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Barmer-Report: Operationen in Kliniken mit viel Erfahrung reduzieren Komplikationen

Donnerstag, 24. September 2020

/rogerphoto, stockadobecom

Berlin – Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 100.000 Menschen nach einer Operation im Krankenhaus. Viele dieser Todesfälle wären durch eine Operation in einer Klinik mit mehr Erfahrung vermeidbar. Diesen Schluss legt der aktuelle Krankenhausreport der Barmer nahe, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

Allein bei Eingriffen wie bei Pankreas- und Darmkrebs könnten laut Barmer in zehn Jahren knapp 3.800 Todesfälle verhindert werden, wenn diese Operationen in Krankenhäusern mit doppelt so hoher Fallzahl durchgeführt würden.

Deshalb müssten vor allem komplizierte Operationen in Kliniken mit hoher Fallzahl durchgeführt werden, so Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Zum anderen brauche es interdisziplinäre, berufsgruppenübergreifende Teams sowie eingespielte Abläufe vor und nach den jeweiligen Operationen. Nur so könne die Qualität messbar steigen. Darüber hinaus seien leicht verständliche Qualitätsinformationen für Patienten und Ärzte bei der Auswahl der geeigneten Klinik erforderlich.

Hohe Prozess- und Strukturqualität, gutes Outcome

„Eingriffe sind in der Regel sicherer, wenn Chirurgen und das interdisziplinäre Team mit der Patientenversorgung vor und nach der Operation viel Erfahrung haben. Das allein rettet aber noch nicht automatisch Menschenleben. Die Voraussetzung für einen guten Outcome ist eine hohe Prozess- und Strukturqualität“, betonte Straub.

Der Krankenhausreport hat fünf Indikationen exemplarisch untersucht. Dazu gehören die bariatrische Chirurgie, Operationen an der Wirbelsäule sowie Eingriffe bei Bauchaortenaneurysmen, Darmkrebs und Pankreaskrebs. Um die Ergebnisse der Datenanalyse vergleichbar zu machen, wurden stets dieselben Analyseparameter zugrunde gelegt.

Dazu gehören die 30-Tage-Sterblichkeit, Wiedereinweisungsraten und Komplikationen. Darüber hinaus wurde der Anfahrtsweg zu den Kliniken ausgewertet. Den Reportergebnissen zufolge erreicht die große Mehrheit der Bevölkerung ein Krankenhaus mit einer hohen Fallzahl innerhalb von 60 Minuten.

„Um bessere Qualität bei planbaren Operationen zu erzielen, lohnt sich ein etwas längerer Anfahrtsweg. Vor allem bei komplizierten Eingriffen sollten hohe Fallzahlen und Spezialistenteams bei der Auswahl gewichtiger sein als die unmittelbare Wohnortnähe“, so Straub. Den Reportergebnissen zufolge wird sehr deutlich, dass sich vor allem bei den Krebs-Operationen, aber auch der Adipositaschirurgie Erfahrung auszahlt.

„Bei örtlichen Tumorentfernungen im Fall von Darmkrebs verringert eine Verdopplung der Fallzahl die Sterblichkeit von 4,4 Prozent um 0,8 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent. Außerdem wird die Rate an spezifischen Komplikationen von 16,6 Prozent um 2 Prozentpunkte verringert. Damit die Patienten keinem unnötigen Risiko ausgesetzt sind, sind vorgegebene Mindestmengen für bestimmte Eingriffe ein sinnvolles Instrument“, erläuterte Boris Augurzky, Autor des Krankenhausreports und Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“ am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Für die Patientinnen und Patienten könne eine Zertifizierung von Krankenhäusern eine gute Orientierung bieten.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) äußerte sich zurückhaltend bis kritisch zum Barmer-Krankenhausreport. „Zu behaupten, dass Mindestmengen dazu führten, dass die Gesamttodesrate signifikant sinken würde, ist unseriös und irreführend“, erklärte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG.

Mit solchen Behauptungen werde das zur Qualitätsverbesserung durchaus geeignete Instrument der Mindestmengen diskreditiert. „Die DKG und der GKV-Spitzenverband arbeiten ständig an der Weiterentwicklung der Mindestmengen im Gemeinsamen Bundesausschuss. Für vier von fünf von der Barmer benannte Krankheitsbilder liegen aber noch nicht einmal Anträge von Kassenseite vor“, betonte Baum. © EB/aha/aerzteblatt.de

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