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Cochrane: Nutzen einer Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel unklar

Dienstag, 15. September 2020

/picture alliance, TASS, Alexander Shcherbak

Freiburg/Berlin – Eine Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel könnte sich möglicherweise positiv auf die Ernährungsweise der Menschen auswirken. Allerdings ist die Datenlage dazu schwach. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Bremen, der Donau Universität Krems, der AOK Baden-Württemberg und weiterer internationaler Forschungseinrichtungen in einem neuen Cochrane-Report (DOI: 10.1002/14651858.CD012415.pub2).

Dänemark hatte als einziges Land weltweit in den Jahren 2011-2012 eine Fettsteuer eingeführt. Sie lag bei 16 dänischen Kronen (gut zwei Euro) pro Kilogramm gesättigte Fettsäuren für alle Lebensmittel, in denen der Anteil dieses Typs von Fett mehr als 2,3 Prozent des Gesamtgewichts betrug.

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Die Cochrane-Autoren identifizierten bei ihre Recherche zwei Studien, welche die Kriterien für die Aufnahme in den Review erfüllten. Beide Studien untersuchten die Wirkung der dänischen Steuer auf gesättigte Fette in ausgewählten Nahrungsmitteln zwischen 2011 und 2012. „Wir beurteilten das Gesamtrisiko einer Verzerrung der beiden eingeschlossenen Studien als unklar“, berichten die Autoren.

Für das Ergebnis Gesamtfettkonsum berichten die Studien eine Reduktion von 41,8 Gramm pro Woche pro Person in einem Haushalt. Für den Verzehr von gesättigten Fetten berichtete eine Studie über eine Reduktion von 4,2 Prozent beim Verkauf von Hackfleisch, eine Reduktion von 5,8 Prozent beim Verkauf von Sahne und eine Zunahme von 0,5 Prozent beim Verkauf von Sauerrahm.

„Diese Schätzungen basieren auf einer begrenzten Anzahl von Lebensmittelsorten und sind von Verkaufsdaten abgeleitet. Sie messen nicht die individuelle Aufnahme“, stellen die Cochrane-Autoren klar.

Sie beurteilten daher die Evidenz über die Auswirkung der Besteuerung auf den Gesamt­fettkonsum oder den Konsum gesättigter Fette als „sehr unsicher“.

„Angesichts der sehr geringen Qualität der derzeit verfügbaren Evidenz sind wir nicht in der Lage, zuverlässig festzustellen, ob eine Steuer auf Gesamtfett oder gesättigte Fettsäuren wirksam oder unwirksam ist, um den Konsum von Gesamtfett oder gesättigten Fettsäuren zu reduzieren“, lautet ihr Fazit.

„Hierzulande bringt über die Hälfte der Erwachsenen zu viel Gewicht auf die Waage – Tendenz steigend“, sagte Manuela Bombana, Wissenschaftlerin bei der AOK Baden-Württemberg und Co-Autorin der Studie. Weitere gut geplante empirische Forschung sei daher dringend notwendig.

Unterdessen warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland seien von Mangelernährung betroffen, darunter auch immer mehr Kinder.

„Während in Entwicklungsländern vor allem unterernährte Kinder an einem Nährstoff­mangel leiden, sind es in Industrieländern auch immer mehr Kinder mit normalem oder Übergewicht. Die Gründe hierfür liegen vor allem in einer einseitigen Ernährung mit hochverarbeiteten Lebensmitteln“, so die Fachgesellschaft. © hil/aerzteblatt.de

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