone einen Einfluss auf die Pathogenese haben. Tatsächlich konnte in experimentellen Studien gezeigt werden, dass weibliche Hormone bei Labortieren die Ausprägung einer experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis abschwächen, die ein Tiermodell der Erkrankungen ist.

Gut gesichert ist, dass es während einer Schwangerschaft seltener zu Krankheitsschüben kommt. Auch die Frage, ob Schwangerschaften Frauen vor einer Erkrankung schützen können, war bereits Gegenstand von 14 epidemiologischen Studien. Die Ergebnisse waren alles andere als eindeutig. In einigen Untersuchungen fanden sich Hinweise auf eine protektive Wirkung, in anderen nicht. Es gab auch Studien, in denen Frauen nach Schwangerschaften häufiger erkrankten.

In einer Untersuchung kam heraus, dass die Schwangerschaften den Erkrankungsbeginn beim Ehemann hinauszögern, was zum Verdacht einer reversen Kausalität geführt hat, also dem Vertauschen von Ursache und Wirkung. Eine denkbare Erklärung wäre, dass Frauen, die Prodromalsymptome ihrer Erkrankung haben, sich häufiger gegen Schwanger­schaft und Kinder entscheiden.

Ai-Lan Nguyen von der Monash Universität in Melbourne und Mitarbeiter haben versucht, das Risiko einer reversen Kausalität zu minimieren, indem sie das „klinisch isolierte Syndrom“ (CIS) zum Ausgangspunkt ihrer Analyse machten.

Das CIS gilt heute als initiale Episode der Erkrankung. Die Symptome sind, anders als bei späteren Schüben, auf einzelne Orte im Zentralnervensystem begrenzt. Häufig ist dies eine einseitige Optikusneuritis. Die Patienten erholen sich in der Regel ohne Medika­mente und nur ein Teil der Patienten mit CIS erkrankt später an einer Multiplen Sklerose. Die Symptome sind allerdings in der Regel so ausgeprägt, dass sich die Patienten später daran erinnern.

Auch im internationalen MSBase-Registry werden die CIS notiert. Das MSBase-Registry sammelt seit 2001 die Daten zu MS-Patienten aus derzeit 143 Kliniken in 36 Ländern. Nguyen hat jetzt die Daten zu 2.557 Frauen mit Multipler Sklerose aus 4 Zentren in Tschechien und Australien ausgewertet.

Ungefähr die Hälfte der Patientinnen hatte vor dem CIS wenigstens eine Schwanger­schaft gehabt oder ein Kind geboren. Diese Frauen waren bei der CIS im Durchschnitt 3,3 Jahre älter als die Patientinnen, die noch nicht schwanger waren. Bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,5 bis 4,1 Jahren war die Assoziation statistisch signifikant. Bei den Patientinnen mit und ohne eigenes Kind betrug der Unterschied 3,4 Jahre (1,6 bis 5,2 Jahre).

Die Zahl der Schwangerschaften beziehungsweise Kinder hatte keinen weiteren Einfluss. Das Fehlen dieser „Dosis-Wirkungsbeziehung“, die in epidemiologischen Studien auf eine Kausalität hinweist, ist sicherlich eine Schwäche der Studie. Zu den Stärken zählt die hohe Fallzahl und die Vermeidung einer reversen Kausalität durch die Wahl des frühesten klinischen Ereignisses der Erkrankung. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER