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Medizin

Prostatakarzinom: Aufklärung vor Chemo sollte auch Lebensqualität berücksichtigen

Samstag, 26. September 2020

/Anna Jurkovska, stock.adobe.com

Lugano – Erhalten Patienten bei einer weit fortgeschrittenen Prostatakarzinom­erkrankung eine Chemotherapie, ist ihre Lebensspanne nur noch sehr begrenzt. Umso wichtiger ist es, auch über die Lebensqualität unter einer Chemotherapie aufzuklären, wie die europäische Patientenorganisation Europa Uomo fordert.

Sie stellte anlässlich des virtuellen Kongresses der europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) Ergebnisse der Europa Uomo Patient Reported Outcomes Study (EUPROMS) vor, nach denen die Chemotherapie – häufig die Therapie der letzten Lebensspanne – die Patienten stark in ihrer Lebensqualität einschränkt.

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Die Umfrage wurde von Europa Uomo initiiert und finanziell von Bayer, Ipsen und Janssen unterstützt. EUPROMS ist eine Patienten-getriebene Lebensqualitätsstudie und soll helfen, dass Patienten ihre eigene Prognose besser einschätzen können. In der einarmi­gen Beobachtungsstudie machten Patienten mit Prostatakarzinom, die irgendwann eine Tumortherapie aufgrund dieses Karzinoms erhalten hatten, einmalig Angaben zur Lebensqualität.

Verwendet wurden die validierten Fragebögen EQ-5D-5L, EORTC-QLQ-C30 und der Expanded Prostate Cancer Index Composite short form 26 (EPIC-26) in 19 Sprachen. Insgesamt füllten 2.943 Patienten aus 24 europäischen Ländern diese Fragebögen aus.

Eine erste Auswertung hatte bereits gezeigt, dass über alle Patienten hinweg die sexuelle Funktion der am stärksten eingeschränkte Lebensqualitätsparameter ist, wobei die Einschätzung der sexuellen Funktion durch die Patienten in dieser Umfrage noch deutlich schlechter war als in früheren Analysen, die im Rahmen von klinischen Studien durchge­führt worden waren.

Die aktuelle Stichprobe umfasste die 246 der insgesamt 2.943 Patienten (8,4 %), die angegeben hatten, irgendwann eine Chemotherapie erhalten zu haben. Die Chemo­therapie konnte sowohl eine Monotherapie als auch Bestandteil einer Kombinations­therapie gewesen sein. Im Median waren die Umfrageteilnehmer zum Befragungs­zeitpunkt 70 Jahre alt.

Es zeigten sich Beeinträchtigungen in einer Vielzahl von Lebensqualitätsparametern über alle Lebensbereiche hinweg. Nach dem Fragebogen EQ-5D-5L wies jeder zweite Patient (49,6 %) Mobilitätsprobleme auf. Fast drei Viertel (72,8 %) gaben an, noch für sich selbst sorgen zu können, aber 46,7 % hatten doch leichte oder moderate Schwierigkeiten bei Alltagsaktivitäten. Jeweils etwa 6 von 10 Patienten gaben an, unter leichten oder mäßigen Schmerzen oder Unwohlsein zu leiden (61,8 %). 60,1 % fühlten sich depressiv oder ängstlich.

Als besonders beeinträchtigende Symptome wurden nach dem EORTC-QLQ-C30 am häufigsten Fatigue, Schmerzen und Schlaflosigkeit genannt.

Die prostataspezifischen Funktionen waren nach dem EPIC-26-Instrument unterschiedlich stark eingeschränkt, die sexuelle Funktion erreichte im Median nur einen Wert von 12 – noch weniger als in der Gesamtkohorte –, während die Harnkontinenz mit einem Wert von 83,4 von 100 deutlich weniger eingeschränkt war.

Nach der Chemotherapie sind Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom auf vielfältige Weise in ihrer Lebensqualität eingeschränkt, betonte André Dechamps, Vorsitzender der Europa Uomo aus Antwerpen.

Von besonderer Bedeutung seien dabei Fatigue, Schmerzen und Schlaflosigkeit. Er forderte, dass vor Chemotherapie nicht nur über die onkologischen Behandlungschancen aufgeklärt wird, sondern auch über die möglichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität in der letzten Lebensspanne. © FK/aerzteblatt.de

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