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Opioide und andere Substanz­abhängigkeiten erhöhen Erkrankungsrisiko an COVID-19

Dienstag, 15. September 2020

/reewungjunerr, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Patienten mit einer Abhängigkeit von Alkohol, Tabak, Cannabis, Opioiden oder Kokain haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu erkranken. Dies geht aus einer Analyse von Patientenakten in Molecular Psychiatry (2020; DOI: 10.1038/s41380-020-00880-7) hervor.

Die derzeitige COVID-19-Pandemie mit bisher fast 200.000 Todesfällen in den USA hat eine andere Epidemie in den Hintergrund gedrängt. An Opiatüberdosierungen sind allein 2019 vermutlich mehr als 70.000 US-Amerikaner gestorben. Die Zahl der Todesfälle könnte in diesem Jahr steigen, denn den Opioidabhängigen droht neben einer tödlichen Überdosierung eine weitere Gefahr: COVID-19.

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Ein Team um Nora Volkow, der Direktorin des National Institute on Drug Abuse (NIDA) in Bethesda, hat hierzu 73,1 Millionen elektronische Krankenakten von erwachsenen US-Amerikanern ausgewertet. Bei 471.520 Patienten hatten die Ärzte eine Opioidab­hängkeit notiert. Dies entspricht einem Anteil von 0,65 %.

Unter den 12.030 Patienten mit COVID-19 waren 210 Opioidabhängige oder 1,75 %, also fast 3 Mal so viele. Nach der Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft und Art der Kran­ken­ver­siche­rung ermittelt Volkow sogar eine adjustierte Odds Ratio von 10,2 (95-%-Konfidenzintervall 9,1 bis 11,5), also ein 10-fach erhöhtes Risiko.

Das erhöhte Risiko war nicht allein auf den Opioidabusus beschränkt. Auch Patienten mit anderen Substanzabhängigkeiten erkranken häufiger an COVID-19. Die adjustierten Odds Ratios betrugen bei Rauchern 8,2 (7,9 bis 8,5), bei Alkoholabhängigen 7,75 (7,1–8,5), bei Kokainsüchtigen 6,5 (5,3 bus 8,1) und bei Cannabisabhängigen 5,3 (4,4 bis 6,4).

Den größten Anteil an dem Risiko dürften Begleiterkrankungen haben: Die Substanz­abhängigen waren häufig (auch) wegen anderen Erkrankungen in Behandlung. Asthma, chronische Nierenerkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen, Typ- 2-Diabetes, chronische Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hypertonie waren bei Menschen mit Substanzabhängigkeit teilweise deutlich häufiger als bei anderen Patienten. Viele dieser Erkrankungen sind als unabhängige COVID-19-Risiken bekannt.

Dass Opioidabhängige stärker gefährdet sind als andere Substanzabhängige, führt Volkow auf die Atemdepression durch die Opioide zurück. Sie könnte bei einer Infektion der Atemwege mit SARS-CoV-2 einen komplizierten Verlauf von COVID-19 begünstigen. Auch die soziale Isolierung und eine verspätete Behandlung könnten zur erhöhten Morbidität beitragen, vermutet Volkow.

Einen Einfluss von Medikamenten wie Methadon (zur Substitution), Buprenorphin (zur Schmerzbehandlung) oder Naltrexon (zur Entzugstherapie) konnten die Forscher ausschließen.

Substanzabhängige erkranken nicht nur häufiger an COVID-19. Auch die Prognose war bei ihnen schlechter. COVID-19-Patienten mit Substanzabhängigkeit mussten zu 41,0 % im Krankenhaus behandelt werden gegenüber 30,1 % unter allen COVID-19-Patienten. Insgesamt 9,6 versus 6,6 % starben an COVID-19. © rme/aerzteblatt.de

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