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Medizin

„Vaskulärer Sturm“: Wie eine Grippe in der Schwangerschaft Gesundheit und Leben des Kindes gefährdet

Mittwoch, 21. Oktober 2020

/Artem, stock.adobe.com

Melbourne – Grippeviren können – anders als etwa das Zikavirus – die Plazentaschranke nicht passieren. Dennoch kann eine Influenza in der Schwangerschaft den Feten schwer schädigen. Eine tierexperimentelle Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS, 2020; DOI: 10.1073/pnas.2006905117) liefert mögliche Erklärungen.

Schwangeren wird heute im 2. oder 3. Trimenon (in Ausnahmen auch im 1. Trimenon) zu einer Grippeimpfung geraten. Denn während eine Influenza ansonsten bei jüngeren Erwachsenen (ohne Begleiterkrankungen) milde verläuft, kann es bei Schwangeren zu schweren Komplikationen für die werdende Mutter und ihr Kind kommen. Die Schwangere kann an einer schweren Pneumonie mit Atemnotsyndrom erkranken.

Gesundheit und Leben des Kindes sind durch intrauterine Wachstumsstörungen, Früh- und auch Fehlgeburten bedroht. Die Pathogenese ist unklar, denn Grippeviren bleiben in der Regel auf die Lunge beschränkt, und eine Infektion des Feten konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Irische und australische Forscher haben jetzt den Verlauf einer Influenza bei Mäusen genauer untersucht. Die trächtigen Tiere wurden am 12. Gestationstag (entspricht dem 2. Trimenon beim Menschen) mit Influenza A-Viren infiziert. Wie Stella Liong von der RMIT Universität in Melbourne und Mitarbeiter berichten, blieb die Infektion bei den trächtigen Tieren nicht auf die Lungen beschränkt (wie dies bei nicht-trächtigen Mäusen der Fall war).

Die Viren infizierten auch die großen Blutgefäße einschließlich der Aorta. Dies löste eine starke Immunreaktion aus, die die Forscher als „vaskulären Sturm“ bezeichnen. Das Ziel der Immunreaktion ist die Bekämpfung der Viren im mütterlichen Kreislauf. Es kommt jedoch zu erheblichen Kollateralschäden, die auch den Feten betreffen, obwohl die Viren die Plazentaschranke nicht passieren.

Der „vaskuläre Sturm“ hat eine endotheliale Dysfunktion zur Folge. Die Blutgefäße verlieren die Fähigkeit, sich zu entspannen, was zu Durchblutungsstörungen auch in der Plazenta führt. Die Plazenta reagiert wie bei einer Präeklampsie mit der Freisetzung von sFLT1, einem bekannten Marker der Erkrankung. Auch die Konzentration von zellfreier fetaler DNA im Kreislauf der Mutter ist erhöht.

Die Funktionsstörung der Plazenta führt zu einer Unterversorgung des Feten mit Sauer­stoff. Dies macht sich im Gehirn des Feten mit einer vermehrten Neubildung von Blut­gefäßen bemerkbar, einer normalen Reaktion des Körpers auf einen Sauerstoffmangel.

Die Studie liefert eine Erklärung für die intrauterinen Wachstumsstörungen, die bei Grippeerkrankungen von Schwangeren beobachtet wurden. Auch epileptische Erkran­kungen und Zerebralparesen, die in epidemiologischen Studien nach Influenzaerkran­kungen der Mutter bei den Kindern beobachtet wurden, erscheinen jetzt plausibel. © rme/aerzteblatt.de

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