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Medizin

Urothelkarzinom: Was kommt nach Chemo- und Immuntherapie?

Samstag, 26. September 2020

/Judith, stock.adobe.com

Lugano – Die Immuntherapie hat die Möglichkeiten der Behandlung beim metastasierten Urothelkarzinom (mUC) erweitert. Doch auch auf diese Therapie sprechen nicht alle Patienten an oder sie entwickeln trotz der Immuntherapie erneut ein Rezidiv. Dann könnten in Zukunft Antikörperwirkstoffkonzentrate wirksam sein, wie die finale Auswertung der Kohorte 1 der Studie TROPHY-U-01 zeigt, die anlässlich des ESMO Virtual Congress 2020 vorgestellt wurde (Loriot Y et al. ESMO Virtual Congress 2020, Abstract LBA24).

Antikörperwirkstoffkonjugate verbinden die Spezifität von Antikörpern mit der Zyto­toxizität einer Chemotherapie. Die zytotoxischen Wirkstoffe sollen so direkt zur Zielzelle gelangen und dort ihre volle Wirksamkeit entfalten, dagegen weniger systemische Nebenwirkungen hervorrufen. In TROPHY-U-01 wird dazu Sacituzumab Govitecan (SG) verwendet.

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Zielstruktur des Antikörpers ist TROP-2, ein epitheliales Oberflächenantigen, das von Urothelkarzinomzellen besonders stark exprimiert wird, wie Dr. Yohann Loriot vom onkologischen Institut Gustav Rossy in Villejuif/Paris berichtete.

Als Wirkstoff ist SN-38. der aktive Metabolit von Irinotecan, an den Antikörper gekoppelt. Besonderheit von SG ist ein hohes Wirkstoff-Antikörper-Verhältnis: Es sind über hydroli­sierbare Verbindungen besonders viele SN38-Moleküle an den Antikörper gebunden, betonte Loriot.

Das Antikörperwirkstoffkonjugat wird sowohl für die Indikation mUC als auch für die Behandlung des metastasierten tripelnegativen Mammakarzinoms (mTNBC) entwickelt.
In der Phase-2-Studie TROPHY-U-01 wird SG bei 3 Kohorten von Patienten mit mUC und unterschiedlicher Vorbehandlung untersucht. Dr. Loriot berichtete anlässlich des ESMO-Kongresses von der Kohorte 1 mit 113 Patienten mit mUC, die einen Progress nach vorangegangener platinbasierter Chemotherapie und einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren entwickelt haben.

Die Patienten erhielten SG in einer Dosis von 10 mg/kg an den Tagen 1 und 8 eines 21-tätigen Zyklus. Die Therapie wurde bis zum Verlust des klinischen Ansprechens oder dem Auftreten einer nicht akzeptablen Toxizität fortgesetzt. Primärer Endpunkt der Studie war die Gesamtansprechrate (ORR) beurteilt von einem zentralen Gremium, sekundäre End­punkte waren Toxizität, Dauer des Ansprechens, progressionsfreies und Gesamtüberleben.

62 % der Patienten wiesen viszerale Metastasen auf. Die Patienten waren stark vorbehan­delt, betonte Dr. Loriot – die mediane Zahl der vorangegangen Krebstherapien lag bei 3. Zum Auswertungszeitpunkt – nach median 3,7 Monaten – erhielten noch 14 % der Patienten eine Therapie mit SG. 2/3 der Patienten hatten die Therapie wegen eines Progresses beendet.

Auf SG sprachen 31 Patienten (27 %) an, 6 Patienten (5 %) auch komplett. Das Ansprechen setzte nach median 1,6 Monaten ein und dauerte median 5,9 Monate an. Bei gut 3/4 der Patienten (76 %) reduzierte sich die Tumorgröße. Bei 8 der 31 Patienten, die angesprochen hatten, hielt das Ansprechen bislang an, 27 der 31 Patienten leben noch. Ohne Progress überlebten die Studienteilnehmer im Median 5,4 Monate, das Gesamt­über­leben lag im Median bei 10,5 Monaten.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren eine Neutropenie, die bei 22 % der Patienten einen Grad 3 und bei 12 % der Patienten einen Grad 4 erreichte. 10 Patienten entwick­elten auch eine febrile Neutropenie. Diarrhoen erreichten bei jedem zehnten Patienten einen Grad 3-4, Übelkeit und Fatigue jeweils bei 4 % der Patienten einen Grad 3. Die eisten Nebenwirkungen waren von milderem Grad.

Supportiv wurden Granulozytenkolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF) bei 30 % der Patienten eingesetzt. Ein Patient mit febriler Neutropenie verstarb an einer Sepsis.
Loriot betonte, dass die Ansprechrate und das progressionsfreie Überleben bei Therapie mit SG einen Vorteil gegenüber dem zeigt, was in dieser Situation sonst noch erreicht werden kann. Als Vergleich nannte er eine Ansprechrate auf einer Monochemo­therapie von nur 10 % mit einem progressionsfreien Überleben von 2 bis 3 Monaten.

In den USA ist SG für das mUC bereits in einem beschleunigten Zulassungsverfahren, eine bestätigende Phase-3-Studie (TROPiCS-04) läuft.

Zum Einsatz von SG beim rezidivierten oder refraktären mTNBC nach 2 und mehr vorangegangenen Chemotherapien wurden beim ESMO Ergebnisse aus einer Phase-3-Studie vorgestellt (Bardia A et al. ESMO Virtual Congress 2020, Abstract LBA17). In der ASCENT-Studie verbesserte SG sowohl das progressionsfreie wie das Gesamtüberleben gegenüber einer Monochemotherapie signifikant. © FK/aerzteblatt.de

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Avatar #63696
arty22
am Sonntag, 27. September 2020, 08:47

AK mit Wirkstoff

Ähnliches Prinzip wie bei Enfortumab - Vedotin (Nektin AK gekoppelt mit Mikrotubulusgift) wobei bei letzterem sogar ein medianes OS von 13,6 Monaten erreicht wurde.
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