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Dopingprozess gegen Mark S. beginnt

Mittwoch, 16. September 2020

Der Angeklagte (M) steht beim Beginn des Prozess gegen ihn wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittel- und Dopinggesetze mit seinen Anwälten Juri Goldstein (l) und Alexander Dann (r) zusammen. /picture alliance, Peter Kneffel

München – Heute beginnt im Landgericht München der Prozess gegen ein internatio­nales Dopingnetzwerk. Bei Razzien während der nordischen Ski-WM in Seefeld und zeitgleich in Erfurt deckten Ermittler im Februar 2019 das Netzwerk auf. Als Drahtzieher wurde der Mediziner Mark S. identifiziert, mit vier Komplizen soll er jahrelang Sportler gedopt haben.

Mindestens 23 Athleten aus acht Nationen, besonders aus dem Rad- und Wintersport, sollen Kunden des Arztes gewesen sein. Mark S. und einer seiner Helfer sitzen seit mehr als eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft.

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„Es ist ein enorm wichtiger Prozess für den Anti-Doping-Kampf – nicht nur in Deutsch­land, sondern weit über unsere Grenzen hinaus“, betonte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Sollte der Angeklagte schuldig gesprochen und hart bestraft werden, könnte das Sportler und Dopingdrahtzieher abschrecken, hofft Hörmann.

Der Mediziner S. soll mehrere Jahre lang an Sportlern Blutdoping durchgeführt haben. 2011 soll er begonnen haben, vor allem Winter- und Radsportler zu behandeln. Von 2014 an soll er Helfer gehabt haben, die Transporte übernahmen und auch die Blutabnahme sowie -zufuhr bei den Sportlern durchführten.

Den Angeschuldigten wird gewerbsmäßige und zum Teil bandenmäßige Anwendung verbotener Dopingmethoden oder die Beihilfe dazu vorgeworfen. In einem Fall geht es laut Staatsanwaltschaft auch um gefährliche Körperverletzung.

Internationale Spitzenathleten gehörten nach aktuellem Stand nicht zu den Kunden des Arztes. Die bekanntesten Sportler, die bei der „Operation Aderlass“ genannt werden, sind die ehemaligen Radprofis Alessandro Petacchi und Danilo Hondo. Der Italiener bestreitet eine Zusammenarbeit mit Mark S., Hondo räumte einen Dopingmissbrauch ein.

In dem Verfahren (Aktenzeichen 2 KLs 380 Js 108323/19) sitzen nur der Arzt und vier Helfer auf der Anklagebank. Deutsche Athleten, die bei den Ermittlungen aufgefallen waren, dopten zu einer Zeit, als dies hierzulande noch nicht strafbar war. Ausländische Athleten, vor allem in Österreich, wurden teils bereits in ihren Ländern angeklagt und zum Teil auch verurteilt.

Offen ist, ob der Hauptbeschuldigte Mark S. selbst aussagen wird und möglicherweise weitere Kunden, die noch nicht bekannt sind, nennt. Das Gericht setzte zunächst 26 Verhandlungstermine noch in diesem Kalenderjahr an. Dabei sollen vor allem viele Zeugen gehört werden, darunter etliche Sportler, die Kunden von Mark S. waren.

Da Mark S. mehrere Delikte vorgeworfen werden, geht die Staatsanwaltschaft von einer mehrjährigen Haftstrafe aus. Die Helfer des Mediziners dürften dagegen mit geringeren Strafen davonkommen. © dpa/aerzteblatt.de

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