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Medizin

SARS-CoV-2: 2 Schnelltests weisen Virusgene ohne Labor nach

Freitag, 18. September 2020

/picture alliance, Agencia Uno, Francisco Castillo

London und Cambridge/Massachusetts – Britische und amerikanische Forscher haben 2 Schnelltests für den genetischen Nachweis von SARS-CoV-2 entwickelt, die keine hohen labormedizinischen Anforderungen stellen und innerhalb von 1,5 Stunden ein Ergebnis liefern.

Die in Lancet Microbe (2020; DOI: 10.1016/S2666-5247(20)30121-X) und im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMc2026172) vorgestellten Tests könnten sich für die tägliche Kontrolle von Risikopersonen oder sogar als Selbsttest eignen. Der britische Test wird bereits in Kliniken eingesetzt.

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Der derzeitige Standardnachweis von SARS-CoV-2 in Abstrichen erfolgt mit der Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR). Die Ergebnisse sind zuverlässig, doch die Durchführung ist zeitaufwendig und nur an speziellen Labors möglich. Ergebnisse liegen frühestens nach mehreren Stunden vor. In der Wartezeit können Infizierte andere Menschen anstecken. Ein vor Ort durchgeführter Schnelltest könnte deshalb für die Eindämmung der Pandemie von großem Vorteil sein.

Der neue Test, den Forscher des Imperial College London entwickelt haben, liefert innerhalb von 90 Minuten ein Ergebnis. Die Probenentnahme erfolgt wie beim jetzigen RT-PCR mit einem Watteträger, dessen Spitze dann in eine „DnaCartridge“ gesteckt wird. Diese Sammelbox von der Größe einer runden Pillendose (Gewicht: 40 Gramm) wird dann in die sogenannte „Nudgebox“ gesteckt, die die Größe eines Schuhkartons (Gewicht: 5 kg) hat. Dort werden die einzelnen Schritte des Virusnachweises (Extraktion der RNA, Amplifikation des Zielgens und Farbreaktion) automatisch durchgeführt. Für den Test wird weder ein spezielles Labor noch ausgebildetes Personal benötigt.

In einer ersten Studie wurde der Test bei 280 Mitarbeitern des National Health Service (NHS), bei 15 Patienten auf einer Notaufnahme und bei 91 stationären Krankenhaus­patienten durchgeführt. Insgesamt wurden 386 Abstriche untersucht. Der Schnelltest fiel in 67 Fällen positiv aus, gegenüber 71 Virusnachweisen mit der Standard-RT-PCR.

Das Team um Graham Cooke vom Imperial College London gibt die Sensitivität des Schnelltests mit 94 % an (95-%-Konfidenzintervall 86 bis 98 %). Die Spezifität betrug 100 % (99 bis 100 %). Eine hohe Spezifität ist wichtig, weil sie falsch-positive Ergebnisse vermei­det, die die Zahl der Bestätigungstests schnell in die Höhe treiben können.

Die Sensitivität lag in der Notfallaufnahme oder im Krankenhaus ebenfalls bei 100 %. Nur bei den Selbsttests der NHS-Mitarbeiter war sie mit 93 % niedriger, was auf Fehler bei der Probenentnahme hindeutet.

Der Test wird laut der Pressemitteilung bereits erfolgreich in 8 Londoner Krankenhäusern eingesetzt. Er soll schon bald auf nationaler Ebene eingeführt werden. Die britische Regierung habe kürzlich 5,8 Millionen Testkits bestellt. Der Test könnte neben SARS-CoV-2 noch andere Viren nachweisen. Für die Wintersaison bietet sich beispielsweise eine Kombination mit Influenza A- und B-Viren und RS-Viren an.

Der zweite Test, den Forscher verschiedener US-Forschungsinstitute entwickelt haben, könnte sogar schon nach 30 Minuten ein Ergebnis liefern. Die Virusgene werden dabei nach einer Extraktion der RNA und der Amplifikation mithilfe von CRISPR-Enzymen nachgewiesen.

Der Kniff bei der Methode ist, dass die Virusgene im Testansatz mithilfe von Magneten konzentriert werden. Der zeitaufwendige Schritt der RNA-Aufbereitung entfällt dadurch. Auch ein Engpass für die notwendigen Materialien könne ausgeschlossen werden, schreibt das Team um Omar Abudayyeh vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge.

In einer ersten Testserie an 402 Personen erreichte „STOPCovid.v2“ eine Sensitivität von 93,1 % und eine Spezifität von 98,5 %. Der positive Vorhersagewert betrug 98,4 % und der negative Vorhersagewert 93,4 %.

Der Test ist laut Abudayyeh einfach in der Durchführung. Die Proben könnten vom Inneren der Nasenflügel entnommen werden. Derzeit werde geprüft, ob der Test auch mit Speichelproben möglich ist.

Abudayyeh schwebt ein Selbsttest vor, den beispielsweise Arbeiter in Risikoberufen morgens zuhause selbst durchführen könnten. Anders als der britische Test wird „STOPCovid.v2“ noch nicht in Kliniken eingesetzt. Dies würde eine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde erforderlich machen. © rme/aerzteblatt.de

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