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Politik

Spahn kündigt neue Corona-Strategie für kalte Jahreszeit an

Montag, 21. September 2020

Jens Spahn (CDU) /picture alliance, Markus Scholz

Berlin – Mit massenhaften Corona-Schnelltests, neuartigen Fieberambulanzen und der verschärften Kontrolle von Reiserückkehrern will die Bundesregierung die weitere Ausbreitung des Virus eindämmen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) stellte heute die Grundzüge einer neuen Strategie vor, mit der er dem erwarteten Anstieg der SARS-CoV-2-Infektionszahlen im Herbst und Winter entgegentreten will. Sie soll Mitte Oktober in Kraft treten.

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An die neuen Fieberambulanzen sollen sich Patienten mit Atemwegssymptomen wenden können, sagte Spahn. So solle vermieden werden, dass sich das Virus in den Wartezimmern von Arztpraxen ausbreitet. Die Ambulanzen sollten sich entweder außerhalb von Praxen befinden, oder es sollten spezielle Schwerpunktsprechstunden in den Praxen angeboten werden.

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verwies diesbezüglich darauf, dass die Praxen gut für die kommenden Wochen vorbereitet seien. Dies gelte für das vermehrte Auftreten von Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten und auch potenziellen COVID-19-Fällen. Man könne flächendeckend das Infektionsgeschehen meistern, erklärten heute Andreas Gassen, KBV-Vostandvorsitzender, und Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorstandsvorsitzender.

Weiterer Bestandteil der neuen Strategie sollen Schnelltests sein. Sie sollten beispielsweise für die Besucher von Pflegeheimen angeboten werden, sagte Spahn. So könne „innerhalb von 15, 20 Minuten vor Ort durch eine Speichelprobe oder einen Nasenabstrich“ festgestellt werden, ob jemand infiziert ist oder nicht, sagte der Minister im Deutschlandfunk. Diese Tests wolle er „eher millionenfach jeden Monat einsetzen".

Ein Sprecher von Spahns Ministerium räumte ein, dass diese Schnelltests noch nicht so verlässlich seien wie die herkömmlichen Tests. „Sie sind eine Ergänzung", sagte er. Zum Einsatz kommen könnten sie etwa auch bei Reiserückkehrern und bei Gesundheitspersonal.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock verwies darauf, dass ihre Partei „seit Monaten" eine umfassende Corona-Strategie für Herbst und Winter anmahne. Es gehe darum, wegzukommen von „Einzelvorschlägen und Einzelmaßnahmen". Gebraucht werde ein Pandemierat. Bei Vorschlägen wie etwa zu den Fieberambulanzen müsse mitbedacht werden, dass dafür auch das Personal zu Verfügung steht.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte den Vorschlag von Fieberambulanzen, mahnte aber eine weitergehende Unterstützung von Pflegeeinrichtungen an. Es müssten „mobile Corona-Einsatzteams" zur Verfügung gestellt werden, um akute Personallücken in den Heimen zu schließen, sagte Vorstand Eugen Brysch. Es dürfe sich nicht wiederholen, dass infizierte Pflegekräfte weiterarbeiten, nur weil es keinen Ersatz gibt. © afp/aerzteblatt.de

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Claas Hüttenrauch
am Montag, 21. September 2020, 19:02

Jede neue Regulierung bedeutet für die Praxen Mehraufwand

«… Das SECO erarbeitet für den Bundesrat konkrete Entlastungsmassnahmen, zum Beispiel im Bericht zur administrativen Entlastung von Unternehmen. Regulierungsfolgenabschätzung, Kostenmessung Wichtige neue Regulierungen werden vor der Einführung einer Folgenabschätzung unterzogen, um ihre möglichen Auswirkungen auf die betroffenen Akteure einzuschätzen. …» Regulierungsfolgenabschätzung (RFA) : https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Standortfoerderung/KMU-Politik/Administrative_Entlastung.html
Avatar #88767
fjmvw
am Montag, 21. September 2020, 18:18

Ärzte im Ruhestand an die Abstrichfront, eure KV wartet auf euch!

