NewsMedizinProstatakarzinom: Vertiefter Hormonentzug bewährt sich weiter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Prostatakarzinom: Vertiefter Hormonentzug bewährt sich weiter

Samstag, 26. September 2020

Mikroaufnahme eines Prostatakarzinoms (Vergrößerung 80:1) /dpa

Lugano – Langzeitdaten aus der STAMPEDE-Studie belegen, dass der Überlebensvorteil der Therapie von Patienten mit hormonnaivem metastasiertem Prostatakarzinom bei Therapie mit Abirateron und Prednisolon zusätzlich zu einer Androgendeprivations­therapie (ADT) wirklich dauerhaft ist.

Das berichtete Nicholas D. James vom Institut für Krebsforschung in London anlässlich der in diesem Jahr virtuell durchgeführten Jahrestagung der europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie ESMO (Abstract 611O).

Anzeige

In einer randomisiert-kontrollierten Studie im Rahmen des STAMPEDE-Studienplattform hatte die Therapie mit Abirateron plus Prednisolon zusätzlich zur Langzeit-ADT bei Patienten mit einem Prostatakarzinom zu einem klaren Überlebensvorteil geführt (NEJM, 2017; DOI: 10.1056/NEJMoa1702900).

Für diese Studie waren sowohl Patienten mit nicht metastasierter als auch metastasierter Erkrankung eingeschlossen worden. Die LATITUDE-Studie berichtete über einen ähnlichen Vorteil von Abirateron-Prednisolon zusätzlich zur ADT, wobei hier ausschließlich Patienten mit einer metastasierten Erkrankung und hoher Tumorlast rekrutiert worden waren (NEJM, 2017; DOI: 10.1056/NEJMoa1704174) ).

Anlässlich des ESMO-Kongresses stellte Prof. James nun die Langzeitergebnisse der STAMPEDE-Studie über einen medianen Nachsorgezeitraum von 6,1 Jahren speziell für Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom (M1) vor.

In der Studie hatten Patienten eine ADT alleine oder kombiniert mit Abirateron (1.000 mg) und Prednisolon (5 mg) bis zum PSA-, radiologischen oder klinischen Progress erhalten. Der primäre Endpunkt der Studie war Tod jeder Ursache. Die aktuelle Langzeit­auswertung war für einen Zeitpunkt 3 Jahre nach der Primäranalyse geplant worden.

Von den 1.917 Patienten, die zwischen November 2011 und Januar 2014 in die Studie randomisiert worden waren, litten 1.003 Patienten unter einer metastasierten Erkran­kung. Die Charakteristika dieser Patienten in den beiden Studienarmen waren zum Randomisierungszeitpunkt vergleichbar gewesen.

Das mediane Alter der Patienten lag bei 67 Jahren, 48 % wiesen eine hohe Tumorlast auf, das mediane PSA lag bei 97 ng/ml. Im Median hatten die Patienten in der Kombinations­therapiegruppe über 2,4 Jahre die ADT plus Abirateron und Prednisolon erhalten. Die aktuell längste Therapiedauer liegt bei 8,1 Jahren, berichtete Prof. James.

Nach 6,1 Jahren waren in der Gruppe mit alleiniger ADT 329 Patienten verstorben, in der Kombinationstherapiegruppe 244 Patienten. Damit lag die Hazard Ratio bei 0,60 mit einem 95 %-Konfidenzintervall (KI) von 0,50 bis 0,71 und einem p-Wert von 0,31x10-9. Das entsprach ziemlich genau der Risikoreduktion, die schon in der Primäranalyse gezeigt worden war, Sagte Prof. James, die Hazard Ratio hatte dort 0,61 betragen.

Das mediane Gesamtüberleben lag bei Kombinationstherapie bei 6,6 Jahre war damit um 2,8 Jahre länger als bei alleiniger ADT (3,8 Jahre). Prof. James betonte, dass es keinerlei Hinweis gebe, dass sich die Überlebenskurven im Langzeitverlauf annäherten. Auch das progressionsfreie Überleben blieb über 6,1 Jahre weiter bei vertiefter Antiandrogen­therapie anhaltend signifikant besser.

Die Toxizität hat sich im Langzeitverlauf gegenüber der Primäranalyse nicht verändert, die Nebenwirkungshäufigkeit war in beiden Gruppen vergleichbar und die Rate von Nebenwirkungen des Grads 3 und 4 mit 16 % in beiden Gruppen relativ gering. Grad-5-Toxizitäten wurden nicht berichtet.

In der aktuellen Auswertung wurden auch verschiedene Patientensubgruppen mitein­ander verglichen. Patienten mit einer geringen Tumorlast profitierten demnach ebenso wie Patienten mit einer hohen Tumorlast, betonte Prof. James. Bei niedriger Tumorlast lag die Hazard Ratio für das Gesamtüberleben bei 0,55, bei hoher Tumorlast bei 0,54.

Zudem wurden Patienten mit niedrigem und hohem Risiko betrachtet. Ein hohes Risiko war gemäß der LATITUDE-Kriterien definiert durch mindestens 2 der 3 Kriterien

  • 3 und mehr Knochenmetastasen
  • Viszeralmetastasen
  • Gleason Score 8 und höher

Patienten mit einem hohen Risiko profitierten in ähnlichem Maß von Abirateron plus Prednisolon zusätzlich zur ADT wie Patienten mit niedrigem Risiko, die Hazard Ratios lagen bei 0,54 beziehungsweise 0,55. Die Zulassung sollte daher nicht auf eine Risiko­gruppe beschränkt sein, sondern auf alle Patienten erweitert werden, forderte Prof. James. © FK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER