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Ärzteschaft

Ärzte für neues Tabakwerbeverbot – und weitere Schritte

Freitag, 18. September 2020

/picture alliance, Wolfram Steinberg

Berlin – Ärztepräsident Klaus Reinhardt begrüßt die neuen Werbeverbote für dass Rauchen, die der Bundesrat heute beschlossen hat und fordert zugleich weitere Schritte vor allem zum Schutz von Kindern.

„Viele Studien belegen, dass Tabakwerbung gerade bei Kindern und Jugendlichen die Attraktivität von Tabakprodukten erhöht“, sagte der Chef der Bundesärztekammer (BÄK). „Auch für abhängige Raucher setzt Werbung ständig Schlüsselreize, die einen Ausstieg aus der Sucht erschweren.“ Daher sei es gut und richtig, dass endlich ein Verbot von Tabak­außenwerbung auf dem Weg sei.

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Der Bundesrat soll abschließend über Werbebeschränkungen abstimmen, die der Bundes­tag schon beschlossen hat. Sie sehen unter anderem ein schrittweises Verbot der Plakat­werbung ab 2022 vor. Ins Visier kommen sollen auch Elektro-Zigaretten.

Reinhardt sagte: „Wir beobachten mit großer Sorge, dass Jugendliche durch E-Zigaretten an das Rauchen herangeführt werden. Auch für elektronische Verdampfer sollten deshalb Außenwerbeverbote möglichst schnell in Kraft treten.“ Derzeit versuche die Industrie, sie als weniger gefährliche Alternative zu vermarkten.

„Dabei ist gar nicht absehbar, welche gesundheitlichen Langzeitschäden mit ihnen verbunden sind.“ Es gebe schon Hinweise auf Schädigungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems.

Der Ärztepräsident betonte, Werbeverbote seien wichtig. Sie reichten aber nicht aus, um Kinder zu schützen. „Dringend notwendig ist ein Rauchverbot in Autos, wenn Kinder und Jugendliche mit an Bord sind.“

Zahlreiche Studien hätten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Passivrauch­belastung und schwerwiegenden Gesundheitsrisiken von Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. In Fahrzeugen entspreche die Feinstaubbelastung durch Tabakrauch etwa der einer durchschnittlich verrauchten Bar. „Wenn Vernunft und Verantwortungsgefühl fehlen, sind sanktionsbewehrte Verbote unumgänglich“, sagte Reinhardt.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßte den heutigen Beschluss des Bundesrats, Werbung für Tabak und E-Zigaretten weiter einzuschränken, kritisierte aber gleichzeitig, dass das Verbot nicht weit genug gehe.

BVKJ-Präsident Thomas Fischbach mahnte, das Verbot schütze Jugendliche nur zum Teil und sei „nur ein halbherziger Versuch, Jugendliche vor Tabakwerbung zu schützen“. Nötig sei ein Verbot von Tabakwerbung im gesamten öffentlichen Raum. Auch die jetzt beschlossenen „Schonfristen“ seien unverständlich.

Das heute beschlossene schrittweise Verbot der Plakatwerbung soll ab 2022 zunächst für herkömmliche Tabakprodukte gelten. Für Tabakerhitzer soll es ab 2023 greifen, für E-Zigaretten ab 2024. Bereits ab 1. Januar 2021 tabu sein soll Kinowerbung fürs Rauchen, wenn ein Filme für unter 18-Jährige freigegeben ist.

Verboten wird dann auch das Verteilen von Gratis-Proben außerhalb von Fachgeschäften – etwa bei Musikfestivals und von Tabakprodukten als Gewinne bei Preisausschreiben. Bereits verboten ist Tabakwerbung schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. © dpa/aerzteblatt.de

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