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Ausland

Tausende Menschen in China mit aus Labor entwichenem Bakterium infiziert

Freitag, 18. September 2020

Brucella-Bakterien (3D-Illustration) /fotovapl, stock.adobe.com

Peking – Ein aus einem staatlichen chinesischen Labor stammender Erreger hat nach offiziellen Angaben tausende Menschen infiziert. Bei 3.245 Menschen in der Stadt Lanzhou im Nordwesten Chinas sei Brucellose festgestellt worden, teilten die Gesund­heitsbehörden heute mit. Bei 1.401 weiteren Menschen sei ein erster Test positiv aufgefallen. Hinweise auf eine mögliche Übertragung von Mensch zu Mensch gebe es derzeit nicht.

Die Krankheit wird vom Brucellabakterium ausgelöst und kann Fieber, Gelenk- und Kopfschmerzen verursachen. Auf den Menschen wird es häufig von infizierten Tieren oder verseuchten Tierprodukten übertragen. In diesem Fall stammte der Erreger nach Angaben der Behörden aber aus einem staatseigenen biopharmazeutischen Werk, das Impfstoffe für Tiere herstellt. Die Panne habe sich bereits vergangenes Jahr ereignet.

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Das Werk hatte den Angaben zufolge im Juli und August 2019 bei der Herstellung von Brucellaimpfdosen abgelaufenes Desinfektionsmittel verwendet.

Daher sei das Bakterium nicht abgetötet worden und in die Belüftungsanlage des Werks geraten. Der Wind habe Aerosole mit dem Erreger zum Veterinärmedizinischen Forschungsinstitut getragen, wo er seit Dezember fast 200 Menschen infiziert habe.

Die Werksleitung hatte sich vor einiger Zeit für den Vorfall entschuldigt. Die Anlage verlor nach Angaben der Behörden ihre Lizenz für die Herstellung von Brucellaimpfungen. Die Infizierten sollen ab Oktober entschädigt werden.

Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC kommt eine Übertragung von Brucella von Mensch zu Mensch „extrem selten“ vor. In manchen Fällen nistet sich der Erreger dauerhaft im menschlichen Organismus ein und verursacht lebenslang Symptome wie chronische Müdigkeit, Herzprobleme oder Arthritis. © afp/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 20. September 2020, 23:42

Nicht unbedingt ein Widerspruch

Ein Impfstoff gegen Brucellen macht nur Sinn, wenn der Erreger endemisch vorhanden ist. Wenn es ein Endemiegebiet gibt, dann macht es auch Sinn, dort ein entsprechendes Forschungsinstitut anzusiedeln.

Was ist also mutmaßlich passiert? Ein Herstellungswerk (im Text als staatliches chinesisches Labor bezeichnet) hat aufgrund von Regelverstößen größere Mengen des Erregers freigesetzt. Die chinesische Provinz ist nicht unbedingt der ideale Ort für Transparenz. Der Vorfall ist (siehe Text) im Juli/August 2019 passiert. Wenn sich in einem Endemiegebiet einzelne infizierte Einwohner an ihren Arzt wenden, ist dies bei geringen Zahlen nicht unbedingt auffällig. Wenn die Zahlen steigen, dann kann ggf. die lokale Verwaltung Druck ausüben.

Wenn man annimmt, dass in dem Forschungslabor mit Brucellen gearbeitet wird, dann wird es auch eine entsprechende betriebsärztliche Überwachung geben. Und wenn dann plötzlich im Dezember 2019 fast 200 Mitarbeiter positiv getestet werden, dann kann dies kein Zufall sein. Die möglichen Ursachen sind überschaubar und können (wenn gewollt) relativ schnell geklärt werden. Den Zeitverlust bis zur Veröffentlichung würde ich darauf schieben, dass hier mehrere Netzwerke gegeneinander gearbeitet haben und es einfach einige Zeit gedauert hat, bis klar war, ob die Angelegenheit vertuscht oder aufgearbeitet wird. Wenn einmal die Entscheidung zur Aufarbeitung gefallen ist, dann folgen die Umgebungsuntersuchungen, über deren Ergebnis hier im Artikel berichtet wird.

Der Impfstoff ist vermutlich für Tiere gedacht. Mir ist kein Brucellen-Impfstoff bekannt, der für die Anwendung beim Menschen bestimmt ist. Dementsprechend kann ich auch nicht sagen, ob Infektionen durch den endemischen Erreger oder durch den freigesetzten Erreger unterscheidbar sind.
Weitere Informationen zum Erreger gibt es beim RKI:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Brucellose.html
Avatar #842601
Logomaennchen
am Samstag, 19. September 2020, 22:34

Die Zahlen passen doch gar nicht zusammen

200 Menschen wurden infiziert, 3000 haben Brucelliose.
Übertragung von Mensch zu Mensch wird aber ausgeschlossen. Könnt ihr mal recherchieren?
Avatar #842601
Logomaennchen
am Samstag, 19. September 2020, 22:34

Die Zahlen passen doch gar nicht zusammen

200 Menschen wurden infiziert, 3000 haben Brucelliose.
Übertragung von Mensch zu Mensch wird aber ausgeschlossen. Könnt ihr mal recherchieren?
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