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Experten beleuchten Schulschließungen wegen Corona kritisch

Mittwoch, 23. September 2020

/bluedesign, stock.adobe.com

Stockholm – Europäische Experten haben sich kritisch mit Schulschließungen während der Coronapandemie auseinandergesetzt.

„Kinder haben mit größerer Wahrscheinlichkeit eine leichte oder asymptomatische Infektion“, sagte Jonathan Suk vom Europäischen Zentrum für die Kontrolle und Präven­tion von Krankheiten (ECDC) laut einer Mitteilung.

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Die Krankheit verlaufe in der Regel sehr mild oder breche gar nicht erst aus. Deshalb sei die Schließung von Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen als Einzelmaßnahme wahrscheinlich nicht gerechtfertigt.

Ob Schulschließungen eine wirksame Maßnahme zur Bekämpfung des Coronavirus sind, war heute Thema einer internationalen Konferenz, die von der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) und vom ECDC veranstaltet wurde.

Nur vier Prozent der in den europäischen Ländern registrierten Fälle von COVID-19 betrafen demnach Kinder bis 18 Jahren. 44 Prozent davon waren zwischen 12 und 18 Jahre alt.

Chiara Reno von der Universität Bologna in Italien appellierte an die politischen Entscheidungsträger, die Vor- und Nachteile bei der Strategie zur Wiedereröffnung von Schulen abzuwägen und die psychologischen, erzieherischen und sozialen Folgen für Kinder und ihre Familien zu berücksichtigen.

Schulschließungen könnten sich auf Kinder sehr negativ auswirken, so Reno. Einigen Berichten zufolge seien Kinder und Jugendliche einem hohen Risiko für Depressionen und Angstzuständen ausgesetzt, wenn sie von der Schule und ihren Freunden isoliert sind.

Reno sprach sich dafür aus, die Vorgehensweise an die Altersgruppen anzupassen. Die Umsetzung strenger Maßnahmen zur Infektionskontrolle, wie Händewaschen, Abstand­halten und die Lüftung von Räumen, sei von entscheidender Bedeutung.

„Es gibt keine einzige vollständig wirksame Maßnahme, sondern eine Mischung aus Maßnahmen, die unterschiedlich kombiniert und kontextualisiert werden müssen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Andre B.
am Freitag, 25. September 2020, 14:27

@Nobert - Zum Übertragungsrisiko durch Kinder

Es ist wichtig zu wissen, das sich die bisher angewandten Strategien ganz und gar auf die Erfahrungen mit Grippepandemien abstützen. Was allerdings die Gefahr der Ausbreitung des aktuellen Coronaerregers durch Kinder betrifft, so müssen hier andere Bewertungskriterien als Maßstab für das Etablieren solch restriktiver Verordnungen angelegt werden. Dazu ein paar weiterführende Informationen,

Bereits seit März ist bekannt, dass das Erkrankungs- und Übertragungsrisiko bei Kindern im Falle von Covid19 minimal ist. Hauptgrund dafür dürfte eine vorbestehende Immunität sein durch den häufigen Kontakt mit bisherigen Coronaviren (d.h. Erkältungsviren).

Eine Metananalyse (Zhu et al, MedRxiv, 26.3.20) hat versucht, die Rolle der Kinder für die Ausbreitung der Epidemie zu erfassen. Die Autoren haben insgesamt 31 publizierte kleine Krankheitsausbrüche in Familien untersucht. Sie entdeckten, dass bei weniger als 10% dieser Ausbrüche (3/31) ein Kind die Quelle der Covid-19 Übertragungen war. Das ist überraschend, denn von der Grippe wissen wir, dass Kinder ganz wichtigeÜberträger sind. Die Autoren zeigen, dass bei den gefürchteten Vogelgrippe-Ausbrüchen (H5N1) mehr als 50 Prozent der Fälle von Kindern ausgehen. Offenbar scheint sich die Ausbreitung von Covid-19 deutlich von derjenigen der Influenza zu unterscheiden. Das ist eine wichtige Erkenntnis, wenn wir bedenken, dass unser Entscheid, die Schulen zu schliessen, sich wie schon gesagt ganz auf die Erfahrungen mit Grippepandemien abstützte. (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.26.20044826v1.full.pdf)

