NewsÄrzteschaftOrientierungswert wird ab Januar um 1,25 Prozent angepasst – KBV enttäuscht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Orientierungswert wird ab Januar um 1,25 Prozent angepasst – KBV enttäuscht

Dienstag, 15. September 2020

/Bacho Foto, stockadobecom

Berlin – Gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat heute der Erweiterte Bewertungsausschuss (EBA) beschlossen, den Orientierungswert ab 1. Januar nur um 1,25 Prozent anzupassen – dies entspricht aufgerundet 500 Millionen Euro. Der KBV-Vorstand zeigte sich „bitter enttäuscht“ von dieser Entscheidung.

Auf einen Blick: Die Ergebnisse

„Das ist eine grobe Missachtung der Leistungen der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen.

Orientierungswert: Der Orientierungswert für das Jahr 2021 wird um 1,25 Prozent auf 11,1244 Cent (aktuell: 10,9871 Cent) angehoben. Die Gesamt­vergütung wächst damit um knapp 500 Millionen Euro.

Behandlungsbedarf: Am 11. August wurden bereits die regionalen Veränderungsraten der Morbidität und Demografie beschlossen. Sie bilden die Grundlage für die regionalen Vergütungsverhandlungen, die im Herbst beginnen. Für den steigenden Behandlungs­bedarf wird ein zusätzlicher Vergütungs­umfang von 70 Millionen Euro erwartet.

„Milliarden fließen in die Krankenhäuser, Milliarden erhält der Öffentliche Gesundheits­dienst, aber für die Vertragsärzte soll nun kein Geld mehr da sein“, empörte sich Gassen.

„Insbesondere während der letzten Monate der Corona-Pandemie trugen die Niedergelassenen die Hauptlast der Versorgung: Sechs von sieben COVID-19-Patienten wurden ambulant behandelt“, betonte Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorsitzender der KBV.

Nun sei für die Kolleginnen und Kollegen offenbar noch nicht mal genug Geld da, um die massiv gestiegenen Aufwendungen in den Praxen aufzufangen. Für die beiden KBV-Vorstände handelt es sich bei der EBA-Entscheidung um „einen Affront gegen die Vertragsärzteschaft“. © EB/aha/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 15. September 2020, 20:57

Warum hat die KBV keine Nullrunde für die Ärzte durchgesetzt?

Ob der Orientierungspunktwert um 1,25% steigt oder fällt, ist vernachlässigbar. Das ärztliche Honorar war für viele Fachgruppen schon vor der Orientierungswertanpassung Lichtjahre von einem angemessenen Honorar entfernt und nach der Anpassung sind es immer noch Lichtjahre.

Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses war für jedermann zu erwarten, der sich einmal mit Tarifverhandlungen befasst hat. Die eine Seite fordert x und die andere bietet y an. Typischerweise kommt ein Schlichter zu einem Ergebnis zwischen x und y. Von daher war die Entscheidung des Erweiteren Bewertungsausschusses vorhersagbar.

Einige Ärzte glauben, dass das Honorar der Ärzte derzeit ziemlich gut passt. Dazu zählt ganz sicher der Vorstand der KBV. Denn wenn der Vorstand der KBV der Auffassung gewesen wäre, dass das Honorar (rein fiktiv) um 35% zu niedrig wäre, dann hätte er doch eine Erhöhung um mindestens 60% gefordert. Hat der Vorstand der KBV aber nicht und daraus folgt, dass der Vorstand der KBV das derzeitige ärztliche Honorar für einigermaßen angemessen hält.

Dieser Auffassung teilen ganz viele andere Ärzte offensichtlich nicht und diese Ärzte gehören dem „ärztlichen Nachwuchs“ an. Für den Nachwuchs sind die vereinbarten Honorare so inakzeptabel, dass sie sich gegen eine Niederlassung entscheiden. Die Folge davon ist der Ärztemangel, der immer weiter zunimmt.

In diesem Sinne: Ärztemangel und Kompetenz des KBV-Vorstandes korrelieren perfekt miteinander.

Handlungsbedarf ergäbe sich erst dann, falls jemand wirklich den Ärztemangel beseitigen will. Bisher will das keiner, alles nur Lippenbekenntnisse bzw. Nebelkerzen.
Avatar #93860
vosue
am Dienstag, 15. September 2020, 19:37

Mehr als Enttäuschung kann KBV nicht

Die Einnahmeverluste, neue erniedrigte Vergütung, selbst beschaffte Schutzmaterialien, regelmäßig Vergütungserhöhung der MFA, Pandemieplan mit mehr Arbeitszeit und Aufwand, IT Träumereien- es wird Zeit sich zu wehren. Oder rechtzeitig in Rente und die nächste Generation wird das dann mit Life Balance im 20 Std.Modus regeln
LNS

Nachrichten zum Thema

18. September 2020
Berlin – Auch im vierten Quartal 2020 gelten aufgrund der Coronaviruspandemie zahlreiche Sonderregelungen in der ambulanten Versorgung. So können Videosprechstunden weiterhin unbegrenzt angeboten
Videosprechstunden bis Ende des Jahres unbegrenzt möglich
16. September 2020
Berlin – Mit dem gestern bekannt gewordenen Honorarabschluss seien die niedergelassenen Kollegen die Verlierer der Coronakrise, kritisierte Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, die
Ärzteverbände kritisieren Honorarabschluss scharf
11. September 2020
Berlin – Eine über die Maskenfrage hinausreichende SARS-CoV-2-Strategie für die Herbst- und Wintermonate forderte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im
KBV-Vorstand mahnt SARS-CoV-2-Strategie für die Herbst- und Wintermonate an
11. September 2020
Berlin – Eine Zustimmung seitens der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung zur IT-Sicherheitsrichtlinie wird es ohne eine auskömmliche Finanzierung der resultierenden Kosten nicht geben. Dies bekräftige heute
Zustimmung der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung zur IT-Sicherheitsrichtlinie nur mit Finanzierung
10. September 2020
Berlin – Investitionen in die Digitalisierung müssten auch in die ambulante Versorgung fließen. Dies betonte heute Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).
KBV fordert finanzielle Förderung der Digitalisierung analog zu Krankenhäusern
2. September 2020
Berlin – Deutschland gilt im Vergleich als eines der Länder, das gut durch die Krise gekommen ist. Grund sei, dass das Gesundheitssystem viel breiter und diversifizierter als in vielen Ländern
#healsy20: In der Pandemie bleiben viele Fragen offen
28. August 2020
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat einen neuen Kurs in der Digitalisierungspolitik angemahnt. „Wir haben ein Grundproblem bei der Ausstattung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) oder
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER