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Politik

Corona-App setzte bislang 5.000 Warnmeldungen ab

Mittwoch, 23. September 2020

/picture alliance, Bodo Marks

Berlin – Ein großartiger Erfolg, ein gutes Werkzeug oder ein Rockstar des Public Privat Partnership: Die Bewertung der deutschen Corona-Warn-App fällt für die Bundesregie­rung und die beiden beteiligten Unternehmen 100 Tage nach Vorstellung der Anwendung positiv aus. So geht die Regierung davon aus, dass etwa 5.000 SARS-CoV-2-Infizierte ihre Kontaktpersonen über die Handy-Anwendung gewarnt haben.

„Das ist viel, aber es reicht uns nicht“, sagte heute Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). Denn nur etwa die Hälfte der App-Nutzer sende nach einer positiven Diagnose eine Warnung an die Kontaktpersonen, sagte der Minister. Bei Nutzern der Telefonhotline seien es 90 Prozent, die nach einem Anruf dort ihr positives Ergebnis in der App teilten. Er rief die Bürger auf, die App im Infektionsfall tatsächlich einzusetzen: „Nutzen Sie dieses Werkzeug, informieren Sie Ihre Kontakte.“

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Spahn betonte, dass die Warnungen anonym über die App versandt würden – die Empfänger einer Warnmeldung wüssten also nicht, von wem diese stamme. Die betei­ligten Unternehmen, die Deutsche Telekom und SAP, kündigten an, in den nächsten Monaten eine neue Version mit veränderten und weiter erklärenden Texten zu veröffentlichten.

So viele Downloads wie alle anderen europäischen Länder zusammen

Insgesamt wertete Spahn die App aber als Erfolg. Sie sei in Deutschland mehr als 18 Millionen Mal heruntergeladen worden. Dies entspreche in etwa der Zahl der Downloads aller anderen europäischen Warn-Apps zusammengerechnet. Gleichzeitig sieht die Telekom dass es in Deutschland etwa 50 Millionen Smartphones gibt, die auf dem technischen Stand seien, die App zu nutzen. Vor allem Nutzerinnen und Nutzer von Android-Systemen seien in der Nutzung noch unterrepräsentiert, hieß es von SAP.

Auch Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) wertete die deutsche App als „große Erfolgsgeschichte“. Er verwies auf das „außergewöhnlich hohe Datenschutzniveau“ der Anwendung. Wegen dieses hohen Niveaus habe die Bundesregierung nur „begrenzte Zahlen zur Nutzerintensität“, sagte Braun. „Das ist keine Schwäche dieser App, es ist ihre ausdrückliche Stärke.“

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) warb ebenfalls eindringlich für die Nutzung der App. Dies sei „ein Liebesbeweis an alle, um die Sie sich sorgen“. Die CSU-Politikerin berichtete, dass sie vergangene Woche auch selbst von der App gewarnt worden sei. Das Ergebnis bei ihr sei negativ gewesen. Doch die Warnung zeige, dass die App funktioniere.

Weitere Funktionen sollen kommen

In den kommenden Wochen soll die deutsche Corona-Warn App um weitere Funktionen ergänzt werden. Damit könnte sie auch in zehn weiteren europäischen Ländern eingesetzt werden – dazu zählen Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, Irland, Italien, Lettland, Niederlande, Polen und Spanien. Das kündigte Telekom-Chef Timotheus Höttges an. In diesen Ländern kommuniziere die App des Bundes auch mit den jeweiligen nationalen Corona-Warn-Apps.

Kanzleramtsminister Braun stellte auch in Aussicht, dass die Schweiz in den Verbund aufgenommen werde. Länder wie Frankreich, die technisch eine zentralen Ansatz zur Datenspeicherung gewählt haben, könnten dagegen nicht integriert werden. Außerdem soll die App künftig auch Krankheitssymptome abfragen, wie SAP-Technikschef Jürgen Müller erklärte. Auch diese Eingabe sei freiwillig.

„Die Daten werden auch nicht geteilt, sondern nur lokal auf dem Smartphone abge­speichert.“ Diese Angabe solle dabei helfen, ob eine Risikobegegnung kritisch war. Auch mahnte er, dass beim Arzt auf dem Informationsblatt für Labore das Kreuzchen zur Übertragung der Ergebnisse in die App ausgefüllt werden müsse.

Nach Angaben des Telekom-Chefs Höttges habe sich sein Unternehmen als technischer Dienstleister bemüht, in den vergangenen 100 Tagen die Testlabore so auszustatten, dass diese ihre Ergebnisse direkt in die App übertragen können. Man war dabei von 114 Laboren ausgegangen, dann haben sich 168 Labore gemeldet.

90 Prozent der Labore angeschlossen

Davon seien aber nicht alle bereit gewesen, sich mit der Technik auszustatten. „15 Labore haben uns gesagt, dass ihnen der Aufwand zu hoch sei.“ Daher seien nach seinen Angaben nun 90 Prozent der Labore angeschlossen. „Wir als IT-Dienstleister sind damit jetzt am Ende unserer Möglichkeiten“, so Höttges.

Höttges lobte auch die Zusammenarbeit mit vielen öffentlichen Stellen sowie den beiden Konzernen Telekom und SAP. Es sei ein „Renommee-Projekt für Private Public Partner­ship-Projekte, das es so noch nicht gegeben habe. Hier sehe man auch, wie der Open Source-Ansatz funktioniert habe, betonte SAP-Technikchef Müller.

Man habe die 45.000 Rezensionen der App gelesen und auch Fehler behoben. Da die Schnittstellen zu den einzelnen Betriebssystemen gelegentlich „Schluckauf“ hatten, sei man weiterhin in einem lernenden System, das kontinuierlich wie jedes andere Techno­logie-Projekt verbessert werde.

Die Anwendung zeichnet mit der Bluetooth-Technologie auf, wann und wie lange sich jemand in der Nähe eines anderen Smartphone-Nutzers aufgehalten hat, der ebenfalls die App aktiviert hat. Wird jemand positiv auf das Coronavirus getestet, kann er über die App anonym die Nutzer warnen, mit denen er Kontakt hatte. Positiv Getestete müssen aber einen QR-Code des Testlabors erhalten, um ihren Befund in der App eintragen zu können.

Alternativ bestätigt auch eine Telefon-Hotline die Infektion, was dann über eine TAN in die App eingetragen werden kann. Diese Hotline hatte die Telekom extra aufgebaut. Dort seien in den vergangenen 100 Tagen über 1.000 Anrufe eingegangen, die teilweise bis zu 20 Minuten dauerten. Es sei dabei oft auch um Seelsorge und Informationen gegangen, so Höttges.

Ältere Betriebssysteme werden wohl nicht mehr bedient

Die beiden deutschen Technologiekonzerne dämpften Hoffnungen, dass Apple und Google ihre Schnittstellen auch für ältere Smartphone-Betriebssysteme zur Verfügung stellen werden. Beim iPhone muss mindestens das Betriebssystem iOS 13.5 installiert sein. Dieses wird für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE bereit gestellt. Ältere Modelle, wie das iPhone 5 oder 6, sind nicht mehr kompatibel. Dabei geht es vor allem um die Bluetooth-Low-Energy-Technologie, die ältere Geräte nicht haben.

Bei Google wird die Schnittstelle in Android über die sogenannte Google Play Services bereitgestellt, die beispielsweise von neueren Huawei-Smartphones wegen eines US-Embargos gegen den chinesischen Konzern nicht genutzt werden dürfen. © bee/dpa/afp/aerzteblatt.de

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