Eine weitere wichtige Arbeit wurde von Davies et al auch im MedRxiv (inzwischen auch in Nature Medice) am 27.3.20 publiziert. Diese Autoren haben die Folge der deutlich reduzierten Symptomrate bei Kindern untersucht. Wir haben zwar noch keine gute Erklärung für das Phänomen, doch wir wissen, dass Kinder sehr viel seltener mit Covid-19 erkranken oder Symptome zeigen. Die Autoren kommen zum Schluss, dass die auffallend andersartige klinische Präsentation der Infektion bei Kindern auch dazu führt, dass sich die Krankheit bei ihnen anders ausbreitet (was ja in der oben erwähnten Arbeit ebenfalls aufgezeigt wird). Die Autoren vergleichen in mathematischen Modellen auch die Ausbreitung der beiden Infektionen Covid-19 und Influenza. Der Vergleich deckt einen wesentlichen Unterschied zwischen Covid-19 und Influenza auf: Während sich die Ausbreitung von Influenza durch das Schliessen von Schulen deutlich verzögern lässt, ist ein solcher Effekt bei Covid-19 nur noch marginal nachweisbar. (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.24.20043018v2 & https://www.nature.com/articles/s41591-020-0962-9)

Im Lancet Child and Adolescent Healht Health (Viner et al.) erschien ein dazu eine weitere systemtischer Review. Der Artikel fasste 16 Arbeiten zusammen. Die Schlussfolgerungen decken sich im Wesentlichen mit unseren: Die wissenschaftliche Beurteilung zeigt, dass das Schliessen von Schulen keinen relevanten Einfluss auf die Ausbreitung der Covid-19 Epidemie hat. Die Autoren diskutieren auch die Unterschiede zwischen Influenza und Covid-19 und die möglichen Ursachen für die unterschiedlichen Ursachen. (https://www.thelancet.com/journals/lanchi/article/PIIS2352-4642(20)30095-X/fulltext#seccestitle90)

Bezüglichd er Thematik erklärte der britische Epidemiologe "Professor Mark Woolhouse" , es gebe weltweit keinen einzigen bestätigten Fall einer Ansteckung eines Lehrers durch einen Schüler. (https://www.thetimes.co.uk/article/no-known-case-of-teacher-catching-coronavirus-from-pupils-says-scientist-3zk5g2x6z)

Ein gemeinsamer Bericht von Schweden (ohne Schließung der Grundschulen) und Finnland (mit Schließung der Grundschulen) kam zum Ergebnis, dass sich die Infektionsraten bei Kindern in den beiden Länder nicht unterschieden. (https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-sweden-schools-idUSKCN24G2IS)
Avatar #789658
2haeschen
am Donnerstag, 24. September 2020, 22:36

@NORBERT

"Unsere" Klassenlehrerin ist mit 35 Dientjahren, jetzt kann man rechnen, sehr erfreut darüber, alle Kinder wieder unterrichten zu dürfen! Daumen hoch.

Natürlich sind Lehrkräfte "schützenswerte Menschen", wie jeder Einzelne von uns!
Lernen, sich bewegen und miteinander fröhlich sein, Konflikte austragen und so weiter, auch Schulbus fahren ... das ist wichtig für alle Kinder. Lehrer und Erzieher sind dafür ausgebildet und werden dafür bezahlt. Lehrer und Erzieher können sich seit Jahren alles Mögliche bei den Kindern einfangen, dass vergisst man gern während "Corona".
Der Kinderarzt kann sich ebenso anstecken, ein Kind könnte reichen. Soll er nicht lieber doch die Praxis schließen bis "alles" vorbei ist? Wäre auf alle Fälle sicherer.

Wieviele alte kranke Menschen müssen wohl täglich gepflegt werden? Soll man sie erst versorgen, wenn sie andere nicht mehr anstecken können?

Avatar #786
norbert
am Donnerstag, 24. September 2020, 12:46

Experten beleuchten Schulschließungen wegen Corona kritisch

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei den Schulschließungen geht es nicht primär um das Wohl der Kinder, sondern um die Unterbrechung der Ausbreitung von Covid-19!
In den Schulen können Abstandsregeln nicht eingehalten werden! Die Klassenzimmer sind viel zu klein. Im Schlulbus ist erst recht daran zu denken, dass die Kinder Abstand zueinander halten können. In der Pause oder auf den Gängen könnten sie vielleicht, aber die Kinder halten sich nicht daran, eben weil sie nicht von ihren Freunden isoliert sein wollen.
Ich wundere mich immer wieder, wie wenig die Realität des Schulalltages bei den Diskussionen berücksichtigt wird. Ich fordere die Diskussionsteilnehmer auf einen Tag in die Schule zu gehen und erst dann Urteile oder Empfehlungen abzugeben.

Außerdem wird die Gefährdung der Lehrkräfte nie zur Diskussion gestellt. Sind die Lehrkräfte keine schützenswerte Menschen?

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bauer
LNS

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