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Preise für Onkologika um 14 Prozent gestiegen

Donnerstag, 24. September 2020

/nmann77, stock.adobe.com

Heidelberg/Berlin – Die Arzneimittelausgaben sind im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 43,4 Milliarden Euro angestiegen. Grund dafür sind insbesondere neu auf den Markt gekommene, patentgeschützte Arzneimittel, für die die Hersteller die Preise im ersten Jahr nach der Zulassung selbst festlegen können.

Im Jahr 2019 lagen die durchschnittlichen Jahrestherapiekosten für diese Arzneimittel bei 217.313 Euro. Vor zehn Jahren waren es noch 34.253 Euro. Das geht aus dem aktuellen Arzneiverordnungs-Report (AVR) hervor, den die Arzneimittelexperten Ulrich Schwabe und Wolf-Dieter Ludwig herausgegeben haben. Die Daten stammen vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).

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Schwabe und Ludwig kritisieren dabei, dass die hohen Arzneimittelpreise in keiner erkennbaren Relation zum erzielten therapeutischen Fortschritt stünden.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 31 Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen auf den Markt gebracht. 26 von ihnen erhielten eine frühe Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) gemäß Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG). „Von den nutzenbewerteten Patentarzneimitteln kosteten zwölf Präparate mehr als 100.000 Euro pro Jahr“, heißt es im AVR. Auffällig sei weiterhin der hohe Anteil von Orphan Drugs zur Behandlung seltener Erkrankungen mit besonders hohen Jahrestherapiekosten.

Onkologika verursachen die höchsten Ausgaben

Die Arzneigruppe mit den höchsten Ausgaben waren 2019 wieder die Onkologika (8,2 Milliarden Euro, +13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Es folgen die Arzneigruppe der Immunsuppressiva (5,6 Milliarden Euro, +7,5 Prozent) und der Antithrombotika (2,6 Milliarden Euro, +10 Prozent). Ebenfalls große Zuwächse hatten die Dermatika (1,9 Milliarden Euro, +13,5 Prozent), die nach den Antidiabetika auf dem fünften Platz lagen.

Während die Preise für patentgeschützte Arzneimittel im vergangenen Jahr anstiegen, ging ihr Verordnungsanteil zurück. Der Anteil der Generika stieg hingegen weiter an. Er lag 2019 bei 87 Prozent. „Seit dem Inkrafttreten des Preismoratoriums von 2010, das zuletzt im Mai 2017 durch das GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) bis zum 31. Dezember 2022 verlängert wurde, sind Umsatzsteigerungen nur noch durch entsprechend höhere Preise allein bei neu eingeführten Produkten möglich“, heißt es im AVR.

Mehr Biosimilars verordnen

Obwohl die Gesamtausgaben für Arzneimittel angestiegen sind, lagen die Einsparungen durch gesetzliche Maßnahmen im Jahr 2019 bei 16,8 Milliarden Euro: 8,2 Milliarden Euro durch das Bilden von Festbetragsgruppen, fünf Milliarden durch Rabattverträge und 3,6 Milliarden Euro durch das AMNOG-Verfahren, bei dem GKV-Spitzenverband und Hersteller den Preis eines neuen Arzneimittels verhandeln, den die gesetzlichen Krankenkassen ab dem ersten Jahr nach der Zulassung zahlen.

Schwabe und Ludwig kritisieren, dass nicht noch mehr Einsparungen mit den bestehenden Möglichkeiten realisiert würden – zum Beispiel durch höhere Verordnungsquoten von Biosimilars.

Die Ausgaben könnten zudem mit einer stringenteren Nutzung des Festbetragssystems gesenkt werden. Dabei werden Arzneimittel zu Festbetragsgruppen zusammengefasst, für die Höchstpreise gelten. Die AVR-Herausgeber kritisieren, dass es für das Biologikum Infliximab drei Jahre gedauert habe, bis eine Festbetragsgruppe etabliert worden sei. Für das Onkologikum Imatinib gebe es seit 2017 Generika, aber noch immer keinen Festbetrag. © fos/aerzteblatt.de

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