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Malariaparasit Plasmodium knowlesi breitet sich nach Indien aus

Mittwoch, 16. September 2020

Malariamücken (Anopheles maculipennis) /dpa

Düsseldorf – Der Malariaparasit Plasmodium knowlesi ist Anfang der 2000er Jahre in Borneo von Affen auf den Menschen übergesprungen und breitet sich seitdem in kleinen Fallzahlen in Südost-Asien aus.

Jetzt haben Wissenschaftler des All India Institute of Medical Sciences (AIIMS), Neu-Dehli, den Parasiten bei Teilnehmern einer Studie zu Krankheitserregern von akuten fieberhaften Erkrankungen auch in Nordindien nachgewiesen. Sie befürchten, dass er sich hier schnell ausbreiten wird. Die Forscher berichten darüber in der Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases (DOI: 10.3201/eid2608.191214).

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Indien gilt neben den Hochrisikoregionen in Afrika als das Land mit dem höchsten Infektionsrisiko für Malaria, insbesondere in der Monsunzeit von Juni bis September. „Nach dem Monsun kommt es regelmäßig zu Ausbrüchen auch in Großstädten, da der Hauptüber­träger der Malaria tropica, die Mückenart Anopheles stephensi, seit einigen Jahren auch im urbanen Umfeld brütet“, erläutert Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf.

Da die Mücke auch Malaria knowlesi übertragen könne, sei zu befürchten, dass sich dieser Malariaparasit in den betroffenen Gebieten und darüber hinaus stark ausbreiten könnte und viele Menschen infiziert, warnt Jelinek.

Der natürliche Wirt von Plasmodium knowlesi ist der Makakenaffe, der auch in Nordindien stark verbreitet ist. Bislang ging man davon aus, dass Menschen sich über Affen infizieren und keine Übertragung von Mensch zu Mensch auftritt. „Inzwischen vermuten die Forscher, dass es auch zu Mensch-Mücke-Mensch-Infektionen kommen kann“, so Jelinek.

Die indischen Wissenschaftler berichten in ihrem Beitrag in Emerging Infectious Diseases, dass die meisten Patienten mit Malaria Koinfektionen aufwiesen, in den meisten Fällen (44 Prozent) mit dem Denguevirus.

Diese Koinfektionen könnten die Schwere der Malaria-Erkrankung, die Behandlungsergeb­nisse und die Entwicklung von Arzneimittelresistenzen beeinflussen. Sie fordern daher, dass in Gebieten mit einer großen Anzahl schwerer Malariafälle ein diagnostisches Screening auf alle vier Dengue-Serotypen, Leptospirose und alle Plasmodium-Arten – darunter Plasmodium knowlesi – erfolgen sollte. © hil/aerzteblatt.de

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