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Medizin

Oligometastasiertes Prostatakarzinom: Radikale Lokaltherapie sinnvoll?

Samstag, 26. September 2020

Prostatakarzinom Mikroaufnahme, Vergrößerung 160:1 /picture-alliance, OKAPIA KG Germany, Dr. Gary Gaugler

Lugano – Bei einem neu diagnostizierten Prostatakarzinom, das bereits einige Metas­tasen gebildet hat, kann die radikale Lokaltherapie wahrscheinlich das progressionsfreie Überleben verbessern. Das berichtete Bo Dai vom Krebszentrum der Fudan-Universität in Shanghai anlässlich der virtuellen Jahrestagung der europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie ESMO 2020.

Oligometastatisierte Prostatakarzinome gelten als ein intermediäres Stadium zwischen lokal begrenzter und fernmetastasierter Erkrankung. Es gibt keinen eindeutigen Konsens darüber, welche Bedeutung die radikale Lokaltherapie des Primärtumors in dieser Situation hat. Ergebnisse aus der STAMPEDE-Studie legen nahe, dass ein Vorteil einer Bestrahlung nur bei oligometastasierten Karzinomen besteht (Lancet, 2018; DOI: 10.1016/S0140-6736(18)32486-3).

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Um zu prüfen, ob die Patienten mit einem neu diagnostizierten oligometastasierten Prostatakarzinom von einer radikalen Prostatektomie oder einer Strahlentherapie der Prostata zusätzlich zur Androgendeprivation profitieren, führten die Wissenschaftler in Shanghai eine prospektive, randomisierte und offene Phase-2-Studie durch.

Nach ihrer Definition lag eine Oligometastasierung bei maximal 5 Knochenmetastasen oder extrapelvinen Lymphnotenmetastasen ohne Vorhandensein von viszeralen Metas­tasen vor. Alle 200 Patienten erhielten eine Androgenentzugstherapie, im Verhältnis 1:1 eine Hälfte der Patienten außerdem eine radikale Lokaltherapie, wobei die radikale Prostatektomie als bevorzugte Technik empfohlen wurde und die Bestrahlung nur dann eingesetzt werden sollte, wenn die Patienten die radikale Prostektomie ablehnten oder der Primärtumor nach 1 bis 3 Monaten der Androgendeprivation nicht resektabel war.Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben in der Bildgebung (engl. radiographic progression free survival, rPFS).

Die 200 Studienteilnehmer waren im Median 68 Jahre alt und wiesen zum Diagnosezeit­punkt einen medianen Spiegel des prostataspezifischen Antigens (PSA) von 98,8 ng/ml auf. Bei 85 % der Patienten wies das Karzinom einen Gleason-Score von 8 und mehr auf. Knochenmetastasen hatten 96 % der Patienten, Lymphknoten-Fernmetastasen 15 %.

Im Kombinationsarm erhielten 96 der 100 Patienten zusätzlich zur Androgendepriva­tions­­­therapie tatsächlich die geplante radikale Lokaltherapie: 85 eine radikale Prosta­tektomie, 11 eine Strahlenbehandlung. 2 Patienten hatten in den ersten Wochen der Androgendeprivation bereits einen Progress erlitten, 2 lehnten die radikale Lokaltherapie ab.

Die von Dai beim ESMO-Kongress vorgestellte Interimsanalyse wurde nach einer medianen Nachsorgezeit von 28 Monaten durchgeführt. Einen Progress in der Bildgebung zeigten 19 der 100 Patienten der Gruppe mit Androgendeprivation und zusätzlicher radikaler Lokaltherapie und 33 der 100 Patienten in der Gruppe mit alleingier Androgen­deprivation. Bei zusätzlicher radikaler Lokaltherapie hatten die Patienten das mediane rPFS noch nicht erreicht, während des im Kontrollarm der Studie bei 50 Monaten lag.

Die Hazard Ratio für das rPFS betrug 0,50 zugunsten der zusätzlichen radikalen Lokaltherapie, das 95-%-Konfidenzintervall lag bei 0,28 bis 0,87 (p = 0,015). Allerdings ging das bessere rPFS mit einigen Komplikationen durch die radikale Lokaltherapie einher. Therapiebedingte Komplikationen wurden bei 24 der 85 Patienten nach radikaler Prostatektomie berichtet, die in 3 Fällen den Grad 3 oder 4 erreichte, sowie bei 5 der 11 bestrahlten Patienten (in keinem Fall höher als Grad 2).

Das Gesamtüberleben ist derzeit noch nicht beurteilbar, hier ist eine längere Nachbeob­achtungszeit notwendig.

In einem Kommentar wies Noel W. Clark von der urologischen Universitätsklinik in Manchester darauf hin, dass diese sehr ermutigenden Ergebnisse wegen der kleine Patientenzahl primär als hypothesengenerierend zu werten sei. Mehrere große Studien untersuchen die Fragestellung derzeit. Geplant ist auch ein neuer Arm M der STAMPEDE-Studie, bei der in jede Behandlungsgruppe 900 Patienten randomisiert werden. © FK/aerzteblatt.de

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