Spahn hat offenkundig exzellente Berater. Die haben klar erkannt, dass ein Zusammentreffen von Corona und Grippe die Hausarztpraxen völlig überfordern würde, falls alle Patienten mit entsprechenden Symptomen die Hausarztpraxen stürmen. Daher will Spahn Fieberambulanzen installieren, in denen sich Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen vorstellen sollen. Um Fieberambulanzen zu betreiben, braucht es Geld, Ausstattung und Personal. In der Kürze der Zeit diese Fieberambulanzen über den ÖGD zu schaffen, stellt einen Kraftakt dar, an dem sich Spahn so verheben könnte, wie sich Söder mit seinen Tests bei Reiserückkehrern verhoben hat. Bevor er sich selbst die Finger verbrennt, schickt er doch lieber jemand anderes vor. Und wer ist besser geeignet als eine Kassenärztliche Vereinigung. Also erteilt Spahn denen den Auftrag und dann kann er in aller Ruhe abwarten, was passiert. Funktioniert es, wird sich Spahn den Erfolg auf die eigene Fahne schreiben. Gibt es Probleme, werden die Kassenärztlichen Vereinigungen verantwortlich gemacht.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind selbst ungefähr genau so gut in der Lage Fieberambulanzen aufzubauen wie der ÖGD dazu in der Lage wäre, nämlich gar nicht. Die KVen müss(t)en Ärzte animieren, diesen Job zu übernehmen. Da man die Hausärzte und Fachärzte in ihren Praxen benötigt, bietet es sich wie schon bei Beginn der Pandemie an, den Volkssturm zu mobilisieren: Die Ärzte im Ruhestand. Sie sollen sich mal wieder an die vorderste Front begeben, um mit hohem persönlichen Risiko für die eigene Gesundheit und ohne angemessene Bezahlung (das wenige Geld braucht man für die Verwaltung, für die Mitarbeiterinnen, für die Einrichtung, für die Miete, für ..... und da bleibt für die Ärzte nur der Applaus kurz vor der Tagesschau um 20 Uhr) Aufgaben zu übernehmen, die eindeutig in den Zuständigkeitsbereich des ÖGD fallen.

Die Kosten für die Fieberambulanzen tragen dann selbstverständlich alle Ärzte über eine fallende Gesamtvergütung. Der Orientierungspunktwert steigt immerhin um 1,25%, da kann man doch erwarten, dass die Ärzte auf 5% ihres Honorars verzichten, um die dringend benötigten Fieberambulanzen zu schaffen. Genau das wird man den Ärzten, vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit aber dem Sinn nach, erzählen.

War da noch was, außer dem horrenden Honorarverlust? Ach ja, eine Kleinigkeit. Spahn hat es mit den Fieberambulanzen geschafft, dass hohe Kostenanteile, die im Pandemiefall vom ÖGD zu tragen wären, auf die Kassenärzte abzuschieben. Denn dass die Grippe in den Zuständigkeitsbereich der Kassenärzte fällt, ist sicher. Da man nicht vorab unterscheiden kann, ob es Grippe oder Corona ist, muss man zunächst einmal vertragsärztlich abklären, was anliegt. Also zahlen die Kassenärzte für all die Patienten, die eigentlich einen Corona-Abstrich wollen, und die Fieberambulanzen aufsuchen mit der Begründung „hätte auch Grippe sein können“. (Das Argument, Ärzte bräuchten auch wegen der Grippe eine Fieberambulanz, trägt nicht. Grippe haben Hausärzte schon seit jeher im Griff, ganz ohne Fieberambulanzen.)

Habe ich noch etwas vergessen? Stimmt, da ist noch eine Kleinigkeit. Wenn die vielen Fieberambulanzen nicht genügend engagierte Pensionäre finden, die auf Kosten der Aktiven sicherlich gut honoriert werden, dann wird die KV „leider, leider aber wir haben ja keine Wahl, wir müssen die Fieberambulanzen betreiben“ auf die Niedergelassenen zurückgreifen müssen.
Not-Dienst, KV-Bereitschaftsdienst, Dienst in der Fieberambulanz, Anschluss an die Telematik, eAU, VSDM, ePA - zu allem von der KV genötigt, alles ohne angemessene Ausfallentschädigung. In Abwandlung eines Spruchs zum Impfen „Sie müssen nicht alle Kinder impfen lassen. Nur die, an denen Ihnen etwas liegt“ schlage ich vor:

Es müssen nicht alle Ärzte gegen diese Frechheit vorgehen. Es sollten nur die Ärzte dagegen vorgehen, die ihre eigene wirtschaftliche Existenz nicht "zum Wohle der Allgemeinheit" aufopfern wollen.

War noch was? Fast hätte ich es vergessen, wobei es in Kenntnis des Ausmaßes der Ignoranz bzw. Inkompetenz der Betroffenen fast unerheblich ist.

Als Volkswirt hätte ich erwartet, dass sich JEDER, der sonst gerne von sich behauptet die Interessen der Niedergelassenen zu vertreten, in aller Deutlichkeit meldet und das Ansinnen von Spahn zurückweist. Wenn die Politik die erste Stufe der Pandemiebekämpfung von den Niedergelassenen erledigt haben will, dann sind auch alle Kosten dafür in vollem Umfange zu tragen. Wer das nicht will, der schaue ins Seuchengesetz. Da steht klar drin, wer für die Seuchenbekämpfung zuständig ist. Kleiner Tipp: Die Niedergelassenen sind es nicht.

Wo gibt es die Stellungnahmen dazu mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Niedergelassenen? Es meldet sich keiner? Dann dürfte es für die Ärzte, die sich von der KV nicht länger verheizen lassen wollen, an der Zeit sein, das System zu verlassen.
LNS

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