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Medizin

Frühes Mammakarzinom: CDK4/6-Inhibitor Abemaciclib senkt das Rezidivrisiko deutlich

Dienstag, 22. September 2020

/Axel Kock, stock.adobe.com

Lugano/Köln – Der CDK4/6-Inhibitor Abemaciclib senkt bei Frauen mit frühem Hormon­rezeptor-positivem (HR+), Her2-negativem (Her2-) Brustkrebs und hohem Rückfallrisiko die Rate invasiv rezidivierter und fernmetastasierter Karzinome um 25-28 % im Vergleich zu einer endokrinen Therapie allein.

Damit ist erstmals in einer großen, prospektiv randomisierten Phase-3-Studie belegt worden, dass ein CDK4/6-Inhibitor in Kombination mit endokriner Standardbehandlung bei HR+/Her2- Brustkrebs auch als adjuvante Therapie wirksam ist, nicht nur in fortge­schrittenen Stadien. Die Ergebnisse sind bei der virtuellen Jahrestagung der European Society of Medical Oncology (ESMO) präsentiert und zeitgleich vollpubliziert worden (Journal of Clinical Oncology, 2020; DOI: 10.1200/JCO.20.02514 ).

„Seit 20 Jahres ist es das erste Mal, dass wir bei dieser Form von Brustkrebs überhaupt einen klinischen Fortschritt durch eine adjuvante Behandlung sehen“, sagte Erstautor Stephen R. D. Johnston, Professor am Royal Marsden Hospital NHS Foundation Trust in London, bei einer Pressekonferenz der ESMO. An der weltweiten monarchE-Studie waren auch deutsche Zentren beteiligt.

Hohes Rezidivrisiko bei circa 20 % der Frauen mit frühem Brustkrebs

Das Mammakarzinom ist der häufigste Tumor bei Frauen und macht im EU-weiten Durchschnitt 27-28 % der Malignome bei Frauen aus. In Deutschland wird die Zahl der Neuerkrankungen für dieses Jahr auf circa 81.000 geschätzt.

Circa 90 % der Tumore werden im frühen Stadium entdeckt, die meisten (70 %) sind HR+/Her2-. Nach mulitmodaler Behandlung hat noch etwa jede fünfte Frau mit frühem HR+/Her2- Mammakarzinom ein hohes Risiko, innerhalb der darauffolgenden 10 Jahre ein Rezidiv mit lokal invasiv wachsendem Tumor oder Fernmetastasen zu bekommen.

In die monarchE-Studie sind 5.637 Frauen mit frühem HR+ HER2- nach Primärtherapie aufgenommen worden. Das hohe Rezidivrisiko war definiert als ≥ 4 axilläre positive Lymphknoten oder 1-3 befallene Lymphknoten plus mindestens ein zusätzliches Risiko durch einen Primärtumor von ≥ 5 cm, histologischem Grad 3 oder ein Ki67 (Proliferationsmarker) von ≥ 20 % in der zentralen Testung.

„Das sind wirklich Hochrisikopatientinnen“, kommentierte George W. Sledge, Professor an der Stanford University School of Medicine, die Einschlusskriterien während der Diskus­sion der Daten während einer Presidential Session. Bei Hochrisikotumoren entwickeln sich häufig rasch Resistenzen gegen die ET, was zum frühen Rückfall führen kann.

Nach Abschluss der Primärtherapie erfolgte die Randomisierung in eine Gruppe mit Abemaciclib 150 mg 2 Mal täglich für 2 Jahre plus endokrine Standardtherapie (ET; 5 oder 10 Jahre) oder ET allein. Die Studie ist unverblindet.

Der primäre Endpunkt ist ein krankheitsfreies Überleben ohne invasiv wachsende Tumore (IDFS), zu den sekundären Endpunkten gehören das rückfallfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Bei der ESMO-Tagung sind die Daten einer geplanten Interimanalyse zur Wirksamkeit vorgestellt worden.

Invasiv wachsende Tumore nach 2 Jahren seltener

In der Verumgruppe (Abemaciclib + ET) waren nach 2 Jahren 136 Ereignisse im Sinne eines invasiven Tumorwachstums aufgetreten und in der Kontrollgruppe (ET) waren es 187 Ereignisse.

„Das bedeutet eine Reduktion des Risikos für invasives Tumorwachstum um 25 %“ erläuterte Johnston. Nach 2 Jahren waren 92,2 % in der Verumgruppe ohne IDFS-Ereignis und 88,7 % im Kontrollarm (D 3,5 %). Die Unterschiede waren mit einem p-Wert < 0,01 statistisch signifikant.

Das Risiko für Fernmetastasen verminderte sich in diesem Zeitraum in der Verumgruppe um 28,3 % im Vergleich zum Kontrollarm (93,6 % vs. 90,3 %; D 3,3 %), auch dies eine statistisch signifikante Differenz (p-Wert < 0,01). Es gab keine subgruppenspezifischen Untrschiede im klinischen Ergebnis.

Das Toxizitätsprofil entsprach dem bekannten. Am häufigsten waren Diarrhöen, meist aber vergleichsweise mild (Grad 1) und nur vorübergehend für circa 8 Tage. Lediglich 4,8 % der Patientinnen mussten die CDK4/6-Therapie deshalb abbrechen.

Noch keine Daten zum Gesamtüberleben

„Das sind wichtige Ergebnisse, aber es sind vorläufige Daten“, kommentierte Sledge. Das mediane Follow-up habe bei lediglich 15,5 Monaten gelegen, nur 12,5 % der Teilnehmer­innen wurden 24 Monate nachverfolgt.

„Bei Frauen mit metastasierten HR+/Her2- Mammakarzinomen legen die Daten der MONARCH2- und der MONALLESA-3-Studien Verbesserungen des Gesamtüberlebens durch CDK4/6-Inhibitoren nahe“, sagte Sledge. „Zu diesem Endpunkt gibt es aus der Studie monarchE zur adjuvanten Therapie noch keine Daten. Diese aber sind für eine Gesamtbewertung wesentlich.“ © nsi/aerzteblatt.de

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