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Medizin

COVID-19: Erstes Antikörperpräparat erzielt Schutzwirkung bei leichteren Erkrankungen

Donnerstag, 17. September 2020

/freshidea, stock.adobe.com

Indianapolis – Ein experimenteller Antikörper, der SARS-CoV-2 im Blut abfangen soll, hat bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Erkrankungen die Zahl der Hospitalisierungen und Notaufnahmen deutlich gesenkt und in der mittleren Dosierung die Viruslast reduziert. Dies geht aus der Zwischenauswertung der Phase-2-Studie hervor, deren Ergebnisse der Hersteller in einer Pressemitteilung bekannt gab.

Der Antikörper LY-CoV555 stammt ursprünglich von einem COVID-19-Patienten. Er ist einer von etwa 500 Antikörpern, die das Immunsystem des Patienten nach der Infektion gegen SARS-CoV-2 gebildet hatte und die die kanadische Firma AbCellera innerhalb einer Woche im Blut des Patienten nachweisen konnte.

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Mit einer speziellen Methode gelang es den Forschern, die B-Zellen, die den Antikörper produzieren, aufzuspüren, das Gen zu isolieren und mit Hilfe von rekombinanten Zellen in größeren Menge zu produzieren.

Der Hersteller Lilly konnte am 17. Juni mit einer klinischen Studie (BLAZE-1) beginnen, in der neben LY-CoV555 noch ein weiterer Antikörper (LY-CoV016) in 71 US-Zentren an 800 Patienten mit COVID-19 erprobt werden soll. Einschlusskriterium ist eine leichte bis mittel­schwere COVID-19. Der positive Abstrich auf Virusgene darf nicht länger als 3 Tage zurück­liegen.

Die Behandlung besteht aus einer einzelnen intravenösen Infusion des Antikörpers in einer Dosis von 700 mg, 2.800 mg oder 7.000 mg. In einer vierten Gruppe erhalten die Patienten eine Infusion ohne Antikörper.

Der primäre Endpunkt der Studie ist die Änderung der SARS-CoV-2-Viruslast am Tag 11 nach der Infusion. Zu den sekundären Endpunkten gehört der Prozentsatz der Teilnehmer, die bis zum 29. Tag wegen COVID-19 im Krankenhaus oder auf einer Notfallambulanz behandelt wurden oder an den Folgen der Infektion starben.

Laut der Pressemitteilung ist die Viruslast in den ersten 11 Tagen nach der Infusion in allen Gruppen gesunken (auch in der Placebogruppe). Ein signifikanter Vorteil gegenüber Placebo war nur nach der mittleren Dosis von 2.800 mg nachweisbar.

In den 3 Dosisgruppen mussten nur 5 von 302 Patienten (1,7 %) hospitalisiert oder von einem Notarzt behandelt werden. In der Placebogruppe war dies bei 9 von 150 Patienten (6 %) erforderlich. Dies entspricht einer absoluten Risikominderung um 4,3 Prozentpunkte und einer relativen Risikominderung um 72 %.

Laut der Pressemitteilung musste kein Patient mechanisch beatmet werden. Todesfälle seien ebenfalls nicht aufgetreten. Die meisten Hospitalisierungen traten bei Patienten mit zugrunde liegenden Risikofaktoren (Alter oder BMI) auf.

Die Infusion wurde von allen Patienten gut vertragen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind nach Angaben des Herstellers nicht aufgetreten.

Die Ergebnisse haben Lilly bewogen, sich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit zu wenden. Unabhängige Wissenschaftler haben die Ergebnisse noch nicht überprüft. Eine Publikation in einem Peer-Review-Journal steht noch aus.

Eine Einschränkung könnte darin bestehen, dass offenbar nur leicht erkrankte Patienten behandelt wurden, die auch im Placeboarm ohne Komplikationen blieben. Der „Härtetest“ bei schweren Fällen steht also noch aus. Es könnte sein, dass die Antikörper keine Wirkung mehr erzielen, wenn das Krankheitsbild von den bereits eingetretenen Zerstörungen und einer überschießenden Immunreaktion geprägt ist.

Der Hersteller hat Zeitungsberichten zufolge bereits 100.000 Dosen des Antikörpers hergestellt und hofft nun auf eine vorzeitige Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Ein Preis wurde nicht genannt, Antikörper sind jedoch in der Regel hochpreisige Medikamente. © rme/aerzteblatt.de

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