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Medizin

Typ-2-Diabetes: Basis-Insulin mit einmal wöchentlicher Injektion überzeugt in Phase-2-Studie

Dienstag, 20. Oktober 2020

/dpa

Dallas – Ein neues Basis-Insulin, das aufgrund einer Halbwertzeit von 196 Stunden nur einmal in der Woche injiziert werden muss, hat in einer Phase-2-Studie den HbA1c-Wert von Patienten mit Typ-2-Diabetes ebenso gut gesenkt wie die Behandlung mit einem einmal täglich zu injizierenden Basis-Insulin.

Die Endergebnisse der Studie wurden jetzt auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2022474) publiziert.

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Viele Patienten mit Typ-2-Diabetes scheuen die Injektionen, die mit der Insulintherapie verbunden sind, was den notwendigen Beginn der Therapie häufig hinauszögert. Langzeit-Insulinanaloga, die mittlerweile eine einmal tägliche Dosierung ermöglichen, werden deshalb von vielen Patienten als Einstieg in die Insulintherapie eher akzeptiert.

Der Hersteller Novo Nordisk hat ein Ultra-Langzeit-Insulinanalogon entwickelt, das nur noch einmal wöchentlich injiziert werden muss. Insulin icodec hat eine Halbwertzeit von 196 Stunden. Erreicht wurde dies durch den Austausch von 3 Aminosäuren im Insulin­molekül, die den enzymatischen Abbau verhindern, sowie durch das Anhängen einer C20-Fettkette, die das Molekül im Blut an Albumin bindet und nur langsam freisetzt.

Das neue Ultralangzeit-Insulinanalogon wurde in einer internationalen Studie an 247 Patienten getestet, die unter einer Behandlung mit Metformin, teilweise in Kombination mit einem Dipeptidyl-Peptidase 4-Inhibitor, keine ausreichende Stoffwechseleinstellung erreicht hatten.

Die Patienten wurden auf eine Behandlung mit Insulin icodec mit einmal wöchentlicher Dosierung oder Insulin glargin U100 mit einmal täglichen Injektionen randomisiert. Die Studie war doppelblind. Alle Patienten erhielten die täglichen und die wöchentliche Injektionen, die entweder den Wirkstoff oder ein Placebo enthielten.

Die Patienten begannen die Studie mit einer Dosis von 70 U Insulin icodec und mit 10 U Insulin glargin. Die Dosis wurde in der Folge so adjustiert, dass die Patienten einen morgendlichen Nüchternblutzucker von 70 bis 108 mg/dl erreichen sollten. Primärer Endpunkt war der HbA1c-Wert am Ende der Studie nach 26 Wochen.

Wie Julio Rosenstock vom Dallas Diabetes Research Center und Mitarbeiter berichten, hatten die Patienten in der icodec-Gruppe zu Beginn der Studie einen HbA1c-Wert von durch­schnittlich 8,1 %, in der glargin-Gruppe lag er bei durchschnittlich 8,0 %. In der icodec-Gruppe sank der HBA1c-Wert in den folgenden 26 Wochen auf 6,69 %. In der glargin-Gruppe kam es zu einer Verbesserung auf 6,87 %. Der Vorteil für die icodec-Gruppe von 0,18 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,02 bis 0,38 bis Prozentpunkten allerdings nicht signifikant.

Einen HbA1c-Wert von unter 7 % erreichten in der icodec-Gruppe 72 % der Patienten gegenüber 68 % in der glargin-Gruppe. Auch hier war die geschätzte Odds Ratio von 1,20 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,98 bis 2,13 nicht signifikant. Insgesamt 49 % beziehungsweise 39 % erreichten sogar einen HBA1c-Wert von 6,5 % (geschätzte Odds Ratio 1,47; 95-%-Konfidenzintervall 0,85 bis 2,52).

Damit hatten beide Insulinanaloga die Blutzuckerkontrolle der Patienten deutlich verbessert. Der tendenzielle Vorteil der icodec-Gruppe verfehlte allerdings das Signifi­kanz­­niveau.

Auf der Sicherheitsseite waren die Ergebnisse in der icodec-Gruppe etwas ungünstiger. Hier kam es bei 67 Patienten (53,6 %) zu einer Hypoglykämie-Warnung gegenüber 46 Patienten (37,7 %) in der glargin-Gruppe (Odds Ratio 1,84; 1,10 bis 3,07). Zu einer klinisch relevanten oder schweren Hypoglykämie kam es in der icodec-Gruppe bei 20 Patienten (16,0 %) und in der glargin-Gruppe bei 12 Patienten (9,8 %). Die Odds Ratio betrug hier 1,70; 0,79 bis 3,66).

Rosenstock schließt aus den Ergebnissen, dass die Zielwerte des Nüchternblutzuckers bei der Behandlung mit Insulin icodec etwas angehoben werden müssten. Dies könnte dann zu gleichen Ergebnissen beim HbA1c-Wert und den Hypoglykämierisiken führen.

Sollten sich die Ergebnisse in der vom Hersteller angekündigten Phase-3-Studie bestä­tigen, dürfte einer Zulassung von Insulin icodec nichts im Wege stehen. Der Hersteller weist in der Pressemitteilung noch auf Ergebnisse einer Phase-2-Studie hin, die zeigen soll, dass die Patienten gefahrlos von einer einmal täglichen auf eine einmal wöchent­liche Insulintherapie wechseln können. © rme/aerzteblatt.de

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