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Medizin

Weniger Operationen, weniger Bestrahlungen, weniger systemische Therapie

Montag, 21. September 2020

/jayzynism, stockadobecom

Lugano/Köln – Die Versorgung von Krebspatienten ist weltweit während der SARS-CoV-2-Pandemie deutlich reduziert worden. Waren in der ersten COVID-19-Erkrankungswelle in den meisten westlichen Ländern und auch in Deutschland die elektiven chirurgischen Eingriffe zurückgestellt worden zugunsten einer Reserve an Klinikbetten, ergeben aktuelle internationale Untersuchungen: nicht nur Operationen wurden verschoben, sondern auch Chemo-, Radiotherapien und palliative Behandlungen, und zwar auch nach einem Lockdown in den jeweiligen Ländern. Fast zwei Drittel der befragten Onkologen gaben an, die Unterversorgung von Krebspatienten sei während der SARS-CoV-2-Pandemie ein relevantes Problem. Die Rückmeldungen stammen auch von deutschen Kliniken.

Die Daten werden beim Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) vorgestellt, der virtuell vom 19.-21. September stattfindet. Eine der Untersuchungen erfolgte unter Federführung von Guy Jerusalem an der belgischen Universität Liège. Die Unter­suchung ist mit einem Umfragezeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli diesen Jahres hoch aktuell.

Einschränkungen auch nach dem Lockdown

„Wir Onkologen haben erwartet, dass sich nach Beendigung eines Lockdowns die Versorgung von Krebspatienten in den jeweiligen Ländern rasch wieder normalisiert“, sagte Jerusalem, der die Daten der Studie vorab bei der virtuellen Auftaktpressekonferenz zum ESMO präsentierte. „Diese Erwartung hat sich so nicht erfüllt. Wir müssen davon ausgehen, dass COVID-19 Langzeitfolgen für die Versorgung haben wird. Und dies gilt nicht nur für Patienten: auch Ärzte nehmen Weiterbildungen nicht so intensiv wahr wie zuvor und die Aktivitäten in onkologische klinische Studien gehen zurück.“

Befragt wurden 109 Repräsentanten onkologischer Zentren in 18 stark von COVID-19 betroffenen Ländern. Es waren zu fast zwei Dritteln (62,4 %) Universitätskliniken, die meisten übrigen onkologische Schwerpunktkrankenhäuser oder -abteilungen (G. Jerusalem Expected medium and long term impact of the COVID-19 outbreak in Oncology. Abstr..-No. LBA76). Nord-, süd-, west- und mitteleuropäische Länder nahmen teil inklusive Deutschland, außerdem die USA und Länder in Südamerika. 44,1 % der Zentren berichteten über Verzögerungen oder das komplette Ausfallen von Operationen bei mindestens 10 % der Patienten, an 25,7 % der Zentren waren Chemotherapien betroffen und an 13,7 % der Zentren Radiotherapien.

Onkologische Palliativtherapien frühzeitig abgebrochen

Palliative Behandlungen wurden an 32,1 % der befragten Kliniken bei mindestens 10 % der Patienten vorzeitig abgebrochen. Checkpoint-Inhibitoren und monoklonale Antikörper allgemein wurden jeweils an 9 % der befragten Zentren seltener angewendet, 11 % der Zentren reduzierten bei mindestens 10 % der Patienten duale Immuntherapien und knapp 22 % der Kliniken auch Steroide. Die Gaben von GCSF und Epo wurden dagegen erhöht (34,8 % und 6,4 % der Zentren). In den Peakzeiten der Pandemie in den jeweiligen Ländern nutzten 94,5 % der Onkologen auch Telemedizin für das Follow-up, 82 % möchten dies weiterhin tun.

Eine zweite beim ESMO präsentierte Studie kam zu einer ähnlichen Grundsatzaussage: 55 % von weltweit 365 befragten Zentren – Deutschland eingeschlossen – gaben an, präemptive onkologische Behandlungen verringert zu haben, an 46 % der Zentren verpassten mindestens 10 % der Patienten mindestens einen Therapiezyklus. 36,5 % der Kliniken berichteten, mindestens jeder zehnte Krebspatient könnte durch eine verminderte krebsspezifische Versorgung zu Schaden gekommen sein (A.R. Jazieh et al.: The Impact of COVID-19 Pandemic on Cancer Care: A Global Collaborative Study. Abstr.-No. 1678P).

ESMO-Präsidentin Solange Peters vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in der Schweiz sieht besonders in Krisenzeiten in virtuellen Kongressen wie dem ESMO große Chancen. Virtuelle Konferenzen würden aber Präsenz nicht ersetzen. „Die virtuelle Teilnahme an Kongressen wird zunehmen. Aber ein Minimum an persönlich anwesenden Referenten und Fachgesellschaftsmitgliedern erhöht die Qualität eines Kongresses“, sagte Peters. © nsi/aerzteblatt.de

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