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Medizin

Apps helfen beim Rauchstop

Dienstag, 20. Oktober 2020

/Kaspars Grinvalds, stock.adobe.com

Seattle – Das Smartphone kann Raucher bei der Entwöhnung unterstützen. In einer randomisierten Studie, die 2 Apps mit unterschiedlichen Ansätzen verglich, schafften es nach der Publikation in JAMA Internal Medicine (2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.4055) mehr als 1/5 der Teilnehmer, nach einem Jahr auf das Rauchen zu verzichten.

Apps zur Rauchentwöhnung gibt es zuhauf. Im englisch-sprachigen Raum werden nach einer aktuellen Auswertung 490 Apps angeboten, die bereits 33 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Die wenigsten Anwendungen wurden klinisch getestet.

Eine Cochrane-Analyse kam im letzten Jahr bei der Auswertung von 5 klinischen Studien zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die Chancen zur Abstinenz recht gering sind. Nach 6 Monaten hatten 4 bis 18 % der Teilnehmer angegeben, auf das Rauchen zu verzichten. Das war nicht mehr, als mit Broschüren und anderen niederschwelligen Angeboten erzielt werden kann.

Ein Team um Jonathan Bricker vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle kommt jetzt in einer randomisierten Studie zu etwas besseren Ergebnissen. Insgesamt 2.415 erwachsene Raucher im mittleren Alter von 38,2 Jahren, die zu 83,2 % seit mehr als 10 Jahren rauchten und im Fagerström Test for Nicotine Dependence einen Score von 5,9 von 10 Punkten erzielten (was eine höhere Nikotinabhängigkeit anzeigt), waren auf die Anwendung von 2 Apps randomisiert worden, die auf unterschiedlichen Konzepten basieren.

Der QuitGuide des US-National Cancer Institute setzt die derzeitigen Leitlinien des US-Ge­sund­heits­mi­nis­teriums um. Sie erfragt zunächst die Erwartungen der Raucher und informieren diese über die Risiken (auch für andere Menschen). Den Rauchern werden die gesundheitlichen Vorteile der Abstinenz in Aussicht gestellt. Die Hilfen in der Vermei­dungsphase sind eher konventionell mit Hinweisen auf die möglichen Trigger.

Die iCanQuit-App, die die Firma 2Morrow aus Kirkland, einem Vorort von Seattle, programmiert hat, setzt dagegen auf das Konzept der „Acceptance and Commitment Therapy“, einer Variante der derzeit von vielen Psychologen bevorzugten kognitiven Verhaltenstherapie.

Am Anfang steht dabei die Ermittlung der persönlichen Werte. Die Motivation wird dann durch sogenannte Testimonials erhöht, in denen Personen von ihren erfolgreichen Abstinenz­versuchen berichten.

Die App enthält spielerische Elemente: Die abstinenz­willigen Raucher können virtuelle Auszeichnungen erwerben. Statt der Warnungen vor den Triggern setzt die App auf eine Akzeptanz der Sucht. Die Raucher sollen lernen, dass der Drang zur nächsten Zigarette kommt, aber auch wieder geht. Rückfälle sollen nicht als Sünde gesehen werden, sondern als Hürde auf dem Weg in eine rauchfreie Zukunft akzeptiert werden. Auch in der interaktiven Umsetzung des Konzepts geht die App neue Wege.

Eine Erfolgsgarantie bieten beide Apps nicht. Die Abstinenzraten nach 12 Monaten waren jedoch höher als in den von der Cochrane Collaboration bewerteten Studien. Primärer Endpunkt war eine Abstinenz in den letzten 30 Tagen, die nach 12 Monaten erfragt wurde.

Mit dem QuitGuide des US-National Cancer Institute hatten 21,1 % der Teilnehmer dieses Ziel erreicht, also etwas mehr als in den wenigen früheren Studien. Die Anwender der iCanQuit-Teilnehmer hatten dagegen zu 28,2 % angegeben, im letzten Monat keine Zigaretten geraucht zu haben. Die Odds Ratio von 1,49 war nach den Berechnungen von Bricker mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,22 bis 1,83 signifikant.

Die Raucher hatten es mit der iCanQuit-App auch häufiger erreicht, auf sämtliche nikotinhaltigen Substanzen (einschließlich E-Zigaretten) zu verzichten (23,6 versus 16,4 %). Für die iCanQuit-App sprach auch, das sie häufiger genutzt wurde und die Zufrieden­heit der Raucher mit der App höher war.

Die wichtigste Einschränkung der App ist, dass die Abstinenz nicht durch Laborunter­suchungen überprüft wurde. Es ist deshalb nicht ganz auszuschließen, dass die Nutzer der als „cooler“ empfundenen App häufiger das Gefühl hatten, auf das Rauchen verzichten zu können, ohne sich in Wirklichkeit auch daran zu halten. © rme/aerzteblatt.de

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